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IPO
Lukratives Börsen-Comeback für Gategroup-Chefs

Gategroup
Gategroup: HNA will die ehemalige Swissair-Tochter wieder an die Börse bringen. Quelle: Keystone .

Der Börsengang beschert dem Topmanagement bis zu 86 Millionen Franken. Pikant: Je höher der Ausgabenpreis der Aktie, desto höher der Bonus.

Von Marc Badertscher
am 26.03.2018

Ab Dienstag wird sich Xavier Rossinyol wieder Chef eines börsenkotierten Unternehmens nennen dürfen. Nach einem Jahr Unterbruch kehrt Gategroup an die Schweizer Börse zurück, da sich der chinesische Mischkonzern HNA grösstenteils vom Airline-Caterer trennt. Das IPO dürfte reibungslos über die Bühne gehen. Offen ist einzig noch, wie viel Geld die schuldengeplagte HNA einnehmen wird.

Doch die Chinesen sind nicht die Einzigen, die auf hohe Erlöse hoffen. Auch das Team um Rossinyol hat ein enormes Interesse daran. Das zeigen Passagen im Angebotsprospekt, dem 315 Seiten starken Pflichtdokument zum Börsengang.

Das Topmanagement erhält demnach 86 Millionen Franken, wenn die zum Kauf stehenden Aktien zum Maximalpreis von 21 Franken pro Aktie abgesetzt werden können. «Eine derartige Incentivierung gibt es sonst bei Börsengängen von dieser Grössenordnung kaum», sagt Martin Lehmann, Chef des Vermögensverwalters 3V Asset Management.

Die Phantom Units

Für die Gategroup-Führung steht viel auf dem Spiel: Wenn die Anleger nicht den Maximalpreis bezahlen wollen, verdienen die Manager Dutzende von Millionen Franken weniger. Den meisten Anlegern, Analysten und der Öffentlichkeit ist diese Bonusregelung bis jetzt nicht bekannt. Gategroup sagt dazu: «Der Langzeit-Incentive-Plan war von HNA gemacht worden, um langfristige Ziele zu erreichen. Im Rahmen des Plans würde das Management von einer Wertsteigerung des Unternehmens seit dem Einstieg von HNA bis in vier Jahren profitieren.»

Doch die Langfristperspektive kommt nicht zum Tragen. Denn der Bonus wird fällig, sobald ein Exit wie ein Börsengang stattfindet. Geregelt sind die Details im sogenannten «Phantom Unit Long-Term Incentive Plan» von Gategroup. Die für seine Berechnung relevante Periode begann am 1. November 2017, nur drei Wochen bevor erste Gerüchte über den Börsengang in Umlauf kamen. 

Grundlage der Bonusberechnung ist der Wert des Unternehmens nach dem Börsengang von nächster Woche. Davon werden 1,4 Milliarden Franken abgezogen, welche HNA 2016 für die Gategroup bezahlte. Die Bonusbegünstigten erhalten 7,25 Prozent dieser Differenz, heisst es auf Seite 125 des Prospektes. Maximal sind das – ebenfalls laut Prospekt – 86 Millionen Franken. Minimal gibt es 47 Millionen zu verteilen. Etwas mehr als die Hälfte geht alleine an die fünf Mitglieder der Geschäftsleitung. Insgesamt sollen laut Gategroup hundert Manager dem Plan unterstehen.

Gleiche Anreize für Management und HNA

Wie sehr das Bonuskonstrukt mit dem IPO zusammenhängt, zeigt auch eine andere Passage im Prospekt. Erst vor drei Wochen wurde der Anreizplan mit der Bestimmung erweitert, dass «65 Prozent der Auszahlung in Form von Cash gemacht» werden. Die restlichen 35 Prozent erhalten die Manager zeitlich gestaffelt in Form von Aktien. Die Aktien alleine machen 1 Prozent aller Gategroup-Aktien nach dem IPO aus. Im Klartext: Je besser das IPO läuft und je höher der Ausgabenpreis der Aktie, desto mehr verdient das Management daran.

Damit sind die Anreize zwischen Management und dem Besitzer HNA gleichgeschaltet. Und auch die Banken dürften ein Interesse an hohen Erlösen aus dem IPO haben. Sie haben Kredite an HNA ausstehend. Je mehr Geld HNA jetzt einnimmt, desto sicherer sind die gewährten Darlehen.

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Gategroup-Chef Xavier Rossinyol
Gategroup-Chef: Xavier Rossinyol will einen erfolgreiches Börsendebüt.
Quelle: Keystone

Optimistischere Töne

Ein Selbstläufer ist das IPO allerdings laut mehreren Branchenbeobachtern nicht. Offenbar stören sich mehrere institutionelle Anleger daran, dass HNA weiterhin mit über 30 Prozent Aktienanteil der grösste Einzelaktionär bleiben wird. Umso mehr rückt deshalb die Frage ins Zentrum, ob die operativen Aussichten für Gategroup rosig sind oder nicht.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die Einschätzung des Topmanagements und was es gegenüber den Analysten und damit der Öffentlichkeit signalisiert. Das gilt auch für den aktuellen Chef Rossinyol. Er kam 2015 zur «Gate», wie der Konzern in Börsenkreisen genannt wird. Der heute 47-jährige Spanier war angetreten, um nach Machtkämpfen im Aktionariat verlorenes Vertrauen wiederherzustellen.

Wer allerdings glaubte, der neue Chef kündige sofort deutlich höhere Margen und rasches Umsatzwachstum an, sah sich getäuscht. Rossinyol war der konservative Typ, der Margenverbesserungen im Kommabereich versprach und stets vor den Unwägbarkeiten im Geschäft der Airline-Welt warnte. Was Rossinyol jedoch an kleinen Schritten versprach, hielt er ein. Dann schluckte HNA das Unternehmen, dekotierte es, und Margenziele wurden zur Privatsache. 

Bis diesen Winter

Im Vorfeld des IPO war die Guidance von Rossinyol natürlich wieder gefragt. Laut Analysten war der Chef nun deutlich optimistischer als früher, was das künftige Margen- wie auch das Umsatzwachstum angeht. «Er war viel aggressiver als früher», sagt ein Insider. Auf dem Papier blieben die Margenziele zwar dieselben, aber verbal signalisierte das Management eine sich beschleunigende Erfolgsstory. Das Erstaunen nahm zu, als Gategroup Anfang Jahr mitten in den IPO-Vorbereitungen nochmals attraktivere Formulierungen präsentierte.

Beobachter fragen sich, ob die  Wandlung ausschliesslich mit der erfolgreichen operativen Entwicklung bei Gategroup zu tun hat. Das Unternehmen übernahm letztes Jahr den französischen Konkurrenten Servair und avancierte zum Marktführer. «Wir sind in den letzten zweieinhalb Jahren wesentlich globaler und diversifizierter geworden», sagte Rossinyol kürzlich der «Finanz und Wirtschaft». Die Strategie sei klar und habe bisher sehr gut funktioniert.

Einige Analysten sehen tatsächlich Wachstumspotenzial, andere verweisen auf neue Risiken. So laufe 
der Vertrag zwischen Servair und Air France bald aus – und auch bei der zweiten grösseren Akquisition, der HNA-Tochter Asiana in Südkorea, bestünden finanzielle Risiken.


2,6 Milliarden Franken

Das IPO Der anstehende Börsengang des Airline-Caterers soll dem Eigentümer HNA bis zu 1,3 Milliarden Franken einbringen. Damit würde Gategroup rund 2,6 Milliarden Franken wert sein. HNA hatte vor knapp zwei Jahren 1,4 Milliarden Franken für die ehemalige Swissair-Tochter bezahlt.

Expansion

Zuletzt hatte sich der Umsatz bei Gategroup dank Zukäufen stark auf 4,5 Milliarden Franken erhöht. Mit Verweis auf die steigenden Passagierzahlen weltweit rechnet Gategroup weiter mit einem Umsatzwachstum.