Nach einem anfänglichen Schock haben die Aktienmärkte sich am Mittwoch beruhigt. Die Börsen in Europa eröffneten mit moderaten Verlusten, der Schweizer Leitindex SMI konnte bis Mittag jedoch sogar um fast 1 Prozent zulegen. Vor allem die Pharma-Schwergewichte Novartis und Roche notierten mit fast 5 Prozent massiv im Plus. Auch die Papiere von Actelion legten um über 4 Prozent zu.

Der Höhenflug der Schweizer Branchen-Riesen ist vor allem auf zwei Gründe zurückzuführen. Pharmatitel gelten als krisenresistent und konjunkturell weitgehend unabhängig. Sie profitieren deshalb von der globalen Unsicherheit nach der Wahl Trumps zum US-Präsidenten. So legten auch die Papiere von Schwergewichten wie dem deutschen Bayer-Konzern, GlaxoSmithKline und AstraZeneca zu.

«Trumps Sieg positiv für Medikamentenpreise»

Der Höhenflug der Schweizer Pharma-Konzerne speist sich jedoch auch direkt aus dem Wahlsieg des umstrittenen Milliardärs Trump – beziehungsweise aus der Niederlage seiner Konkurrentin. Denn Hillary Clinton hatte in den vergangenen Monaten immer wieder versprochen, gegen hohe Medikamentenpreise vorzugehen. Die 69-Jährige machte vor allem die Industrie verantwortlich. Niemand sollte zwischen dem Bezahlen seiner Pillen und seiner Miete entscheiden müssen, wiederholte sie bei Wahlkampfauftritten. Trump hingegen will ebenfalls den Preisanstieg stoppen, äusserte sich jedoch nur sehr vage. «Wir denken, dass Trumps Sieg für die Branche im Hinblick auf die Medikamentenpreise insgesamt positiv ist», erklärten die Analysten von Liberum.

Wie nachhaltig das positive Momentum für die Schweizer Pharmatitel nach der US-Wahl ist, wird sich erst noch zeigen. Denn das US-Gesundheitssystem stösst an seine Grenzen. «Auch der Branche dämmert, dass zweistellige Preiserhöhungsraten, wie sie zum Teil in der Vergangenheit zu beobachten waren, wohl der Vergangenheit angehören werden», schreibt «Bilanz»-Redaktor Holger Alich in einem Kommentar. Schon jetzt verschlinge das US-Gesundheitssystem rund 3 Billionen Dollar im Jahr. Das seien 17,5 Prozent des Brutto-Inlandsprodukt. Im Schnitt liege dieser Wert bei den OECD-Staaten bei nur neun Prozent.

Japans Börse schloss tief im Minus

Asiens Aktienmärkte sind am Mittwoch teils drastisch eingebrochen. Besonders stark ging die Börse in Tokio in die Knie. Der Nikkei-Index der 225 führenden Werte war zwischenzeitlich um mehr als 6 Prozent abgestürzt und ging 5,36 Prozent tiefer bei 16'251,54 Punkten aus dem Handel.

Der japanische Aktienmarkt hatte zwar während der laufenden Auszählungen in den USA geschlossen, dennoch hatte sich bereits im Handelsverlauf ein Wahlsieg des republikanischen Kandidaten deutlich abgezeichnet.

Schlimmer als Brexit

Der Wahlsieg Trumps dürfte nach Einschätzung der Commerzbank für die Märkte langfristig ein grösseres Problem sein als das Brexit-Votum der Briten.

Natürlich könnten sich die Aktienmärkte nach dem unvermeidlichen Ausverkauf wieder rasch erholen, hiess es in einer Einschätzung der Bank. Allerdings gehe die immer noch grösste Volkswirtschaft der Welt unter einem Präsidenten Trump in der Handelspolitik auf Konfrontationskurs. Hinzu komme die monatelange Unsicherheit darüber, was genau Trump tun werde.

(awp/jfr/moh/chb)

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