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  3. CIC-Experte Mario Geniale rechnet mit einer Stabilisierung des EUR-CHF-Kurses

Börseninterview
«Medartis- und Sensirion-Aktien sind keine Schnäppchen»

Sensirion
Sensirion: Der Stäfner Konzern stellt Messsysteme her.Quelle: Keystone

Experte Mario Geniale erklärt, wieso die Titel von Medartis und Sensirion nicht günstig sind – und sagt, was bei Apple zu erwarten ist.

Von Marc Bürgi
am 23.08.2018

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Mario Geniale*: Nach den jüngsten, berüchtigten Tweet-Rundumschlägen von Donald Trump sind alle Blicke auf den Bosporus gerichtet. Die türkische Lira ist in eine Jojo-Bewegung übergegangen und – nicht überraschend – Präsident Recep Erdogan hält verbal dagegen. Der Handelskrieg zwischen den USA und China, beziehungsweise dem Rest der Welt, ist gegenwärtig in den Hintergrund gerückt. Aber bekanntlich sind wir nur einen kurzen Tweet des US-Präsidenten vor einem Wiederaufflammen des Konfliktes entfernt.

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Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Die Berichtssaison der Halbjahresergebnisse hat der Saure-Gurken-Zeit ein Ende gesetzt. Die allgemein positiv ausgefallenen Abschlüsse, namentlich von den Indexschwergewichten, haben zu einem substanziellen Indexanstieg geführt. Das kurzfristige Kurspotenzial ist aber weitgehend ausgereizt. Einerseits bremst der gegenüber dem Euro wiedererstarkte Franken die Geschäftsdynamik vieler, auf Europa ausgerichteter S&M-Cap-Unternehmen. Anderseits ist – wie bereits angetönt – der US-Präsident mit seiner kaum lesbaren Amtsführung jederzeit für eine negative Überraschung gut.     

Mario_Geniale_BanqueCIC_Boerseninterview
*Mario Geniale ist als Chief Investment Officer verantwortlich für die Anlagepolitik der Bank CIC. Der diplomierte Vermögensverwalter und Finanzexperte verfügt über langjährige Erfahrung im Portfolio Management und Advisory.
Quelle: ZVG

Wo steht der SMI in 12 Monaten?
Die SMI-Performance ist seit Jahresbeginn, trotz dem beachtlichen Zwischenspurt im Juli, nicht berauschend. Zweifellos sprechen die historisch sehr tiefen Zinssätze und ein für 2019 erwartetes Gewinnwachstum von 10 Prozent für eine freundliche Börsentendenz. Letztere optimistische Prognose basiert allerdings auf einem funktionierenden Welthandel, ohne eskalierenden Strafzollandrohungen. Diese Annahme ist angesichts der in den letzten Monaten knüppelhart umgesetzten America-First-Strategie der Trump-Administration alles andere als sicher. Mit anderen Worten: Wir bleiben bei unserer vorsichtigen 12-Monatsprognose und sehen beim SMI «das Ende der Fahnenstange» beim aktuellen Indexstand, also bei rund 9000 Indexpunkten.

Mit Medartis und Sensirion haben zwei der Neuzugänge an der Schweizer Börse diese Woche Geschäftszahlen vorgelegt. Wie haben sich die beiden Unternehmen entwickelt?
Medartis (Medizinaltechnik) und Sensirion (Sensoren) sind unumstritten die beiden Überflieger der diesjährigen IPOs an der Schweizer Börse – nicht nur, was die Kursentwicklung seit Handelsaufnahme betrifft. Beide Firmen sind global aufgestellte Hightech-Nischenplayer mit dem Qualitätssiegel «Swiss Made». Die Halbjahresresultate beider Börsenneulinge waren durch die üblich anfallenden IPO-Kosten belastet. Das Umsatzwachstum und die adjustierte operative Marge sind aber gut. Beide Aktien sind keine Schnäppchen. Qualität hat ihren Preis!

Der US-Börsenindex S&P 500 steigt seit neun Jahren fast ununterbrochen. Wird sich dieser «Bullenmarkt» fortsetzen?
Der S&P 500 erreichte in den letzten Tagen ein Allzeithoch und besiegelte somit den längsten Bullenmarkt aller Zeiten (3453 Tage). Der S&P 500 ist seit dem Tiefpunkt der Finanzkrise um mehr als 300 Prozent gestiegen. Dieser Trend wird sich fortsetzen, sofern der Handelsstreit zwischen den USA, China und Europa nicht eskaliert oder keine weiteren exogenen Schocks die Märkte destabilisieren. In den USA läuft die Wirtschaft sehr gut und die Aktienmärkte wurden in diesem und im vergangenen Jahr durch starke Unternehmensgewinne und solide Ausblicke begünstigt.

Im September wird Apple seine Neuheiten vorstellen. Wird der 1-Billion-Dollar-Konzern seinen Höhenflug an der Börse fortsetzen können?  
Fast zwei Drittel seiner Gesamteinnahmen erwirtschaftet Apple mit iPhones. So ist es kaum verwunderlich, dass die Vorstellung einer neuen iPhone-Generation im September sehnlichst erwartet wird. Allerdings versucht Apple auch in anderen Geschäftsbereichen weiter zu wachsen, um seine Abhängigkeit von den iPhones zu verringern. Der Umsatz mit Diensten wie iTunes, Apple Music und Apple Pay konnte eindrucksvoll gesteigert werden und soll sich auch in Zukunft robust entwickeln. Das weckt bei den Investoren die Hoffnung auf eine anhaltend positive Kursentwicklung der Apple-Aktien.

Der Franken notiert zum Euro wieder knapp über dem Stand von 1.13. Droht eine Rückkehr in die Zeiten der Frankenstärke?
Nach Aufhebung des Mindestkurses von CHF 1.20 pro Euro im Januar 2015 wurde die Fitness der Schweizer Wirtschaft unter Beweis gestellt. In der Folge hat die europäische Gemeinschaftswährung, allen Querelen zum Trotz, kontinuierlich aufgeholt und am 20. April 2018 mit EUR/CHF 1.1981 die Lücke praktisch geschlossen. Die erneute Schwäche danach zeigt, dass der künstlich tiefe Franken aufgrund der robusten Schweizer Konjunktur wieder an Fahrt gewinnt. Mit der SNB auf der Seitenlinie ist mit Interventionen zu rechnen, sollte die Heimwährung zu stark werden. Wir rechnen mit einer Stabilisierung des EUR/CHF um 1.12.

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