Die Staatsverschuldung Griechenlands bewegt die Finanzmärkte, denn das hohe Defizit lässt sie an der Stabilität des Euro zweifeln. Trotz des geringen Anteils von Griechenland am Bruttoinlandprodukt (BIP) der Euro- zone von 3%, gab die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar und dem Franken zuletzt deutlich nach (siehe «Geldfrage» nebenan).

Nicht ohne Grund. Das griechische Budgetdefizit beträgt 13%, die Staatsschuld dürfte 2011 bei 135% des BIP zu stehen kommen. Die EU fordert nun einen rigorosen Sparkurs von der griechischen Regierung: Bis 2012 muss das Defizit auf 3% gesenkt werden. «Die von der EU geforderten Massnahmen umzusetzen, wird für die griechische Regierung nicht einfach werden, aber ähnlich harte Budgetkorrekturen sind in anderen Fällen gelungen», so Jörg Zeuner, Chefökonom der Liechtensteiner VP Bank.

Staatsschulden beliebt

Die anderen Mitglieder der EU spüren den griechischen Schlendrian nicht nur am immer schwächer werdenden Euro. Laut den Experten von Pictet kostet die durch die Schuldenkrise ausgelöste Mehrrendite von 80 Basispunkten auf der italienischen Staatsschuld von 1800 Mrd Euro beinahe doppelt so viel wie die Mehrkosten von 300 Basispunkten auf den 270 Mrd Euro Schulden Griechenlands.

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Die steigende Staatsverschuldung als Folge der Finanzkrise wird noch für die nächsten Jahre eine Last bleiben. Portugal, Italien, Spanien und Irland stehen unter Beobachtung. Doch auch Belgien verfügt über bedeutende Staatsschulden, wenn auch das aktuelle Budgetdefizit vergleichsweise tief ist. Das Problem beschränkt sich nicht auf die Eurozone. Dubai beschäftigt die Finanzmärkte erneut, und auch bedeutende Volkswirtschaften wie die USA und Grossbritannien kämpfen mit massiven strukturellen Defiziten. So hat die VP Bank berechnet, dass allein die USA in den nächsten Jahren 2% des BIP sparen müssten, um den Schuldenstand bei 110% des BIP zu stabilisieren. Das macht schmerzhafte Einschnitte im Staatshaushalt erforderlich.

Refinanzierung im April

Dennoch steht Griechenland zu Recht im Fokus. «Das sehr hohe Defizit rechtfertigt es, dass sich der Markt auf Griechenland konzentriert», so Marcel Thieliant, Ökonom bei der Credit Suisse. Der Mitte März fällige Bericht an die EU-Kommission wird erste Anhaltspunkte liefern, ob sich Griechenland auf dem richtigen Weg befindet. «Die für das Jahr 2010 vorgesehenen Massnahmen sind realistisch, was danach kommt, ist schwierig zu beurteilen», so Thieliant. Lohnsenkungen im öffentlichen Dienst und die Erhöhung der Mehrwertsteuer sind unpopuläre, aber notwendige Eingriffe. Innenpolitischer Widerstand gegen die Massnahmen ist gewiss. Das grösste Defizit liegt ohnehin in der politischen Kultur des Staates, so Athener Kommentatoren. Bildungsinstitutionen sind unterfinanziert, das Potenzial der Einwandererströme ist ungenutzt, die Umweltprobleme ungelöst und unternehmerische Leistungen werden kaum honoriert.

Auf Unterstützung der EU muss Griechenland verzichten, aufgrund des Maastrichter Vertrages könnten einzelne Mitglieder nur bilateral Leistungen erbringen. «Griechenland wird nur Hilfe von der EU erhalten, wenn das Land bei der Refinanzierungsrunde im Frühling Schwierigkeiten hat», so Thieliant. Doch die Experten sind optimistisch. «Griechenland ist wahrscheinlich in der Lage, zu derzeitigen Konditionen weitere Emissionen am Markt zu platzieren, daher dürfte auch die nächste Refinanzierungsrunde im April erfolgreich sein», sagt Zeuner.

Firmenbonds bevorzugen

Anleger sollten daher nicht in Panik geraten. Die Experten der CS raten Anlegern mit kurzfristigen Griechenland-Anleihen im Portefeuille, diese zu halten, denn ein rascher Ausfall Griechenlands ist unwahrscheinlich. Investoren mit längerfristigen Positionen sollten gegebenenfalls über einen Verkauf nachdenken. Aufgrund der erwarteten Zinserhöhungen der Zentralbanken sind Staatsanleihen für die CS ohnehin unterzugewichten. Dazu rät auch die VP Bank, da die Renditen bei Unternehmensanleihen höher und Unternehmen die verlässlicheren Schuldner seien. Doch: «Anleger mit der notwendigen Risikobereitschaft können auch in Staatspapiere ausserhalb der Kernländer des Euroraums investieren», so Zeuner.

Swiss Re hält für 110 Millionen Franken Griechen-Bonds

Mit der Beistandserklärung der europäischen Staaten für Griechenland fielen die Credit Default Swaps, die Versicherung gegen den Zahlungsausfall, von 350 auf 280 Basispunkte.

Der Druck auf die griechischen Staatsanleihen nahm damit ab eine gute Nachricht auf für die hiesigen Versicherer, deren Kurse unter der Furcht vor Verlusten im Kreditportefeuille gelitten haben. Swiss Life wollte dabei keine Auskunft über entsprechende Anlagen machen. Anders Bâloise: «Für Bâloise als grossen institutionellen Anleger sind Staatsanleihen ein wichtiges Anlageinstrument», sagt die Bâloise-Sprecherin Isabelle Guggenheim, «dabei achten wir auf eine gute Diversifikation und nehmen laufend eine Beurteilung der Schuldnerqualität vor. In der Regel bedeutet dies, dass wir gemäss den gängigen Bondindizes entsprechend dem Anteil dieser Länder exponiert sind.» Entsprechende Indizes gewichten Griechenland zwischen 0,2 und 1%. Ähnlich fallen die Bondanteile bei der Swiss Re aus. «Der Anteil der Staatsanleihen Griechenlands betrug 110 Mio Fr.», sagt Swiss- Re-Sprecher Adi Koch. Das seien rund 0,2% des gesamten Investmentportefeuilles, das per Ende des 3. Quartals 2009 rund 160,8 Mrd Fr. betrug.» Damals belief sich die Risikoexponierung (in Marktwert) von Swiss Re gegenüber Staatsanleihen der Länder Portugal, Italien, Griechenland und Spanien auf rund 360 Mio Fr., also 0,7% des Anlagevolumens.

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Die gesamten Investitionen von Zurich Financial Services ZFS betragen 196 Mrd Dollar. Davon sind laut ZFS-Sprecher Ingo Buse 52 Mrd Dollar in Staats- und überstaatliche Anleihen angelegt. Das Engagement für Griechenland dürfte unter 1% liegen. Der Spanien-Anteil beträgt 5% bzw. rund 10 Mrd Dollar, der für Irland 2% (4 Mrd Dollar).

Wie die Schuldenkrise auch ausgeht: Wenn Versicherer die Bonds bis Verfall halten, brauchen sie keine Abschreibungen vorzunehmen. (mn)

Mit der Beistandserklärung der europäischen Staaten für Griechenland fielen die Credit Default Swaps, die Versicherung gegen den Zahlungsausfall, von 350 auf 280 Basispunkte.

Der Druck auf griechischen Regierungs- und Firmenanleihen lastete nahm ab. Auch Versicherer sind wichtige Käufer der Bonds. Swiss Life gab keine Auskunft über entsprechende Anlagen. Anders Bâloise: «Für die Bâloise als grosser institutioneller Anleger sind Staatsanleihen ein wichtiges Anlageinstrument» sagt die Bâloise-Sprecherin Isabelle Guggenheim, «dabei achten wir auf eine gute Diversifikation und nehmen laufend eine Beurteilung der Schuldnerqualität vor. In der Regel bedeutet dies, dass wir gemäss den gängigen Bond-Indizes entsprechend dem Anteil dieser Länder exponiert sind.» Entsprechende Indizes gewichten Griechenland zwischen 0,2 und 1%.

Ähnlich fallen die Bondanteile bei der Swiss Re aus. «Der Anteil der Staatsanleihen Griechenlands betrug 110 Mio Fr.» sagt Swiss Re-Sprecher Adi Koch, «das sind ca. 0,2% des gesamten Investmentportfolios von Swiss Re?s Asset Management, welches per Ende des 3. Quartals 2009 rund 160,8 Mrd Fr. betrug.» Per Ende des 3. Quartals 2009 beläuft sich die Risikoexponierung (in Marktwert) von Swiss Re gegenüber Staatsanleihen der Länder Portugal, Italien, Griechenland und Spanien auf rund 360 Mio Fr., also 0,7% des Anlagevolumens.

Die gesamten Investitionen der Zurich Financial betragen 196 Mrd Dollar. Davon sind laut Ingo Buse, Zurich-Sprecher, rund 52 Mrd Dollar in Staats- und überstaatliche Anleihen angelegt. Das Engagement für Griechenland dürfte unter 1% liegen. Der Spanien-Anteil beträgt 5% bzw. rund 10 Mrd Dollar, der für Irland 2% (4 Mrd. Dollar).

Doch auch geringe nicht abgesicherte Anlagen können das Ergebnis von Versicherern stark belasten. Gegenüber Banken haben sie einen Vorteil - halten sie die Bonds bis Verfall, brauchen keine Abschreibungen vorzunehmen.