Le Goûter, die traditionelle Nachmittagspause mit heisser, zähflüssiger Schokolade und einer gebutterten Baguette, wird in Pariser Kaffeehäusern wieder populär. Sinn fürs Süsse haben aber auch britische Investoren: An der Liffe-Euronext, der Londoner Börse für Kakao und Kaffee, sind die Kakaopreise in den letzten Tagen regelrecht explodiert. Sie stehen jetzt bei über 2000 Pfund pro t.

Grund sind Spekulationen, wonach die Ernte an der Elfenbeinküste schlecht ausfallen wird. Das Land deckt ein Drittel der globalen Nachfrage. Obwohl die internationale Produzentenorganisation ICCO, gleichsam das Gegenstück der Opec für die Kakao produzierenden Länder, immer noch von einer Produktionssteigerung von 5% für 2010 ausgeht, warnen die Analysten der Commerzbank vor einem Rückgang der Produktion an der Elfenbeinküste um 20% auf 1 Mio t. Global sollen es dann unter 3,5 Mio t statt 3,7 Mio t Kakao werden.

Risiko von Hebeln beachten

Von den steigenden Preisen profitieren in erster Linie die Käufer von Preistrackern auf den Kakaopreis selber. Die beiden in der Schweiz gelisteten Preistracker KAKOE (auf Frankenbasis) bzw. COCOE (in Dollar denominiert) haben sich seit Juni um 20 bis 32% verteuert. Risikofähige Anleger finden sechs Mini Futures auf den Kakaopreis. Weil die Stop-Loss-Niveaus bei Long-Mini-Futures wie COCOA, COCOG oder COCOG zwischen 750 und 933 Pfund weit unter den aktuellen Notierungen stehen, bekommen einige dieser Scheine ein Risk-Rating von 3, was dem Risiko der Preistracker entspricht. Allerdings ist hier die Hebelwirkung mit Faktoren zwischen 1,5 und 1,7 gering. Mehr als doppelt so hoch ist der Hebel bei COCAA oder COCAN, wo die Stop-Loss-Niveaus zwischen 1300 und 1605 Pfund liegen. Das ist viel näher an den aktuellen Notierungen und damit steigen auch die Risiken.

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Neben diesen Produkten, die auf dem Liffe-Kakao-Future basieren, gibt es auch die beiden Preistracker auf den RICI-Kakao-Preisindex. Die Performance der beiden Liffe-Preistracker KAKOE und COCOE ist indes um Längen besser als die der beiden Tracker RICCC und RICCU. Und auch auf den UBS-Bloomberg-CMCI-Kakao preisindex gibt es drei Preistracker in den Währungen Franken, Euro und Dollar. Der in Franken denominierte Tracker CQCCI entwickelte sich in den letzten sechs Monaten gleich wie der in derselben Währung gehandelte Tracker KAKOE.

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Anlagen in einen einzelnen Agrarrohstoff sind nicht nur mit grösseren Chancen, sondern auch mit erhöhten Risiken verbunden. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, wählt deshalb breit gefasste Tracker, die auf Commodity-Indizes oder Baskets lauten.

Kaum Risiken - aber auch nur eingeschränkte Chancen - bestehen bei kapitalgeschützten Produkten auf die RICI Agricultural-Indizes wie RICPU und RICPE. An RICPE sind die Turbulenzen der letzten zwölf Monate spurlos vorbei gegangen. Vom Kakaopreisanstieg profitieren Anleger hier indes nicht. Einige Baskets wie COMBA bündeln Kakao mit Weizen, Orangensaft, Zucker und Kaffee. Damit profitieren Anleger in jedem Fall - auch wenn in den Pariser Teehäusern le Goûter nicht mehr à la mode sein sollte.