Exchange Traded Funds (ETF) sind momentan das am stärksten wachsende Anlagesegment überhaupt», sagt Stephan Müller, Fondsmanager der neuen Gold-ETF bei Julius Bär. Der 34-jährige Jurist hat zuvor bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB) die schweizweit ersten etablierten börsenkotierten Fonds auf Edelmetalle aufgelegt.

Nachdem seit November auch Julius Bär ETF auf Gold anbietet, hat die ZKB zum Gegenschlag ausgeholt. Mitte Januar vergrösserte die Kantonalbank ihre ETF-Palette: Die ETF auf Gold und Silber können neu auch in Dollar und Euro gehandelt werden (siehe zur detaillierten Produktbeschreibung auch Seite 28). Dem Anleger kann das nur recht sein: Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft und führt zu attraktiveren Konditionen.

Bären mit Schutz

Offenbar finden die ZKB-Vehikel Anklang bei den Anlegern. Laut Hugo Stalder, Produktmanager der Edelmetall ETF bei der ZKB, wurden eine Woche nach Lancierung beim Goldprodukt Geldzuflüsse von 35 Mio Fr., beim Silberprodukt 20 Mio Fr. registriert. Auch die Konkurrenzprodukte von Julius Bär scheinen beim Publikum gut anzukommen. «In knapp zwei Monaten haben wir bereits 350 Mio Fr. akkumuliert», so Müller. Dass ein grosses Fondsvermögen auch für den Anleger ein Vorteil ist, bestätigt Alain Picard von der SIX Swiss Exchange: «Das Risiko, dass ein Fonds geschlossen wird, ist kleiner, wenn das Volumen gross ist.» Ausserdem steige bei einem grossen Fonds die Chance, dass die Management Fees herabgesetzt werden könn-ten. Was die Grösse angeht, ist und bleibt unter den Schweizer Edelmetall-ETF der ZKB-Gold-ETF (in Fr.) die Nummer eins. Das Volumen belief sich Mitte Januar auf satte 2,9 Mrd Fr.Für Anleger, die des Inflationsschutzes wegen in Gold investieren, haben die Vehikel der Bären jedoch einen Vorteil: Die Währungsabsicherung. «Gold bietet ohne gleichzeitige Währungsabsicherung keinen Inflationsschutz», argumentiert Müller. Denn Gold wird in Dollar gehandelt. Wer also in Franken oder Euro in Gold investiert, trägt immer ein Währungsrisiko. Insbesondere dann, wenn der Dollar einbricht, resultieren bei nicht währungsgesicherten Instrumenten Verluste. Auf die Frage, weshalb bei der ZKB auf Währungsabsicherung verzichtet wurde, antwortet Stalder: «Die Fremdwährungstranchen dienen dazu, dass ausländische Anleger unsere ETF in ihrer Währung kaufen können - damit können sie die Kosten für den Währungsumtausch sparen.» Ausserdem könne eine Währungsabsicherung ungeahnte Kursabweichungen verursachen, in jedem Fall jedoch zusätzliche Kosten.

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Trotz tiefer Managementgebühren bei ETF: Für die Banken kann das Geschäft mit den börsengehandelten Fonds äusserst lukrativ sein. «Banken können mit ETF Einnahmen generieren, die in der Gesamtbetrachtung das Doppelte der Management Fee betragen können», so Müller.

Insbesondere grosse Institute, die das Market Making im eigenen Haus abwickeln und gleichzeitig auch den Basiswert des Fonds handeln, können Kosten optimieren resp. Zusatzerträge erzielen. Es ist davon auszugehen, dass insbesondere die grossen ETF-Player wie State Street mit der Tochter iShares, Lyxor Asset Management und Deutsche Bank profitieren.

Riskantes Ausleihe-Geschäft

Zusätzliche Erträge fallen etwa beim Market Making für den Börsenhandel durch die Differenz des Geld- und Brief-Kurses an (jedoch trägt der Market Maker auch das Marktrisiko). Eine Ertragsquelle sind zudem die Absicherungsgeschäfte: Wenn das Fondsvermögen gegen Verluste gesichert wird, entstehen zwar Kosten, aber in Verbindung mit den generierten Volumina können innerhalb der Bank Erträge generiert werden.

Einnahmen können auch mit sogenannter Wertschriftenleihe («securities lending») erzielt werden. Dabei werden Wertschriften an eine Drittpartei ausgeliehen, die dafür im Gegenzug Zinsen bezahlt. Die damit verbundenen potenziellen Ausfallrisiken lassen aber die Fondsgesellschaften vermehrt darauf verzichten.

Bei den Edelmetall-ETF werden zusätzlich Kosten gespart, weil der Basiswert kein Index ist. In diesem Fall müssen nämlich Gebühren für die Indexlizenz entrichtet werden. Dennoch rechnet Picard nicht damit, dass weitere Anbieter im Edelmetall-ETF-Geschäft aktiv werden. «Ich könnte mir eher vorstellen, dass die bestehenden Emittenten ihre Palette weiter ausbauen», so Picard.