Der Machtkampf um die Vorherrschaft bei Sulzer setzt den Aktien des Industriekonzerns zu. Im Vorfeld der Generalversammlung verzeichneten die Titel einen deutlichen Rückgang um über 10% auf ein Niveau um 60 Fr.

Ausschlaggebend dafür sind unter anderem die zahlreichen Unbekannten, die mehr oder weniger schwer auf dem Aktienkurs lasten und die erst nach der Generalversammlung vom 8. April und dem Ablauf des Stillhalteabkommens Ende Mai mit der von Viktor Vekselberg kontrollierten Renova vollends enträtselt werden dürften. Nach wie vor ungeklärt sind die genauen Absichten des russischen Grossinvestors. Insbesondere eine Fusion mit OC Oerlikon, an der Renova 39% hält und die mit finanziellen Problemen kämpft, wäre aus Sicht von Sulzer nicht begrüssenswert. Einen solchen Schritt hat Vekselberg zwar jüngst verworfen, schliesst ihn aber nicht für alle Zeiten aus.Einen Strategiewechsel beim Industriekonzern würde zudem die Nicht-Wiederwahl des derzeitigen VR-Präsidenten Ulf Berg einläuten, der sich vehement gegen den Einfluss des russischen Investors zur Wehr gesetzt hat. Mit Ex-ABB-Retter Jürgen Dormann hat Vekselberg einen Nachfolger vorgeschlagen, der auch bei den übrigen Aktionären akzeptiert wird, wie der Kurssprung bei dessen Nennung gezeigt hat.

Übertriebener Einbruch

Nachdem das Eidgenössische Finanzdepartement bezüglich des Aufbaus ihrer Beteiligung jüngst ein Verfahren gegen Vekselberg und die ehemaligen Sulzer-Investoren Ronny Pecik und Georg Stumpf eröffnet hat, dürfte eine grundlegende Strategieänderung bei Sulzer allerdings schwieriger werden. «Der markante Kurseinbruch bei Sulzer erscheint mir angesichts der jüngsten Entwicklungen deshalb übertrieben», erklärt Beat Füglistaller, Analyst bei der Bank Sal. Oppenheim. Schliesslich reduziere sich dadurch das Risiko für die Aktionäre, dass Sulzer fusioniert oder zu einem überteuerten Kauf gezwungen werde. «Zwar könnte nun ein weiterer langwieriger juristischer Streit zwischen dem Unternehmen und seinem Grossaktionär folgen, doch würde dadurch auch der gewünschte Statusquo bei Sulzer erhalten», ergänzt Füglistaller.

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Starker Bestellungsrückgang

Für den deutlichen Kursrückgang dürften neben dem Machtkampf auch die für den 16. April 2009 angekündigten Bestellungseingänge mitverantwortlich sein. «Sulzer verfügt zwar für das laufende Jahr noch über ein gutes Orderbuch. Insbesondere in den Bereichen Pumps und Chemtech werden im Jahresvergleich aber deutlich tiefere Bestellungseingänge erwartet», sagt Füglistaller. Auch wenn ein starker Bestellungsrückgang bei der Sulzer-Aktie grösstensteils bereits eingepreist ist, könnte der konkrete Ausweis auf die Stimmung der Anleger drücken. Dank einer soliden Finanzierung, der tiefen Bewertung und einer hohen Dividendenrendite setzt die Mehrheit der Analysten die Titel dennoch auf «Halten».