STAATSFONDS. Das 7,5 Mrd Dollar schwere Investment der Abu Dhabi Investment Authority (ADIA) in die Citigroup veranschaulicht eine neue Anlagestrategie, die zunehmend von einer Hand voll staatlich kontrollierter Investoren favorisiert wird: Durch den Kauf relativ kleiner Anteile an Unternehmen, die einen Schub brauchen, haben sie sich etwas verdient, was Berge von Geld allein nicht könnten: Einen freundlichen Empfang.

Nirgendwo tritt diese Strategie klarer zutage als bei den Investmentverantwortlichen der Vereinigten Arabischen Emirate, eines losen Zusammenschlusses von halbautonomen Emiraten, der das ölreiche Abu Dhabi ebenso einschliesst wie das Nachbaremirat Dubai. So vereinbarte Dubai International Capital, die Investmentabteilung von Dubai Holdings, das dem Herrscher von Dubai gehört, ein grosses Investment in Sony zu tätigen, das mit einem langwierigen Turnaround zu kämpfen hat.

Abu Dhabis Mubadala Development gab kürzlich bekannt, für 622 Mio Dollar einen Anteil von etwa 8% an Advanced Micro Devices zu erwerben, das Probleme hatte, eine grosse Akquisition zu verdauen.

Alle drei Investoren haben ihren Anteil unter dem Grenzwert gehalten, der eine erhöhte behördliche Überprüfung auslösen könnte, und darüber hinaus verlauten lassen, sie würden als Investor keinen aktiven Einfluss auf die Geschäftsführung anstreben.

Die Neuigkeit, dass der US- Bankenriese Citigroup, der kürzlich auf den Kreditmärkten riesige Verluste erlitt, eine Geldspritze von Abu Dhabi erhält, löste in den USA eine Börsen-Rally aus. Diese Transaktion ist die letzte in einer Reihe von Investments, die ausgelöst werden von den überbordenden Bilanzen einer Reihe von staatlich kontrollierten Investmentvehikeln – von asiatischen Zentralbanken bis zu ölreichen Regierungen im Mittleren Osten. Sie sind alle darauf aus, ihre ansteigenden Devisenreserven zu diversifizieren.

Anzeige

McKinsey geht davon aus, dass Petrodollar-Investoren – ölreiche Staaten, Unternehmen und Einzelpersonen – sowie asiatische Zentralbanken zusammen Vermögenswerte in Höhe von fast 7 Billionen Dollar verwalten. Das ist weit weniger als die 21,6 Billionen Dollar, die von Pensionsfonds kontrolliert werden. Aber die zwei Gruppen neuer Investoren erhöhen ihre Vermögenswerte jedes Jahr fast um 20%, verglichen mit einem fünfprozentigen Wachstum für Pensionsfonds, so McKinsey.

Laut Dealogic ist das ADIA-Investment in die Citigroup das grösste Einzelinvestment eines staatlich kontrollierten Fonds. Schätzungen, wie hoch das verwaltete Vermögen von ADIA ist, reichen von 500 Mrd Dollar bis zu 900 Mrd Dollar. Somit spielt ADIA in der gleichen Liga wie so markttreibende Kräfte wie die Bank of Japan.

Das Risiko wird erhöht

ADIA geht jedoch riskantere Investments ein als viele andere staatliche Investoren im Mittleren Osten, die traditionell sehr sichere Anlagen wie etwa US-Staatsanleihen bevorzugten. In einem Bericht von vergangenem Frühjahr schätzte das Institute of International Finance, dass das Portfolio von ADIA etwa zu 50 bis 60% aus Aktien bestehe, zu 25% aus Renten und zu je 5 bis 10% aus Immobilien-, Private-Equity- und alternativen Investments. ADIA-Executives wollten hierzu keinen Kommentar abgeben und haben sich auch in der Vergangenheit nicht zur genauen Zusammensetzung der Anlagen und des Besitzes geäussert.

Das ganze Geld zu investieren, kann durchaus eine Herausforderung sein. Im vergangenen Jahr verhinderten Einwände von Politikern, dass das von Dubai kontrollierte DP World einen britischen Wettbewerber kaufte, der eine Hand voll amerikanischer Häfen betrieb. Dubai stiess daraufhin die amerikanischen Teile ab, um die Bewilligung für den Kauf zu bekommen. Ein anderer Geschäftsvorschlag Anfang des Jahres von Dubai Aerospace Enterprise, einen massgeblichen Anteil am Flughafen Auckland International zu erwerben, schlug wegen lokaler Opposition in Neuseeland fehl.Offizielle Vertreter der Vereinigten Arabischen Emirate waren von dem Widerstand gegen DP World aus heiterem Himmel getroffen worden. Nach dem Rückschlag verpflichteten sie Washingtoner Lobbyisten und sandten Regierungsmitglieder zu einer Charmeoffensive in die USA.

Die im Westen ausgebildete Wirtschaftsministerin Sheikha Lubna al Qasimi besuchte die Büros von Dutzenden Gesetzgebern und Regierungsbeamten, um das Image der Vereinigten Arabischen Emirate aufzupolieren. «Wenn Sie eine Frage haben, wenden Sie sich an uns», habe sie ihnen gesagt.Bei der Bekanntgabe des Geschäfts mit Mubadala hob AMD hervor, dass Abu Dhabis Anteil unter 10% liegen werde und es deshalb zu keiner Untersuchung durch das Committee on Foreign Investment in den USA, die Behörde, die ausländische Käufe überprüft, kommen würde.Aber für diese Taktik gibt es auch Grenzen. In einer Anhörung über staatlich kontrollierte Fonds vor dem US-Kongress im November warf Senator Evan Bayh, ein Demokrat aus Indiana, die Frage auf, welchen Einfluss der saudi-arabische Prinz Alwaleed bin Talal, einer der grössten Einzelaktionäre bei der Citigroup, auf Entscheidungen der Bank habe, einschliesslich der kürzlich vorgenommenen Amtsenthebung des Vorstandschefs der Bank.

Anzeige

«Hat er einen beherrschenden Einfluss auf das Unternehmen? Die meisten Leute würden sagen, dass er ihn mit einem Anteil von 4% nicht hat», sagte Senator Bayh. «Auf der anderen Seite kann man aber auch nicht sagen, dass er nicht einen signifikanten Einfluss geltend gemacht hat.»

Bisher haben einige der grössten Skeptiker grosser ausländischer Investments in der Vergangenheit nur ein paar Bedenken an dem Citigroup-Deal geäussert. Senator Charles Schumer, ein New Yorker Demokrat und führender Opponent gegen den DP-World-Deal, sagte, er sei der Meinung, dass das Investment Abu Dhabis dabei helfen würde, «den Status New Yorks als das führende Finanzzentrum der Welt aufrechtzuerhalten».

Das unterstreicht einen anderen neuen Trend unter staatlich kontrollierten Fonds: Einen frischen Appetit auf westliche Banken und führende Finanzunternehmen. Die Kreditkrise dieses Jahr hat dazu geführt, dass ein Grossteil dieses Sektors Abschläge verzeichnen musste, was einige Aktien günstig erscheinen liess. Analysten für europäische Banken bei Morgan Stanley schätzen, dass staatlich kontrollierte Fonds etwa 47 Mrd Dollar in Aktien von westlichen Finanzunternehmen und Vermögensverwaltern investiert haben, das meiste davon dieses Jahr.