Bei der Mobile-World-Konferenz in Barcelona gilt das Gleiche wie bei den Olympischen Spielen: Teilnehmen ist alles.

So waren die beiden grossen chinesischen Konzerne Huawei und ZTE präsent, die derzeit den westlichen Konkurrenten das Leben schwer machen, genauso wie Motorola oder Palm, die beide operativ miserabel laufen. Vor Ort waren natürlich auch die grossen Ausrüster Nokia, Ericsson und Alcatel-Lucent.

Netzbetreiber drehen Hahn zu

Schlagwort Nummer eins bei diesen Schwergewichten ist «Long Term Evolution» (LTE). Hinter diesem Marketingvorstoss steht eine Weiterentwicklung bisheriger 3G-Mobilnetze, wobei die Absicht laut Analysten durchsichtig ist: Die Ausrüster möchten neue Netzwerkanlagen verkaufen. Der Haken dabei: Die bisherigen Datenkapazitäten sind nicht ausgeschöpft. Das zweite Schlagwort ist «Touchscreen». Nokia stellte eine Fülle neuer Geräte für das obere Marktsegment vor, Sony-Ericssons erstes Windows-Handy mit dem Microsoft-Betriebssystem zeigt die US-Ambitionen auf das Gerät steht in direkter Konkurrenz zum iPhone.

Bei Nokia liegt der Fokus auf Software und neuen Diensten wie Navigation, Spiele und Musik. Das neue Portal, mit dem Nokia in den Verkauf von Content einsteigt, wurde von Vertretern grosser westeuropäischer Mobilnetzbetreiber sehr skeptisch betrachtet – denn damit stösst Nokia in die Domäne der Netzbetreiber vor.

Anzeige

Ericsson-CEO Carl-Henric Svanberg bestätigte die Annahme, dass in diesem Jahr der Ausrüstungsmarkt kaum wachsen dürfte. Er erwartet dieses Jahr den Durchbruch beim mobilen Breitband. Die LTE-Entwicklung ist laut Analysten weiter fortgeschritten als bei einigen anderen.

Alcatel-Lucent verkündete ein Joint Venture mit NEC für die gemeinsame Entwicklung einer LTE-Plattform. Allerdings wird damit laut Analysten versucht, eine drohende Lücke zu den Konkurrenten zu vermeiden und die Forschungskosten zu teilen. Einen Effekt für Aktionäre dürfte es frühestens in zwei Jahren geben. Das Joint Venture löst die drängenden Probleme bei Alcatel-Lucent nicht.

Alle drei europäischen Ausrüsteraktien sind nach den teilweise drastischen Kurseinbussen der letzten Monate für 2009 mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen (KGV) zwischen 11 und 13 bewertet.

Nokia gilt aufgrund des Konsumgeschäftes als bester Wert, Ericsson leidet trotz hoher Marktanteile unter der Ausgabensperre bei den Netzbetreibern. Alcatel-Lucent muss derweilen noch den Beweis erbringen, dass sich der Merger endlich auch für die Aktionäre auszahlen wird.