Rainer-Marc Frey war das Schweizer Hedgefonds-Wunderkind. Seinen grössten Coup landete der Financier 2002 mit dem Verkauf seiner RMF für 1,3 Milliarden Franken an die britische Man. Der Firmengründer ging bald von Bord und ist heute Privatier mit Verwaltungsratsmandat bei der UBS. Doch viele von Freys langjährigen Managern machten Karriere in der Man-Gruppe - bis der Madoff-Skandal platzte und der RMF das Genick brach.

Bernard Madoffs 50-Milliarden-Dollar-Schwindel traf den Hedgefonds aus Pfäffikon SZ mit 360 Millionen Dollar. Nach dem Knall im Dezember 2008 flüchtete sich das RMF-Management in die Restrukturierung. Diverse Hedgefonds von RMF und Glenwood, eine andere Man-Tochter, wurden zusammengelegt und neu unter dem Namen des englischen Mutterhauses vertrieben. Rund ein Drittel der Angestellten der von den Madoff-Verlusten betroffenen Bereichen wurde abgebaut.

Feeder-Fonds klagen gegen Banken

Die Organisation sei während Monaten gelähmt gewesen und würde sich erst jetzt auf tiefem Niveau neu finden, sagt ein Pfäffiker Hedgefonds-Manager mit Kenntnissen des RMF/Madoff-Falls. Voraussetzung dazu war offenbar eine Blutauffrischung auf oberstem Managementlevel von Man, welche durch eine weitere Milliarden-Akquisition, jene des Londoner Hedgefunds GLG, erleichtert wurde.

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Neue Kräfte übernehmen das Ruder beim grossen Finanzplayer und versuchen auf diese Weise, das Madoff-Trauma mit den massiven Kundengeld-Abflüssen und dem gefährlichen Imageverlust zu überwinden. Ein Man-Sprecher sagt, die Neu-Positionierung des Hedgefonds unter einheitlicher Marke sei eine Folge der Finanzkrise, nicht der Madoff-Verluste.

Wie immer bei solchen Pleiten kommt es zu juristischen Nachbeben. Letzte Woche klagte Madoff-Liquidator Irving Picard die UBS über 2 Milliarden Dollar ein. Manager der Grossbank hätten um das Betrugskonstrukt gewusst und kurz vor der Pleite dreistellige Millionenvermögen abgezogen. Der Schweizer Finanzriese, dessen Luxalpha-Fund direkt in Madoff-Vehikel investierte, will sich zur Wehr setzen (siehe Kasten).

Weltweit werden rund 100 weitere Banken, darunter 20 helvetische Institute, mit Klagen von sogenannten Madoff-Feeder-Fonds eingedeckt. Diese Vehikel sammelten Kundengelder direkt bei Investoren oder über Banken ein und führten sie Madoff zu. Unter den betroffenen Schweizer Banken befindet sich neben den Filialen von Auslandbanken und kleinerer Institute wie Vontobel und Pictet auch die Grossbank Credit Suisse. Ein Sprecher wollte mit Verweis auf das laufende Verfahren keine Stellung nehmen.

Während die Rechtsprozesse auf absehbare Zeit keine Ergebnisse zeitigen dürften, hat der wohl grösste Finanzbetrug der Geschichte bei der Luzerner Privatbank Reichmuth längst tiefe Spuren hinterlassen. Das Problem ist nicht das verlorene Geld, sondern der beschädigte Ruf. «Wir haben von Anfang an offen über die Probleme rund um die Madoff-Affäre kommuniziert», sagt Chef Christof Reichmuth, der sich heute fragt, ob diese Strategie die richtige war. «Das passt zu uns, auch wenn wir vorübergehend imagemässig Federn lassen mussten.»

Die kleine Luzerner Bank machte bei Ausbruch der Madoff-Krise einen Verlust von rund 330 Millionen Dollar publik. Ein Reichmuth-Fonds mit dem Namen Matterhorn war in mehreren Finanzvehikeln investiert, die ihrerseits Vermögen bei Madoff angelegt hatten. Die Performance des Fonds mit Namen des Zermatter Hausberges landete nach dem Madoff-Crash 19 Prozent unter Vorjahr und musste schliesslich aufgelöst werden.

Trotzdem relativiert Reichmuth: «Der Abschreiber im Krisenjahr 2008 war unschön, die Gesamtperformance des betreffenden Fonds lag aber trotzdem noch über dem Vergleichsindex, was unsere gute Diversifizierung unterstreicht.» Inzwischen sei der Grossteil der Matterhorn-Investoren ausbezahlt worden, und dies laut Reichmuth mit anständigen Renditen. Seine Bank würde mit eigenen Klagen Rückerstattung anstreben, «mit welchem Erfolg, steht in den Sternen».

Im Einzelfall erlitten Investoren spürbare Verluste. Ein der «Handelszeitung» bekannter Anleger kaufte im Sommer 2008 Matterhorn-Anteile für rund 250 000 Euro. Nach mehreren Rückzahlungs-Tranchen und einem kleinen verbleibenden Restwert, der später ausbezahlt werden sollte, beträgt sein Minus derzeit gut 45 000 Euro oder 18 Prozent des Einstiegs-Investments.

Auch Bénédict Hentsch wählte nach der Madoff-Pleite die Flucht nach vorn. Seine Genfer Banque Bénédict Hentsch hatte 56 Millionen Dollar in den Madoff-Feederfonds Fairfield investiert und musste sich diese Gelder ans Bein streichen, nachdem das sogenannte Ponzi-Konstrukt aufgeflogen war. Die Angelegenheit sei vom Tisch, sagt Hentsch.

«Aussichtlose Beweisführung»

Man habe sich mit allen Kunden geeinigt und Verluste aus der eigenen Tasche beglichen. «Wie viel? Das sage ich nicht. Warum? Weil das zu uns passt. In der siebten Generation Bankier möchte ich die Kunden meinen Kindern übergeben können.» Für die vom Madoff-Liquidator angestrengten Klagen sieht der Genfer Bankier schwarz. «Picard müsste schon beweisen können, dass die betroffenen Banken schon früh vom Madoff-Betrug wussten und trotzdem in dessen Fonds investierten. Das scheint mir aber aussichtslos zu sein.»

Andere Banken geben sich wortkarg. Die Genfer Union Bancaire Privée erlitt mit rund 700 Millionen Dollar den grössten Madoff-Abschreiber in der Schweiz. Sie musste Mitarbeiter abbauen und versucht heute einen Neustart. Ein Sprecher sagt, die Bank stünde «aktuell in Diskussionen mit dem Liquidator».