Die historisch tiefen Hypothekarzinsen verlocken zum Eigenheimkauf. Insbesondere im unteren und mittleren Preissegment hat die Nachfrage nach Wohneigentum laut den Immobilienexperten von Walde und Partner auch in den vergangenen, krisengeschüttelten Monaten weiter zugenommen.

Mit gutem Grund: «Je nach Laufzeit kommt eine Festhypothek von 0,5 Mio Fr. zwischen 5000 und 10000 Fr. pro Jahr günstiger als noch vor zwölf Monaten», erklärt Migros-Bank-Sprecher Albert Steck. Demgegenüber seien die Mietpreise im gleichen Zeitraum gar noch gestiegen. Von einem nach wie vor positiven Umfeld spricht auch die Zürcher Kantonalbank (ZKB): «Das Angebot an Eigenheimen ist attraktiv und die Preise sind fair. Zudem sind die Finanzierungskosten für einen Einstieg äusserst vorteilhaft.»

Besonders interessant ist der Eigenheimkauf unter Einbezug der Vorsorgegelder aus der 2. Säule. «Dies ist eine gute Möglichkeit vor allem für junge Leute, um das Startgeld zu erhalten», erklärt Ansgar Gmür, Direktor des Hauseigentümerverbands (HEV). Laut Gmür wurden im vergangenen Jahr auf diese Art 3,5 Mrd Fr. für die Finanzierung der eigenen vier Wände eingesetzt.

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Gelder lieber für Eigenheim

Angesichts der Tatsache, dass sich durch die Finanzkrise fast jede sechste Pensionskasse in Unterdeckung befindet, wie die jüngsten Berechnungen des Bundesamtes für Sozialversicherungen ergaben, hat dieses Vorgehen an Brisanz gewonnen. «Es kann sein, dass Versicherte aufgrund der tieferen BVG-Verzinsung unzufrieden sind und daher die Gelder lieber für einen Eigenheimkauf nutzen», bestätigt Hanspeter Konrad, Direktor des Pensionskassenverbandes Asip. Einen fundamentalen Trendwechsel, was die Eigenheimfinanzierung betrifft, hat er allerdings nicht festgestellt. Ähnlich sieht es die ZKB. «Wir spüren in dieser Hinsicht keinen signifikanten Trend», so ZKB-Sprecherin Sibylle Umiker, und ergänzt: «In Einzelfällen wird der Bezug von Pensionskassengeldern jedoch mit der finanziellen Verfassung der Pensionskassen begründet.» Das heisst, für einzelne Versicherte erfolgt der Rückzug der Mittel demnach zur Sicherung ihres Vorsorgekapitals.

Nun wird allerdings befürchtet, dass sich die Pensionskassen dem Rückzug der Gelder widersetzen. «Man hört und liest im gegenwärtigen Zeitpunkt, dass die Vorsorgeeinrichtungen in Erwägung ziehen, kein Geld mehr für diese Finanzierungsart zur Verfügung zu stellen», erklärt Gmür vom HEV. Mit einem solchen Schritt bekundet der HEV allerdings Mühe, schliesslich gehörten die eingebrachten Mittel den Versicherten, und die massive Unterdeckung sei eine Folge davon, dass Pensionskassen an der Börse das schnelle Geld gesucht hätten.

Asip-Direktor Hanspeter Konrad beschwichtigt dagegen: «Eine Beschränkung der Auszahlung ist nur dann möglich, wenn die Kasse eine Unterdeckung ausweist und der Vorbezug gemäss Artikel 6a BVV 2 der Rückzahlung einer Hypothek dient.» Schliesslich müsse die Möglichkeit jeweils im Reglement der Pensionskasse festgehalten sein.

Nach Abzug fehlt Risikoschutz

Wer nun den Abzug der PK-Gelder zum Eigenheimkauf in Erwägung zieht, sollte sich allerdings auch der Nachteile eines solchen Vorgehens bewusst sein (siehe Kasten). Sowohl die Migros Bank als auch die ZKB empfehlen ihren Kunden eher die Verpfändung der Mittel als den kompletten Abzug. Und auch Hanspeter Konrad rät den unzufriedenen Versicherten, zuerst mit der Geschäftsführung der entsprechenden Pensionskasse Kontakt aufzunehmen, bevor weitere Schritte umgesetzt werden. «Denn nach dem Abzug der Vorsorgegelder muss der Risikoschutz, der über die Pensionskasse gewährleistet wird, selber gelöst werden», so der Asip-Chef.