Die Zehnder Group hat Ende Januar erfreuliche Umsatzzahlen veröffentlicht, welche klar über den Markterwartungen lagen. Dennoch haben die Aktien seither deutlich an Wert verloren. Worauf führen Sie dies zurück?

Hans-Peter Zehnder: Nicht nur die Zehnder Group kämpft mit rückläufigen Aktienkursen. Seit unserer Umsatzmeldung mussten praktisch alle Titel Rückschläge hinnehmen. Angebot und Nachfrage bestimmen den Kurs, die Entwicklung beunruhigt mich aber nicht.

Dennoch, Ihr Familienvermögen ist dadurch weiter geschmolzen.

Zehnder: Das gilt nur auf dem Papier. Deshalb berührt mich dies auch nicht speziell. Die Familie steht nach wie vor zum Unternehmen.

Gibt es Veränderungen im Aktionariat?

Zehnder: Die Namenaktien bleiben in den Händen der Familie. Veränderungen oder gar der Verkauf eines Paketes sind nicht vorgesehen. Genauso wenig sind mir nennenswerte Veränderungen bei den Inhabertiteln bekannt. Und auch eine Einheitsaktie steht nicht auf dem Programm.

Im Sommer 2007 kosteten die Zehnder- Aktien noch über 3000 Fr. Haben Sie damals Gewinne realisiert?

Zehnder: Ich habe noch nie eine Aktie der Firma verkauft. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Wenn ich in der Vergangenheit Zehnder-Titel zugekauft habe, dann immer als langfristige Anlage. Ich glaube an die Firma.

Welche Dividende können die Aktionäre für 2008 erwarten?

Zehnder: Angaben dazu werden wir bei der Präsentation unseres Ergebnisses am 3. April 2009 machen. Nur so viel: Unsere Dividendenpolitik bleibt flexibel und ist vom konsolidierten Ergebnis der Gruppe abhängig. Wir haben bereits angekündigt, dass dieses durch Einmalaufwendungen durch den Verkauf unseres italienischen Produktionswerkes für Aluminiumheizkörper sowie durch ungünstige Wechselkurse massiv belastet wurde. Sonst wäre der Gewinn der Gruppe sehr erfreulich ausgefallen.

Für das laufende Geschäftsjahr haben Sie einen düsteren Ausblick abgegeben.

Zehnder: Die ganze Weltwirtschaft befindet sich in einer schweren Rezession. Wir erleben derzeit einen konjunkturellen Einbruch, der über das normale Mass hinausgeht. Dieser Entwicklung können wir uns nicht entziehen. Als Spätzykliker haben wir die schwierige Wirtschaftslage im vergangenen Jahr noch weniger stark gespürt. Nun erwarte ich gegenüber 2008 jedoch einen deutlichen Einbruch der Wirtschaft.

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Trotz der zahlreichen Konjunkturpakete, die in den verschiedenen Staaten beschlossen wurden?

Zehnder: Drei Viertel der bereitgestellten Gelder gehen sowieso direkt in die Finanzindustrie. Von den restlichen Mitteln, die in die Infrastruktur investiert werden, erwarte ich , dass sie eine Nachfrage auslösen können. Diese wird den Umsatzeinbruch allerdings kaum kompensieren und wirkt daher nur schmerzlindernd. Es genügt nicht, wenn nur der Staat investiert, solange eine Finanzierung der privaten Bautätigkeit kaum mehr möglich ist. Dies gilt insbesondere bei den Neubauten.

Welche Massnahmen werden angesichts der schwierigen Marktlage bei der Zehnder Group nötig?

Zehnder: Wir sehen einen partiellen Umsatzrückgang, da das Lüftungsgeschäft weiterhin gut läuft. Wir werden uns angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen aber mit Investitionen zurückhalten. Weitere Kostensenkungsmassnahmen, wie beispielsweise die Einführung von Kurzarbeit, sind bei uns für den Fall eines Umsatzrückganges vorbereitet.

Welche regionale Entwicklung erwarten Sie im laufenden Jahr?

Zehnder: Im Geschäft mit Heizkörpern sind wir von der Baukonjunktur abhängig. Diese ist bereits letztes Jahr in England und Spanien komplett eingeknickt. Ähnlich sieht es in Italien und in Osteuropa aus, wo die Baukonjunktur drastisch und schnell eingebrochen ist. In Mitteleuropa und der Schweiz sieht die Situation noch vernünftig aus, doch zeichnet sich auch hier eine Abschwächung ab. In Amerika schliesslich läuft das Baugeschäft ebenfalls schlecht. Auswirkungen der Energieeffizienz-Programme von Obama sind noch nicht spürbar.

Wie kommen Sie mit den Komfortlüftungen voran?

Zehnder: Dieses Geschäft läuft in allen Regionen nach wie vor gut. In diesem Bereich profitieren wir vom verstärkten Trend zur Energiereduktion und CO?-Senkung.

Können Erneuerungs- und Renovationsarbeiten die Baukonjunktur positiv beeinflussen?

Zehnder: Trotz tiefer Zinsen werden die Renovationsarbeiten nicht markant zunehmen. In der aktuellen Wirtschaftssituation wird nur renovieren, wer über genügend Eigenkapital verfügt. Und diese Arbeiten reichen bei weitem nicht aus, um das Neubaugeschäft zu kompensieren.

Positiv auf das Zehnder-Ergebnis dürften sich auf der anderen Seite die sinkenden Rohstoffkosten auswirken.

Zehnder: Nach einem starken Anstieg innerhalb der letzten zwei Jahre, sind die Stahlpreise nun wieder zurückgekommen. Davon profitieren wir. Dieses Jahr dürfte der Saldo am Ende positiv ausfallen. Dieser erfreuliche Effekt wird allerdings durch die sinkende Nachfrage und den dadurch verstärkten Preisdruck wieder zunichte gemacht.

Dennoch planen Sie 2009 eine Preiserhöhung.

Zehnder: Wir haben Preiserhöhungen angekündigt. Je nach Region dürfte es aber sehr schwierig werden, diese auch durchzusetzen.

Als Folge werden die Margen bröckeln.

Zehnder: Den sinkenden Energie- und Rohstoffausgaben stehen weiterhin steigende Kosten, wie beispielsweise jene für das Personal, gegenüber. Die grösste Unbekannte sind aber die Verkaufspreise, die aufgrund der sinkenden Nachfrage, zurückgehen dürften. Deshalb werden wir in diesem Jahr unseren Fokus auf die Marge legen müssen.

Für 2008 wird eine Ebit-Marge über dem Vorjahresniveau erwartet.

Zehnder: Wir konnten die Marge im 2. Halbjahr 2008 nochmals leicht steigern. Vor allem auf dem Gebiet der Heizkörper gehe ich im laufenden Jahr nun von einem deutlichen Rückgang aus.

Die Wechselkurse haben das Ergebnis 2008 ebenfalls belastet. Sehen Sie an dieser Front eine Entspannung?

Zehnder: Zwar hat sich der Dollar stabilisiert, doch noch im Januar und Februar 2009 ist das Pfund gegenüber dem Euro gesunken. Dadurch gehen unsere Erlöse in England zurück. Dieses Problem bleibt für uns bestehen. Daher ist die Stabilisierung des Dollar für uns nur ein kleiner Trost.

Trotz der Dollarschwäche hat Zehnder 2008 in Amerika zugelegt.

Zehnder: Wir haben in den USA neue Produkte lanciert und neue Kunden gewonnen. In Lokalwährung sind wir im Bereich Heizen weiter gewachsen. Dabei haben wir davon profitiert, dass wir ein Spätzykliker sind. Die Innovationen kommen aus den Bereichen Heizen, Lüften und Kühlen. Wie in den USA zahlen sich diese Innovationen in allen unseren Absatzmärkten aus.

Wie kommt die Integration der 2008 akquirierten Firmen Greenwood und Cesovent voran?

Zehnder: Es läuft alles nach Plan. Mit dem Kauf von Greenwood hat sich uns in England ein neues Verkaufsnetz eröffnet, während wir auf der anderen Seite deren Produkte aus England nun auch in Europa verkaufen. Die schweizerische Cesovent wird im April fusioniert, womit auch diese Integration abgeschlossen ist.

Ihre Kasse ist nach wie vor voll, die Preise an den Märkten kommen zurück. Prüfen Sie noch weitere Zukäufe?

Zehnder: Nein, Akquisitionen sind derzeit nicht geplant. Wir wären zwar in der Lage, doch müssen wir die letzten Zukäufe erst verdauen. Dies ist keine Frage des Geldes, sondern hängt von den Management-Ressourcen ab.

Durch die Akquisitionen hat sich der Produktmix bei Zehnder verbessert.

Zehnder: Dank dem organischen und akquisitorischen Wachstum macht der Anteil der Komfortlüftungen inzwischen 23% des Umsatzes aus. Und er wird weiter steigen, da wir in diesem Bereich auch 2009 noch zulegen werden. Andererseits ist dies auch eine Folge des erwarteten Rückgangs im Heizungsgeschäft.

Von welchem Wachstum gehen Sie bei den Lüftungen aus?

Zehnder: Dank dem Trend zur Energieeffizienz ist die Nachfrage in diesem Bereich weiterhin ungebrochen. Wir erwarten auch im laufenden Jahr ein Wachstum von über 10%, unabhängig von der schwachen Baukonjunktur.

Werden Sie sich mittelfristig aus dem Heizungsgeschäft verabschieden?

Zehnder: Nein, dies ist nicht vorgesehen. Wir bieten unseren Kunden eine Gesamtlösung an. Heizen gehört dabei genauso zum Angebot wie die Lüftung. Hinzu kommt, dass wir mit den Heizungen nach wie vor Geld verdienen und wir mit unseren Produkten dieselben Kunden ansprechen. Daher können wir die Synergien in unseren Verkaufskanälen nutzen.

Wie sehen Ihre Ziele für das laufende Geschäftsjahr aus?

Zehnder: Zu den Finanzzielen machen wir keine Angaben. Unser Hauptziel gilt jedoch der Marge, die wir auf Vorjahresniveau halten wollen.

Wo sehen Sie 2009 die grössten Herausforderungen für die Zehnder Group?

Zehnder: Bei den Heizkörpern arbeiten wir in einem sehr schwierigen Umfeld. Dabei ist es entscheidend, den Spagat zwischen der Menge und den Margen hinzukriegen. Gleichzeitig wollen wir mit den Komfortlüftungen weiter wachsen. Hier gilt es, die entsprechenden Chancen nicht zu verpassen.