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Marathon-Aktien – Die, die nur nach oben gehen

Christian Buhl.
Geberit-Chef Christian Buhl: 15 Jahre steil nach oben.Quelle: Keystone

Der SMI dümpelt vor sich hin. Aber anstatt genervt Aktien aus dem Depot zu räumen, sollten Anleger auf Dauerläufer setzen.

Von Georg Pröbstl
am 18.05.2018

Anleger sind genervt. Denn der Aktienmarkt kommt schon wieder nicht vom Fleck. Gab es im SMI noch im vergangenen Jahr von Anfang 2017 bis Januar 2018 Kurssteigerungen von 1200 Punkten oder annähernd 15 Prozent – fast die Hälfte davon entfiel auf die letzten drei Monate des Zeitraums, – so sind schweizerische Blue Chips jetzt wieder in einer zähen Dümpelphase.

Der Index notiert heute auf demselben Level wie vor einem Jahr, wie vor zwei Jahren und auch wie vor drei Jahren. Rechnet man die Dividenden mit ein, so ergibt sich immerhin noch ein kleines Plus in diesen drei Jahren von knapp 10 Prozent oder rund 3 Prozent im Jahr.

Einen Anstieg von 15 Prozent seit Mai 2015 zeigt wenigstens der breite Aktienmarkt mit dem SPI, in dem auch vergleichsweise kursdynamische Nebenwerte sind. Aber auch das nur inklusive Dividenden. Im SPI Total Return kam es in den letzten drei Jahren zu einem durchschnittlichen Plus von 4,5 Prozent im Jahr.

Aber auch dort gab es auf lange Sicht immer wieder Perioden ohne echtes Vorwärtskommen. So kam der Index in der Dekade zwischen dem Jahrtausendboom und dem Jahr 2010 selbst inklusive Ausschüttung per Saldo nicht vom Fleck.

Dass viele Anleger angesichts solch zäher Seitwärtsphasen frustriert das Handtuch werfen und ihre Depots leer räumen wundert nicht.

Trotz Kursflaute – 45 Titel im SPI bringen zweistellige Kursgewinne jährlich

Nun allerdings gibt es auch Titel, die aus diesem flauen Börsenumfeld wie Berggipfel weit nach oben aus dem Morgennebel ragen. Obwohl der SMI wie geschildet in den letzten drei Jahren per Saldo kaum vom Fleck kam und auch der SPI nicht wirklich überzeugen konnte, zeigen 45 Werte der 208 SPI-Mitglieder seit Mai 2015 nennenswerte Kursgewinne: Da waren mehr als 10 Prozent pro Jahr oder über 30 Prozent im Dreijahreszeitraum drin.

Eine Kursvervierfachung gab es dabei bei Temenos, eine Verdreifachung des Werts bei KTM Industries und Tornos. Logitech und Straumann bringen in den letzten drei Jahren jeweils rund 150 Prozent Kursgewinn – ein Plus von etwa 50 Prozent im Jahr – und Kardex, Emmi, Sika, Peach Property, Partners Group und Bachem liefern auch noch jeweils rund 35 bis etwa 45 Prozent pro Jahr oder 120 bis 140 Prozent seit Mai 2015.

Geberit – 15 Jahre steil nach oben

Aber das sind vergleichsweise kurze Zeiträume und Charts von Mittelstrecken-Sprintern. Auf die lange Frist über 5, 10, 15 Jahre oder mehr – gibt es andere Titel mit echten Dauerläuferqualitäten. Aktien, die zwar gelegentlich auch einmal für ein bis zwei Jahre nicht wirklich nach oben kommen, deren ganz langfristiger Aufwärtstrend aber intakt und einfach nicht zu stoppen ist.

Relativ kurze Verschnaufpausen von ein oder zwei Jahren legte beispielsweise die Aktie von Geberit in den letzten 15 Jahren immer wieder mal ein, doch danach gab es dann jeweils Phasen steiler Kursanstiege. In den Fünfjahreszeiträumen von 2003 bis 2008 und dann bis Ende 2013 hat sich der Kurs des Sanitärkonzerns vervierfacht sowie anschliessend verdoppelt und bringt seit Anfang 2014 ein weiteres Plus von 65 Prozent.

Dividenden von jeweils etwa 2 bis 3 Prozent pro Jahr – in 15 Jahren errechnet sich bei einer durchschnittlichen Ausschüttungsrendite von 2,5 Prozent im Jahr ein weiteres Plus von 45 Prozent – sind da noch gar nicht drin.

Erst Anfang Mai konnte das SMI-Mitglied die 38- und 100-Tage-Linie nach oben durchbrechen und hat jetzt auch die obere Begrenzungslinie des kurzfristigen Abwärtstrends erreicht. Anleger setzen auf den Sprung auch über diese Hürde.

Emmi – fast nur Kursgewinne in der letzten Dekade

Auf lange Sicht – zumindest über 10 Jahre – nicht kaputt zu kriegen ist auch die Aktie von Emmi. Der Kurs des Spezialisten für Molkereiprodukte und Käse legte seit 2009 mit Ausnahme von 2011 in jedem Jahr meist mit deutlich zweistelliger Prozentrate zu und in diesem Jahr bringt die Aktie bereits ein Plus von 20 Prozent. Die Bilanz seit 2009: Ein Kursplus von 750 Prozent.

Nachdem die psychologische Marke beim Widerstand von 800 Franken Anfang Mai rasend schnell genommen wurde, haben die Börsen-Bullen bei Emmi jetzt wahrscheinlich schon die «1000» im Visier.

Givaudan – enorme Outperformance zum SMI

Nicht zu bremsen war in der letzten zwei Dekade Givaudan. Die Aktie des Duftspezialisten bringt seit Mai 2000 ein Plus von 360 Prozent oder rund 9,0 Prozent im Jahr und damit zum Vergleichsindex SMI – der brachte es in den 18 Jahren nur auf einen Anstieg von 20 Prozent oder rund 1,0 Prozent pro Jahr – eine massive Outperformance von 8 Prozent im Jahr.

Zwar lagen die Quartalszahlen Mitte April etwas niedriger als von Analysten erwartet, doch die Aktie von Givaudan zeigte sich davon unberührt. In den letzten vier Wochen liefert der Titel ein Plus von knapp 10 Prozent und nachdem der Widerstand bei 2200 Franken vor wenigen Tagen gefallen ist, könnte das Erreichen des Allzeithochs vom Januar bei 2327 Franken nur noch eine Frage von wenigen Tagen sein.

Jungfraubahnen – rekordhoher Gewinn und Phantasie durch neues Bahnprojekt

Aber wo liegt das Erfolgsrezept dieser Dauerläufer? Zumindest eins haben sie gemein: eine lange Historie von über 100 Jahren und dazu kommt auch ein Geschäftsmodell, das nicht einem kurzfristigen Modetrend unterworfen, sondern auf lange Sicht gefragt ist.

Das gilt ganz sicher auch für Tourismustitel in der Schweiz wie insbesondere Jungfraubahnen. Die Aktie des Transportkonzerns hat sich seit 2003 mehr als versechsfacht und der Auftrieb wurde nur im Rezessionsjahr 2008 kurz unterbrochen.

Die Asiaten als wichtige Kundengruppe sind zurück und so steigerte die Bahn ihren Umsatz in 2017 um 14,6 Prozent auf 193,8 Millionen Franken – Rekord. Auf einem Allzeithoch landete auch der Gewinn. Das Ergebnis stieg im vergangenen Jahr weit überproportional um 34,4 Prozent auf 41,6 Millionen Franken.

In den nächsten Jahren dürfte es weiter nach oben gehen. Derzeit sorgt der Bau der V-Bahn für Phantasie. Mit dem Projekt, dass Ende 2019 in Betrieb gehen soll, will Jungfraubahnen die Reisezeit durch einen direkten Anschluss der eigenen Bahnen an den öffentlichen Verkehr massiv verkürzen. Das Management des Unternehmens erwartet die Baubewilligung bis Ende Mai. Eine positive Nachricht zum Entscheid dürfte die Aktie weiter nach oben schieben und den Weg auf neue Kursrekorde auftun. Nur die Dividende von 1,5 Prozent ist leider noch nicht rekordverdächtig hoch.

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