Die massiven Veränderungen beim Anlagenbauer Schweiter beflügeln offensichtlich die Übernahmefantasien der Industrie-Anleger: Schweiter verkauft für 550 Mio Fr. seinen potentesten Umsatzbringer Satisloh an den französischen Brillenglashersteller Essilor und verfügt danach über Net-Cash-Positionen von 650 Mio Fr. Damit ist Schweiters Liquidität grösser als die Marktkapitalisierung von aktuell 615 Mio Fr.

Die freien Mittel will Schweiter-Präsident Hans Widmer, der selber 24,9% am Unternehmen hält, für Zukäufe einsetzen. Eine Superdividende ist nicht geplant.

Die Anleger vertrauen offensichtlich Widmers Fähigkeiten, wertsteigernde Perlen in die Gruppe zu holen: Die Aktie stieg nach Bekanntgabe des Deals am vergangenen Montag im negativen Umfeld um 20% auf über 420 Fr.

Keine weiteren Devestitionen

Laut Widmer will Schweiter die Mittel entweder in den Ausbau der verbleibenden beiden Divisionen – die Textilmaschinensparte SSM und die Halbleitertochter Ismeca – oder in neue Geschäftsfelder investieren. Einen Verkauf von SSM und Ismeca, worüber zuletzt am Markt häufig spekuliert worden war, schliesst er aus.

In die Ferne schweifen muss Widmer auf seiner Einkaufstour nicht: Der Technologiekonzern OC Oerlikon, seit Mitte Mai von einem neuen VR unter der Führung des russischen Industriellen Viktor Vekselberg kontrolliert, überprüft derzeit sein Portfolio.

Oerlikon-Sprecher Burkhard Böndel möchte keinen Kommentar abgeben: «Wir äussern uns, wenn es etwas Substanzielles zu sagen gibt.»

Esec: «Sehr interessante Story»

Es ist kein Geheimnis, dass Schweiter schon mehrfach Seitenblicke auf Geschäftsteile von OC Oerlikon – namentlich das Halbleiter- und das Textilmaschinengeschäft – geworfen hat. Schweiter-CEO Beat Siegrist, der nach dem Satisloh-Deal zu Käuferin Essilor wechseln wird, sagte zuletzt Anfang 2008 der «Handelszeitung»: «Wenn zwischen der OC Oerlikon-Tochter Esec und unserer Halbleitersparte Ismeca Synergien kreiert und genutzt werden, könnte eine sehr interessante Story daraus werden.» Bekannt ist auch, dass sich Schweiter für Oerlikon Schlafhorst interessiert. Der Spulmaschinenhersteller ist das Kronjuwel des Textilmaschinenbauers Oerlikon Textile (ehemals Saurer) und wäre entsprechend teuer.

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Günstiger zu haben wäre Esec, die bei einem Umsatz von geschätzten 300 Mio Fr. 2007 nach einer Sanierung wieder schwarze Zahlen schreibt, aber alles andere als eine «Cashcow» ist.

Interessant in diesem Zusammenhang ist eine Aussage von Schweiter-Präsident Widmer am vergangenen Montag. Der frühere Sanierer des Industriekonglomerats Oerlikon-Bührle – heute OC Oerlikon – sieht als Kaufkandidaten Firmen in Turnaround-Situationen. Immer wenn ein solcher gelinge, werde längerfristig viel Wert geschaffen. Zudem sei die schwache Börse ideal, Firmen mit 50 bis 100 Mio Fr. Betriebsgewinn zu kaufen.

Zurückhaltender gibt sich der designierte Schweiter-CEO Heinz Baumgartner: «Wir schauen uns alles an», sagt er hinsichtlich möglicher Übernahmeziele. Zu den Spekulationen um Esec sagt er: «Glauben Sie nicht allen Gerüchten.»