1. Home
  2. Invest
  3. Medici und Medikamente als Treiber

Invest

Medici und Medikamente als Treiber

Imported Image

Am Rheinknie stört sich niemand daran, dass der Bankenplatz im Schatten von Zürich steht. Dank der prosperierenden Life-Science-Branche entwickelt sich der Standort schnell. Doch die nach der Abwander

Von Jorgos Brouzos
am 28.07.2010

Ob Acino, Bachem, Basilea, Clariant, Lonza, Mepha, Syngenta, Roche oder Novartis: Basel reimt sich auch weiterhin mit Big Pharma. Die wichtigsten Schweizer Unternehmen aus den Bereichen Pharma, Biotechnologie, Chemie und Life Science befinden sich in der Region. Rund 15% tragen sie zum Basler BIP bei.

Doch gleich nach der Pharmaindustrie ist der Finanzsektor der wichtigste Wirtschaftszweig der Rheinstadt. Laut der Basler Bankenvereinigung erwirtschaften rund 6000 Beschäftigte 6% des Basler BIP.

Exodus vom Rhein an die Limmat

Dabei wurde dem wichtigen Standbein der Region noch vor wenigen Jahren ein heftiger Schlag versetzt. Die 1998 vollzogene Fusion des «Basler» Schweizerischen Bankvereins und der «Zürcher» SBG/UBS hat dem Sektor zugesetzt. Zwar ist der Unternehmenssitz der UBS formell in Zürich und in Basel, doch wanderten zahlreiche Stellen in die Limmatstadt ab. Laut dem Schlussbericht des Swiss Financial Center Watch (SFCW) von 2007 verlor der Bankenplatz Basel zwischen 1995 und 2005 mehr als 2600 Beschäftigte, ein Rückgang von mehr als einem Drittel. Im gleichen Zeitraum wuchs laut SFCW die Beschäftigung im Finanzsektor in Zürich um 6% an. Seither hat sich der Bankenplatz zwar wieder erholt. Zehn neue Institute haben sich in der Stadt angesiedelt, darunter etwa Wegelin & Co., Pictet, Julius Bär oder Valiant. Doch, auch wenn die Beschäftigung wieder zugenommen hat, ist sie noch nicht wieder auf dem einstigen Niveau angelangt. Für Hans Rudolf Matter, CEO der Basler Kantonlbank BKB, hatte die Fusion dennoch auch einen Vorteil: «Der Bankenplatz ist vielfältiger geworden» (siehe «Nachgefragt»). Zu dieser Vielfalt tragen auch bedeutende Branchen-Organisationen bei. Neben der Bankiervereinigung und dem Verband der Kantonalbanken befindet sich auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel. Neben der nationalen und internationalen Ausstrahlung fällt auch die reiche Geschichte des Bankenplatzes auf. So führten bereits die Medici in Basel eine Niederlassung, und der Basler Stadtwechsel galt im 16. und 17. Jahrhundert als die wichtigste Bank der Schweiz. Die Bank vermittelte öffentliche Anleihen auch für deutsche und französische Adelshäuser.

Wo die Sarasins den Ton angeben

Doch schon bald verlor der Stadtwechsel seine Stellung an Privatbanken wie etwa die Bank Sarasin. Seit 1841 befindet sich deren Hauptsitz in der Stadt, und die Familie Sarasin ist fester Bestandteil des berühmten Basler «Daig».

«Die Region Basel beziehungsweise Nordwestschweiz ist für uns somit nicht nur Heimmarkt, sondern auch quantitativ von grösster Bedeutung», so Benedikt Gratzl, Sprecher der Bank Sarasin. Die Position wurde in den vergangenen Jahren personell wie auch auf der Kundenseite deutlich ausgebaut. Gemessen an den verwalteten Kundenvermögen ist Basel der grösste Standort der Bank Sarasin. Das hat sich auch auf die Mitarbeiterzahl ausgewirkt. Bei der Bank Sarasin arbeiten derzeit rund 530 Mitarbeitende am Hauptsitz, rund 70 mehr als noch vor vier Jahren. Die hohe Dichte an internationalen Grosskonzernen wie auch innovativen Unternehmen im Bereich der Life Sciences und auch aus anderen Branchen bietet eine interessante Plattform für Finanzdienstleister. «Wir wollen auch an unserem Hauptsitz unsere Wachstumsstrategie fortsetzen und unseren Marktanteil im Vermögensverwaltungsgeschäft mit Privatkunden und institutionellen Grossanlegern weiter ausbauen», so Gratzl. Eine Herausforderung stellt dabei aber der begrenzte Pool an ausgebildeten Fachkräften dar.

Notenbank der Notenbanken

Gleich neben dem Basler Hauptbahnhof ragt ein gewaltiger Turm in die Höhe. Im 70 m hohen Gebäude befindet sich mit der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) die weltweit älteste internationale Finanzorganisation. Gegründet wurde die BIZ, um die Reparationszahlung von Deutschland nach dem 1. Weltkrieg abzuwickeln. Heute ist sie ein wichtiger Dienstleister für die Zentralbanken. In den Räumen der BIZ tagt etwa der Basler Ausschuss. Dort wird derzeit an Basel III gearbeitet, den Verschärfungen bei den Eigenkapitalrichtlinien von Banken. Die Dienstleistungen der BIZ richten sich an Zentralbanken und Behörden. Zudem sind bei der BIZ 3% der weltweiten Währungsreserven hinterlegt.Basel bietet aber auch Finanzdienstleister, die etwas aus der Rolle fallen. So befindet sich etwa die WIR Bank Genossenschaft in Basel. Der Nischenplayer, der übrigens 1934 von Zürich nach Basel gezogen ist, ist mit seinem einzigartigen WIR-System ein Sonderfall unter den Banken. Das bankeigene Zahlungsmittel «WIR» ist bei vielen KMU beliebt. «Ganz allgemein erleben wir den Bankenplatz Basel als sehr lebendigen Wirtschaftsraum», so Hervé Dubois, Mitglied der WIR-Direktion.

Auch die Freie Gemeinschaftsbank hat seit einigen Jahren ihren Sitz in Basel. Das 1984 gegründete Institut bezeichnet sich selbst als die erste Schweizer Alternativbank, die nach ethisch-ökologischen Normen geschäftet.

NACHGEFRAGT

«Auch den Banken geht es dank Life Science gut»

Hans Rudolf Matter ist Präsident des Bankenplatzes Basel und CEO der Basler Kantonalbank BKB. Er ist zuversichtlich für die Zukunft der Branche in Basel.

Der Finanzplatz Basel steht im Schatten des hier wenig beliebten «Zyri». Wurmt Sie das?

Hans Rudolf Matter: Im internationalen Standortwettbewerb ist der Finanzplatz das Aushängeschild von Zürich. Basel steht klar für Life Science. Doch auch dafür braucht es gute Banken.

Welche Bedeutung hat die Life- Science-Branche für Sie?

Matter: Die Aussichten für die Life-Science-Branche sind weiterhin sehr gut, was auch inskünftig einen überdurchschnittlichen Beschäftigungs- und Wachstumseffekt erwarten lässt. Wenn es Life Science gut geht, geht es auch den Banken gut. Der Life-Science-Sektor ist das Aushängeschild der Region. Wir setzen uns deshalb dafür ein, dass die Rahmenbedingungen stimmen.

Seit der UBS-Fusion haben sich zehn Institute in Basel angesiedelt. Konnten diese den Stellen-abfluss auffangen?

Matter: Da es sich mehrheitlich um kleinere Einheiten ohne Hauptsitzfunktionen handelte, konnte der Stellenverlust nicht ausgeglichen werden. Aber aktuell sind immer noch rund 5500 bis 6000 Beschäftigte im Sektor tätig. Es gilt aber festzuhalten: Der Abbau hatte damals nichts mit der Attraktivität des Standorts zu tun, sondern mit der Struktur der neuen Grossbank.

Wie hat sich der Bankenplatz seit diesem Exodus verändert? Matter: Der Charakter hat sich gewandelt, er ist vielfältiger geworden. Die Bedeutung der Grossbanken hat abgenommen.

Welches Gewicht hat die Lage im Dreiländereck?

Matter: Der badische Raum ist eine wohlhabende Region. Dort gibt es ein grosses Kundenpotenzial. Die Stabilität des Schweizer Frankens und die Sicherheit des Finanzplatzes sind derzeit ein grosses Plus für uns. Zudem arbeiten viele hochqualifizierte Beschäftigte aus dem französischen oder dem deutschen Raum sehr gerne bei einer Schweizer Bank.

Haben die verwalteten Vermögen unter der Steuer- debatte der letzten Monate gelitten?

Matter: Bislang gibt es keine verlässlichen Angaben zu den verwalteten Vermögen. Eine Studie soll nun Klarheit schaffen. Wir stellen keinen bedeutenden Abfluss von Kundengeldern fest, da Stabilität und eine harte Währung für die ausländische Kundschaft sehr wichtig sind.

Anzeige