Seit Jahren befindet sich die amerikanische Autoindustrie im Krebsgang. Mit der Subprime-Krise und ihren Folgen steigen die Sorgen über rückläufige Verkaufszahlen nun zusätzlich. Denn die schwierigen Konjunktur- und Kreditbedingungen drücken die Konsumstimmung und führen dazu, dass Autoanschaffungen zurückgestellt werden. In Zahlen bedeutet dies einen Rückgang der Verkäufe in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres um 8% auf knapp 3,6 Mio abgesetzte Fahrzeuge.

Deutsche Hersteller bevorzugt

Doch nicht nur Amerika ist betroffen. Auch in Westeuropa ist der Autoabsatz im 2008 zurückgegangen. Insbesondere im wichtigen Verkaufsmonat März zeigte sich in den westeuropäischen EU-Staaten ein regelrechter Einbruch der Absatzzahlen um 10,3%. «Wichtiger als die Verkäufe sind für die Automobilhersteller aber die Produktionszahlen», sagt Sal.-Oppenheim-Analyst Beat Füglistaller. Schliesslich würden die Fahrzeugbauer ihre Automobile nicht nur für den Heimmarkt fabrizieren, sondern auch in nach wie vor aufstrebende Märkte in Asien und Lateinamerika exportieren. Entsprechend positiv schätzt Sal. Oppenheim insbesondere die deutschen Automobilhersteller ein und erwartet von ihnen ein moderates Wachstum um 4% im Jahr 2008. Ähnlich sieht es bei den japanischen Produzenten aus, die nochmals um rund 3% zulegen sollten, während in den USA von einem Minus in der Höhe von gut 7% ausgegangen wird.

Trotzdem, die rückläufigen Verkaufszahlen in Amerika und Europa hinterlassen in den Büchern der Autohersteller ihre Spuren. Und damit auch in jenen der Schweizer Autozulieferer Rieter, Georg Fischer, Komax und Feintool.

Bereits im Januar dieses Jahres hat Georg Fischer eine Gewinnwarnung ausgegeben. Verantwortlich dafür war unter anderem der Automotivebereich, doch waren die Probleme vielmehr hausgemacht, als auf fehlende Aufträge zurückzuführen. Georg Fischer profitiere weiterhin von einer hohen Nachfrage im LKW-Bereich, schreibt denn auch Patrick Laager, Analyst bei der Bank Vontobel. Trotzdem hat er seine Ertrags- und Gewinnschätzungen reduziert, was aber auch auf die hohe Exponierung der Maschinenbaudivision AgieCharmilles zum Dollar, zurückzuführen ist. Deutlich positiver ist Füglistaller gestimmt: «Da die Markterwartungen aufgrund der Gewinnwarnung gesunken sind und Georg Fischer im Automotivebereich auf die europäischen Hersteller ausgerichtet ist, scheinen die Titel günstig bewertet», so der Sal.-Oppenheim-Analyst. Die Aktien des Industrieunternehmens werden mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 9,5 für 2008 gehandelt. Die Mehrheit der Analysten empfiehlt die Titel zum Kauf.

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Während sich Georg Fischer im aktuellen Umfeld insgesamt erfreulich halten konnte, hat Rieter die in Amerika und Westeuropa gesunkene Autoproduktion deutlich zu spüren bekommen: Rieter Automotive Systems verzeichnete bis Ende April einen Umsatzrückgang von 4%. Zudem dürfte sich der schwache Dollar negativ auf die Einnahmen auswirken und auch die Margen dürften kaum gehalten werden können, schreibt Vontobel-Analyst Laager. Er rechnet mit einem Wert von indikativ 3,5%.

Weniger Bestellungen bei Rieter

Von einem regelrechten Einbruch um mehr als 50% bei den Bestellungseingängen wurde Rieter gleichzeitig im Bereich der Textile Systems getroffen, was den Winterthurer Industriekonzern zu einer Korrektur der Gewinnerwartungen gezwungen hat. Die Titel sind darauf zeitweise um über 7% eingebrochen. Trotz der moderaten Bewertung der Aktien sind die Analysten aufgrund des ausgeprägten Textilzyklus und der ungünstigen Entwicklung im Automobilsektor zurückhaltend.

Am 27. Mai präsentiert der Lysser Maschinenbauer Feintool sein Halbjahresergebnis. Obwohl das Unternehmen seine Abhängigkeit vom amerikanischen Markt reduziert hat, werden nach wie vor gut 20% des Umsatzes vor allem im US-Automarkt erwirtschaftet. «Nachdem Feintool in den guten Jahren nicht viel verdient hat, ist das Risiko einer Enttäuschung im aktuell schwierigen Umfeld grösser», so Sal.-Oppenheim-Analyst Füglistaller, der den Titel auf «reduce» einstuft. Die Mehrheit der Analysten empfiehlt, die Aktien von Feintool zu halten.