Quilvest verwaltet die Vermögen von Superreichen und Unternehmerfamilien. Haben diese Investoren wie die meisten Börsianer die Aktienrally der letzten Monate ungenutzt vorüberziehen lassen?

Matthias Jenzer:
Das ist ja nicht nur das Problem der Privatanleger. Auch Profi­investoren haben nach dem Absturz 2011 die Börse aufgegeben. Wir haben für ­unsere Kunden damals und letztes Jahr aggressiv zugekauft und die Aktienquote in den Portefeuilles bis auf 50 Prozent gesteigert. Letzten Dezember wurden wir vorsichtig und gewichteten Aktien neu­tral. Der rasante Kursanstieg 2013 hat dann auch uns überrascht.

Doch jetzt taumelt die Börse, in Japan kam es zu deutlichen Korrekturen. Ist es bereits zu spät zum Einstieg?
In den nächsten Monaten werden die Märkte sicher stärker schwanken. Es ist ja so, dass die Kurse praktisch nur noch von den massiven Geldspritzen der Notenbanken getrieben wurden. Nun zeichnet sich ab, dass die amerikanische Fed ihre expansive Geldpolitik drosseln könnte. Und Japans Zentralbank hat in den letzten Wochen viel Vertrauen verspielt. Klar, dass damit die Nervosität der Investoren zunimmt.

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Also Finger weg von Aktien?
Wenn die amerikanischen und europäischen Märkte mehr als 10 Prozent korrigieren, dann kaufen wir vermutlich wieder zu. Die Wirtschaft in den USA nahm deutlich an Fahrt auf, und europä­ische Aktien sind bereits auf heutigem Stand relativ günstig. In diesen Märkten böten sich Chancen.

Die bessere Konjunktur und die Aussicht auf ein Ende der Geldschwemme in den USA haben derweil am Anleihenmarkt zu einem scharfen Anstieg der Zinsen geführt. Droht da eine Blase?
Anleihenanleger sollten jetzt bloss nicht den Kopf verlieren. Die Fed kündigte zwar an, allenfalls weniger Staatsanleihen und Zinspapiere aufzukaufen. Damit würden die auf diese Weise künstlich tief gehaltenen Zinsen korrigieren, was jetzt teils schon vorweggenommen wird. Doch die Fed kann es sich nicht leisten, dass die Zinsen ausser Kontrolle geraten. Sie wird deshalb ihre Geldpolitik sehr behutsam anpassen. Anleger sollten eher bei Hochverzinslichen aufpassen. Dort sind die Preise oft übertrieben hoch.

Sie sehen das also ganz entspannt. Und wie beurteilen Sie die Lage in Europa?
Eigentlich kann das Wachstum dort nur von den Exporten her kommen, und dazu müsste die Europäische Zen­tralbank Druck auf den Euro-Kurs ausüben. Vom Binnenmarkt ist wenig zu erwarten, da die Arbeitslosigkeit noch zunimmt und sich die Firmen mit Investi­­-tionen zurückhalten. Wir rechnen für die nächsten sechs bis zwölf Monate mit einer Stagnation in der Euro-Zone.

Wozu raten Sie denn in diesem Umfeld Ihren Kunden?
Wir empfehlen eine neutrale Position in Aktien. Staatsanleihen und Cash sind unattraktiv, bei Hochverzinslichen gibt es nur noch wenige interessante ­Nischen, etwa bei amerikanischen Firmenbonds. Aus Rohstoffen haben wir uns ­bereits 2011 zurückgezogen. Dafür haben wir unsere Positionen in Hedgefonds ­erhöht. Nach einer langen Durststrecke zeichnet sich dort eine Wende ab.

Sie werben für Aktien und Hedgefonds – doch scheuen nicht auch Reiche jedes Risiko an der Börse?
Es ist eher so, dass sich diese Investoren darauf verlassen, dass die Notenbanken weiter die Märkte antreiben. Deshalb sind viele von ihnen heute in ­Aktien investiert. Generell treten Kunden an uns heran, wenn Marktbewegungen Chancen ergeben.

Und was empfehlen Sie jenen Klienten, die vorab Risiken vermeiden wollen?
Dann ist Cash doch nicht eine so schlechte Idee. Wer eine Nullrendite einem Minus von 10 oder 20 Prozent vorzieht, liegt damit wohl richtig. Auch Obligationen von höchster Qualität wie etwa amerikanische Schatzanleihen erfüllen diesen Zweck.