Wenn am 14. Mai der Luxusgüterkonzern Richemont sein Ergebnis für das Geschäftsjahr 2008/09 präsentiert, dann werden die Zahlen wenig vom Glanz der vergangenen Jahre versprühen. Denn obwohl das Unternehmen im 1. Halbjahr 2008 seinen Betriebsgewinn noch um mehr als 14% steigern konnte, wird für das Gesamtjahr ein Ebit-Rückgang von rund 38% erwartet. Der krisenbedingte Nachfragerückgang dürfte die Gesellschaft insbesondere im 4. Quartal 2008 mit voller Wucht getroffen haben.

Hinzu kommt, dass sich die Luxusuhren sowie der Schmuckbereich, in denen Richemont über eine starke Position verfügt, als weniger resistent erwiesen haben als in früheren Krisen. Mehr noch: Umso höher das Preissegment, desto tiefer war der Einbruch. Entsprechend werden in diesen Produktkategorien zweistellige Umsatzrückgänge erwartet. «Wir gehen davon aus, dass die Uhren- und Schmuckproduzenten einen stärkeren Rückgang verzeichnen werden als die Lederwarenhersteller», schreibt die Bank Vontobel.

Im Gleichschritt mit Branche

Mit dieser Entwicklung geht Richemont im Gleichschritt mit den Schweizer Uhrenexporten, die seit vergangenem November rückläufig sind und in einen massiven Rückgang um 24% im 1. Quartal 2009 gipfelten. «Dabei waren die USA und Japan stark negativ, aber auch Märkte wie China, Hongkong und die Arabischen Emirate zeigten einen Rückgang von mehr als 30%», hat Vontobel festgestellt.

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Ein Gradmesser für den Zustand der Uhrenindustrie sind die beiden Schweizer Uhrenmessen «BaselWorld» und SIHH. An den Veranstaltungen in Basel und Genf war dieses Jahr eine starke Zurückhaltung seitens der Besucher zu spüren, was auf einen Bestellungsrückgang gegenüber dem Vorjahr hindeutet.

Richemont: 50 Prozent seit März

Angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen und der stärkeren regionalen Ausrichtung von Richemont auf die Regionen Amerika und Japan erwarten die Analysten auch im laufenden Geschäftsjahr einen Umsatz- und Ebit-Rückgang. Nach der rapiden Kurserholung der vergangenen Wochen, welche die Aktien des Luxusgüterkonzerns von einem Tiefstpreis bei 14.20 Fr. um mehr als 50% auf heute 22 Fr. befördert haben, empfehlen die Analysten, die Anteilscheine zu «halten».

Swatch bevorzugt

Bevorzugt werden dagegen die Aktien des Konkurrenten Swatch Group. Dessen CEO Nick Hayek hat sich unverändert zuversichtlich gezeigt, dass im Geschäftsjahr 2009 ein leichtes Umsatzwachstum möglich sein soll. «Wir gehen davon aus, dass im 1. Halbjahr 2009 ein Rückgang von bis zu 20% resultieren wird, rechnen aber aufgrund des Basiseffektes im 2. Semester mit einer Verbesserung», so Vontobel. Angesichts der historisch tiefen Bewertung würden die Titel weiterhin zum Kauf empfohlen. Zurückhaltender gibt sich die Zürcher Kantonalbank: «Da sich der Newsflow der Branche noch weiter eintrüben wird und die Markterwartungen immer noch zu hoch sind, ist es für eine nachhaltige Kurserholung noch zu früh.»

Die Swatch-Aktien haben sich seit Anfang letzten März um 42% verbessert und notieren inzwischen bei 172.60 Fr.