COGNOS. Noch Anfang Jahr gab es vier grössere Anbieter von Business Intelligence, der Software zur Analyse von Kunden- und Verkaufszahlen: Hyperion, Business Objects, Cognos und SAS Institute.

Seither hat sich einiges getan: Oracle kaufte Hyperion, und vor zwei Wochen kündigte SAP an, die Mehrheit von Business Objects übernehmen zu wollen. Da SAS als privates Softwarehaus nicht über die Börse verkauft werden kann, verbleibt der kanadische Anbieter Cognos als letztes attraktives Ziel.

Cognos-Chef will Unabhängigkeit

Dass Cognos zum Ziel taugt, daran herrscht auch an der Börse wenig Zweifel: Der Cognos-Aktienkurs schnellte nach der SAP-Ankündigung um 20% in die Höhe, schliesslich gilt es unter Analysten als ausgemachte Sache, dass Firmen wie IBM, HP, EMC, Microsoft sowie erneut Oracle oder SAP ein Auge auf Cognos werfen werden. Wobei Letztere noch mit der Integration der bereits getätigten Übernahmen beschäftigt sein dürften, während HP-Chef Mark Hurd gegenüber der «Handelszeitung» durchblicken liess, dass er eher im Datenmanagement als bei Applikationen zukaufen würde. Ob und von welchen Firmenchefs Cognos-CEO Rob Ashe jüngst wegen einer Übernahme angegangen wurde, mochte er nicht kommentieren. Vielmehr setzt Ashe auf ein Szenario der Unabhängigkeit und will für Kunden, welche die Entscheidung über eine Business-Intelligence-Softwareanschaffung frei von anderen Käufen wie Datenbanken oder ERP-Systeme treffen, als letzter unabhängiger Anbieter am Markt auftreten. Als Risiko sieht der CEO einzig die guten Kontakte zu den Entscheidungsträgern, welche die SAP- und Oracle-Leute jetzt in die Waagschale werfen können. Nach dem Motto «der Feind meines Feindes ist mein Freund» vertieft Cognos daher seine strategischen Kooperationen mit IBM, Accenture, BearingPoint, CapGemini und Teradata.Grundsätzlich läuft das Geschäft bei Cognos gut. Das letzte Quartalsergebnis mit einem Umsatzplus von 12% wusste zu überzeugen. Konkurrent Business Objects musste dagegen vor der Übernahmemeldung eine Umsatz- und Gewinnwarnung ausgeben. Auch im Markt selber sieht Ashe keine Schwäche – zu schaffen machen der kanadischen Firma lediglich der starke kanadische Dollar sowie eine Schwäche in Asien, die durch fehlende Grossaufträge in Japan und Australien bewirkt wurde.

Hartnäckige Spekulationen

Unterdessen hat der Kurssprung auf gegen 50 kanadische Dollar die Cognos-Aktie, angesichts eines Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) von 25 für 2008, sehr teuer gemacht. Die Börse hat damit die Preise bereits vorweggenommen, die SAP für Business Objects und Oracle für Hyperion bezahlt hatten. Attraktiv ist die Aktie, um auf eine weitere Konsolidierung im Softwaremarkt zu setzen. Alleine diese Fantasie dürfte in den kommenden Monaten bewirken, dass die Cognos-Titel nicht beliebig tief abrutschen. Zudem würden hier, sofern IBM oder EMC zuschlagen, anders als beim von Oracle angekündigten Kauf von BEA Systems, kaum Überschneidungen mit den Produkten der Käufer bestehen.

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