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Börseninterview
«Macron muss aufpassen»

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Präsident Emmanuel Macron: Frankreichs Bahngewerkschaften protestieren gegen seine Reformpläne.Quelle: Chesnot/Getty Images

Börsenexperte Edi Aumiller erklärt, wieso Frankreichs Präsident Geschick beweisen muss - und sagt, warum er bei Facebook zur Vorsicht rät.

Veröffentlicht am 13.04.2018

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat sich diese Woche den Fragen der US-Kongressabgeordneten gestellt. Wird Facebook bald aus der Krise rund um den Datenskandal finden?
Edi Aumiller*: Anleger sind besorgt, dass eine stärkere Regulierung nach dem Datenskandal Facebooks Werbeumsätze schmälern und das Wachstum anderer Technologie-Giganten mit ähnlichen Geschäftsmodellen behindern könnte. Die Fondsmanager unserer Tochtergesellschaften haben unterschiedliche Meinungen zur Facebook-Aktie. Ich vertrete eher die Ansicht, dass die Massnahmen zur verstärkten Kontrolle zum Schutz der Privatsphäre belastend sind für eine Gruppe von Technologie-Aktien, die in den vergangenen 18 Monaten eine beachtliche Outperformance erzielt haben. Hier könnten wir eine Verschiebung aus Facebook und weiteren FAANG-Aktien in andere, weniger beachtete Segmente des Technologie-Sektors sehen.      

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Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Neben den steigenden Zinsen sind es vor allem die Volatilität, die Technologie-Aktien, die sich verschlechternde Aussichten für die europäische Konjunktur und der Handelskrieg zwischen China und den USA, die unsere Anleger und Investmentspezialisten derzeit beschäftigen. Für Anleger lohnt sich ein Blick in die defensiven, nicht zyklischen Marktsektoren, die von dem Handels-Konflikt weniger berührt sind. Beispiele hierzu finden Anleger bei nicht zyklischen Konsumgütern wie Pharma, Kosmetik oder Lebensmitteln, REITs, versorgungsunternehmen und B2B Technologie-Unternehmen.

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*Edi Aumiller ist Head of Sales Schweiz bei der Fondsgesellschaft Legg Mason. Er ist Mitglied der Swiss Financial Analyst Association (SFAA) und verfügt über ein Diplom in Banking und Finance. Weiter ist Aumiller eidgenössisch diplomierter Finanzanalytiker und Vermögensverwalter, eidgenössisch diplomierter Finanz- und Anlageexperte, sowie Träger der Titel Certified International Wealth Manager (CIWM) und Certified International Investment Analyst.
Quelle: zvg

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Zurzeit sind viele Unsicherheiten präsent, die kurzfristig weiterhin für einen eher volatilen Verlauf an den Aktienmärkten sprechen. Ob den vorher beschriebenen Handelskrieg, geopolitische Probleme in Syrien oder Nordkorea, oder die kürzlichen Schlagzeilen aus der IT Branche: Die damit verbundene Rhetorik wird weiterhin für ein volatiles Umfeld sorgen. Dabei ist es für Anleger jedoch wichtig, die mittelfristigen Tendenzen genau zu beobachten, um Chancen bei Ausverkäufen auch wahrnehmen zu können.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Nun auch der SMI ist abhängig von der globalen Wachstumsdynamik. Eine Reihe von zyklischen Indikatoren hat zu Beginn des Jahres nachgegeben. Die Auftragseingangskomponente des globalen Einkaufsmanagerindex fiel im März zum dritten Mal in Folge. Wir sind jedoch weiterhin davon überzeugt, dass die globalen Wachstumsaussichten auf mittlere Sicht positiv sind und die Handelsstreitigkeiten trotz der momentanen Tonart nicht in einem ausgewachsenen Handelskrieg enden werden. Dieses Basisszenario würde bedeuten, dass wir über die nächsten 12 Monaten eher positiv gestimmt sind. Das BOAO Forum, der anstehenden Summit of Americas, und die geplanten Gespräche zwischen Shinzo Abe und Donald Trump bis zum 20. April sollten weiter Aufschluss geben können.

Mit Ceva und Polyphor haben zwei weitere Unternehmen ein IPO an der Schweizer Börse angekündigt. Warum wagen 2018 so viele Firmen einen Börsengang?
Schon 2017 war ein sehr gutes Jahr und im 1. Quartal 2018 sind bereits drei Unternehmen (Asmallworld, Medartis und Sensirion) an die Schweizer Börse gegangen. Die angekündigten Börsengänge von Ceva und Polyphor setzten diesen Trend fort. Denn Unternehmen profitieren beim Börsengang noch immer von der attraktiven wirtschaftlichen Situation. Manche Firmen, die das IPO von langer Hand geplant haben, dürften den Prozess etwas beschleunigen und den Börsengang vorziehen.

Samih Sawiris: Sein Konzern Orascom Development (ODH) profitiert vom Aufschwung in Ägypten.

Der Immobilienentwickler und Hotelkonzern Orascom Development (ODH) hat viel Geld in Ägypten investiert. Eignet sich die Aktie wegen dieses Engagements im krisenanfälligen Land nur für risikofreudige Investoren?
ODH hatte 2017 einen deutlich tieferen Verlust wie noch im Vorjahr auszuweisen. Der Umsatz stieg ebenfalls leicht an um knapp 3 Prozent. Insbesondere ihre ägyptische Tochter trug zu einem besseren Ergebnis bei, was sicher auch damit zu tun hat, dass die Touristen wieder vermehrt das Land besuchten. Noch interessanter ist die Pressemitteilung vom 10. April. ODH wird über ihre Tochtergesellschaft erstmals in den Erstwohnungsmarkt eintreten. Mit der NUCA (New Urban Communities Authority) wurde eine Partnerschaft über die Entwicklung von 4,2 Millionen qm2 in West Kairo abgeschlossen. Somit sind mit den ägyptischen Investitionen nicht nur Risiken, sondern auch Chancen verbunden

Frankreichs Bahngewerkschaften protestieren gegen die Reformen von Präsident Emmanuel Macron. Wird es Macron gelingen, Frankreichs Wirtschaft zu reformieren?
Ob es Macron gelingen wird, die französische Wirtschaft zu modernisieren, hängt letztendlich vom Volk ab. Der Bahn-Streik ist ein wichtiger Prüfstein. Momentan ist die öffentliche Meinung noch mehrheitlich pro Reform. Macron muss jedoch aufpassen, denn Frankreich ist nicht die USA. Als Ronald Reagan in den 80ern die Fluglotsen feuerte, nachdem deren Gewerkschaft die Vorschläge der Regierung ablehnte, war dies ein entscheidender Moment für den Präsidenten. Er ist der Bürokratie, welche das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft abwürgte, stark entgegengetreten. Macron sieht sich einer ähnlichen Herausforderungen gegenüber, aber er muss mit grossem Geschick vorgehen, damit er nicht die Wähler gegen sich und für die Gewerkschaften mobilisiert.

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