Der mutmassliche Abschuss eines Passagierflugzeugs über der Ost-Ukraine hat die europäischen Börsen am Freitag erneut auf Talfahrt geschickt. «Da die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine bereits hoch sind, besteht die Gefahr, dass die Krise ausser Kontrolle gerät», sagte Aktienhändler Markus Huber vom Brokerhaus Peregrine & Black.

«Mit dem Abschuss einer Passagiermaschine, die das ukrainische Bürgerkriegsgebiet überflog, hat der Konflikt Westeuropa und den Rest der Welt erreicht», schrieb Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann in einem Kommentar. «Es ist naheliegend zu vermuten, dass der Westen daraufhin geneigter ist, nennenswerte Sanktionen gegen Russland zu verhängen.»

Indizes geben nach

Der Dax verlor 0,6 Prozent auf 9699 Punkte und der EuroStoxx50 gab 0,2 Prozent auf 3152 Zähler nach. Die Leitindizes der Moskauer Börse büssten jeweils mehr als ein Prozent ein.

Am Donnerstagnachmittag war eine Maschine der Malaysia Airlines mit knapp 300 Menschen an Bord über der Ost-Ukraine abgestürzt. In dem Gebiet liefern sich ukrainische Regierungstruppen und pro-russische Separatisten Kämpfe. Beide Seiten machen sich gegenseitig für den Absturz verantwortlich.

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Weizen wird teurer

Am Markt für Agrar-Rohstoffe verteuerte sich Weizen, ein wichtiges Exportgut der Ukraine. Der in London gehandelter Terminkontrakt, der sich am Vortag bereits um zwei Prozent verteuert hatte, stieg um 0,8 Prozent auf 133 Pfund Sterling je Tonne.

Für zusätzliche Nervosität sorgte der Einmarsch israelischer Bodentruppen in den Gaza-Streifen. «Insgesamt scheinen politische Lösungen allerorten derzeit vom Tisch zu sein», schrieben die Analysten der Essener National-Bank in einem Kommentar.

«Sichere Häfen» gefragt

Daher flüchteten sich weitere Anleger in «sichere Häfen». Die «Antikrisen-Währung» Gold stieg um bis zu 0,5 Prozent auf 1324,44 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Auch Bundesanleihen blieben gefragt. Dadurch fiel die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen auf 1,137 Prozent und damit den zweiten Tag in Folge auf ein Zwei-Jahres-Tief.

Der Bund-Future, der auf diesen Papieren basiert, näherte sich bis auf 13 Ticks seinem am Donnerstag markierten Rekordhoch von 148,48 Punkten. Bundesanleihen seien zwar bereits sehr teuer, sagte Michael Rottmann, Chef-Bondstratege der UniCredit. «Aber es ist eindeutig nicht die Zeit, sich dagegen zu positionieren.»

Airlines im Minus

Der Absturz des Fluges MH17 drückte die Aktien von Malaysia Airlines in Kuala Lumpur neun Prozent ins Minus. Die europäischen Fluggesellschaften standen ebenfalls unter Druck. «Die Titel zu verkaufen, ist ein Reflex nach der Schocknachricht,» sagte ein Händler. Lufthansa und die British Airways-Mutter IAG büssten bis zu 1,9 Prozent und Air France maximal sogar 2,9 Prozent ein.

Zugleich standen diejenigen Unternehmen, die am Vortag bereits unter der Verschärfung der Sanktionen gegen Russland gelitten hatten, erneut auf der Verlierer. Der Handelskonzern Metro, die österreichische Raiffeisen Bank und der Ölfeld-Ausrüster CatOil gaben zwischen 0,3 und 2,2 Prozent nach.

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(reuters/gku/sim)