Die Anbieter von strukturierten Produkten müssen sparen und zum Teil zu drastischen Massnahmen greifen. Zahlreiche Emittenten haben jüngst ihre Derivateteams zusammengekürzt.

Wolfgang Gerhardt, Leiter Investment Banking bei der Bank Sal. Oppenheim, bezeichnet das Derivategeschäft derzeit als «mühsam». Die Kunden würden abwarten, seien sehr verunsichert.

Auch bei den anderen Emittenten klingt es nicht viel besser: «Investoren sind angesichts der schwierigen Marktsituation nach wie vor zurückhaltend», so Roger Studer, Leiter Investment Banking bei der Bank Vontobel und Präsident des Schweizerischen Derivate-Verbandes. Weniger verhalten gibt sich die Zürcher Kantonalbank (ZKB): «Die ZKB ist mit dem aktuellen Geschäftsgang zufrieden», schreibt Paolo Vanini, Leiter Strukturierte Produkte bei der ZKB. Damit scheint die ZKB eher eine Ausnahme zu sein. Zumindest hinter vorgehaltener Hand klagen die meisten Emittenten über den lauen Geschäftsgang.

US-Banken leiden mehr

Für den Newcomer EFG Financial Products (FP) ist es eine grosse Herausforderung, seine ambitiösen Ziele zu erreichen. Im Juni sagte Partner Jan Schoch gegenüber der «Handelszeitung», man werde volumenmässig «dieses oder nächstes Jahr unter die Top 3 im Derivatemarkt» kommen. Gemessen am an Scoach gehandelten Umsatz befanden sich die Zürcher im Dezember noch nicht unter den zehn grössten Playern. Vonseiten EFG FP heisst es: «In Bezug auf das Volumen sind wir zuversichtlich, aufholen zu können.» Die ersten zwei Wochen des Jahres seien sehr ruhig verlaufen, in der zweiten Januarhälfte habe man sich über rege Nachfrage und hohe Aktivität gefreut.

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Nicht alle Emittenten müssen im gleichen Ausmass zurückstecken. «Mehr zu kämpfen haben momentan die US-Investmentbanken», sagt Daniel Manser, Geschäftsleitungsmitglied der Derivative Partners AG. Denn deren Image als Gegenpartei hat nach dem Konkurs von Lehman Brothers stärker gelitten. Ausserdem sei die amerikanische Geschäftsmentalität «sprunghafter» als die Schweizerische. Wenn ein Geschäft nicht mehr rentiere, würden sich US-Institute schneller zurückziehen, seien aber bei positiven Impulsen auch schneller wieder im Geschäft.

Weniger zu leiden haben hingegen Institute mit einem Private- Banking-Geschäft im Hintergrund. Allen voran UBS und CS können vom internen Vertriebsnetz profitieren.

Ein Hoffnungsträger der Industrie ist das zentrale Clearingsystem, das in der Pipeline des Verbandes steckt. Die Idee dahinter: Emittenten sollen Sicherheiten bei einer Clearingstelle hinterlegen können, womit die Produkte vom Gegenparteienrisiko befreit sind. Laut Studer findet die Information über Details Mitte Februar statt: «Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren», sagt Studer. Die Einführung ist bereits per Ende des 1. Quartals 2009 geplant.

Im Namen der ZKB sagt Vanini, der das Projekt als Vizepräsident des Verbandes vorangetrieben hat: «Wir versprechen uns viel davon.» Auch Manser findet das System interessant, «solange die Krise anhält, danach wird es aber an Bedeutung verlieren, da die Kosten nicht unerheblich sind». Marktinsider gehen von zusätzlichen 100 Basispunkten aus, die der zusätzliche Schutz den Anleger kostet. Es wird sich zeigen, ob Investoren bereit sind, dies zu zahlen.

Derivateindustrie ist zyklisch

Die Verwerfungen an den Märkten haben gezeigt: Die Derivatebranche ist zyklisch. Sobald die Märkte also wieder aufwärts zeigen, ist auch mit einer Erholung bei den strukturierten Produkten zu rechnen. «Ich mache mir keine Sorgen. Die Nachfrage wird zurückkommen», so Gerhardt. Und wenn es an den Börsen erstmal aufwärts zeigt, soll die Nachfrage umso schneller zurückkommen: «Die strukturierten Produkte werden als Gewinner aus der Krise hervorgehen», ist Manser überzeugt. Sein Hauptargument: Die Transparenz, was die Auszahlung angeht, sei unübertroffen, und genau diese Transparenz würden Anleger künftig suchen.

Bis es so weit ist, werden die Emittenten wohl weiter auf die Kostenbremse treten müssen. Das wird in tieferen Werbe- und Personalkosten und weniger Neuemissionen resultieren. Denn Patentrezepte gibt es keine. Dass einfache und transparente Produkte derzeit angesagter sind als undurchsichtige Konstrukte, ist klar.

Und: «Auch ein schlechter Markt bietet Chancen», so Manser. Institutionelle Kunden nehmen diese derzeit eher wahr - während der Retailkunde an der Seitenlinie steht. Der Zeitpunkt, um einzusteigen, wäre auch günstig. «Bei den aktuell hohen Volatilitäten sind die Konditionen für Reverse Convertibles und Discount-Zertifikate optimal», sagt Gerhardt von Sal. Oppenheim.