Finanzkrise und Konjunkturängsten zum Trotz entwickelt sich der Schweizer Werbemarkt im laufenden Jahr bisher sehr positiv. Gegenüber den bereits starken Vergleichszahlen aus dem Vorjahr hat der Werbedruck nochmals um fast 12% zugelegt. «Prognosen für das Gesamtjahr sind zum heutigen Zeitpunkt allerdings schwierig, da es sich bei der Werbung um ein sehr kurzfristiges Geschäft handelt», erklärt Daniel Bürki, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

Einen guten Start ins laufende Geschäftsjahr hat nach Angaben von CEO Klaus Kappeler Goldbach Media hingelegt. Dabei profitiert der spezialisierte Werbevermarkter vom langfristigen Trend in Richtung elektronische Werbung. Bereits im Vorjahr präsentierte das Unternehmen ein Umsatzplus von knapp 19% auf 237 Mio Fr. sowie eine Ebit-Steige- rung um rund 18% auf 17,8 Mio Fr. Für das Gesamtjahr strebt der Börsenneuling wiederum ein zweistelliges Umsatz- und Ebit-Wachstum an. «Durch die Fokussierung auf elektronische Werbung ist Goldbach optimal positioniert und hat seine Flexibilität als Vorteil gegenüber der Konkurrenz genutzt», sagt Bürki. Mit dem jüngsten Kauf eines Online-Vermarkters in Kroatien und Slowenien hat die Firma nun einen ersten Schritt in der Expansion nach Osteuropa vollzogen. Für die Vontobel-Analysten steht die Akquisition im Einklang mit den zum Börsengang im Juli letzten Jahres dargelegten Zielen und dient als Sprungbrett für weiteres Wachstum in der Region. ZKB und Vontobel empfehlen Goldbach Media zum Kauf.

Neue Strategie gut angenommen

Künftig will auch die Lausanner Publigroupe verstärkt auf das digitale und internationale Wachstum setzen und das starke Schweizer Geschäft als Fundament nutzen. Die neue Stossrichtung, die zusammen mit den Zahlen für 2007 (Umsatz: 2,1 Mrd Fr./Ge-winn: 73 Mio Fr.) präsentiert wurde, ist im Markt insgesamt wohlwollend aufgenommen worden. «Dieser Ansatz ist sicher richtig. In der Umsetzung ihrer Strategien hat Publigroupe in der Vergangenheit aber nicht immer glücklich agiert», gibt sich Bürki zurückhaltend. Im laufenden Jahr strebt der Werbevermarkter eine Umsatzsteigerung um mehr als 10% und eine Ebit-Marge von mindestens 3,5% an. Gleichzeitig will Publigroupe ihre verschiedenen Finanzbeteiligungen und Immobilienanlagen reduzieren und in das Wachstum im Ausland investieren. Die Analysten stufen den Werbevermarkter auf «neutral» ein.Der Lausanner Verlag Edipresse veröffentlicht am 10. April das Geschäftsergebnis 2007. Für 2007 erwartet Helvea einen Umsatz von 807 Mio Fr. und einen Ebit von 66 Mio Fr. «Edipresse kann sich mit der Gratiszeitung ‹Le Matin bleu› gegen ‹20 Minutes› behaupten. Fraglich ist aber, inwieweit andere Produkte dadurch kannibalisiert werden», erklärt Analyst Chris Burger. Durch den Merger mit RBA in Spanien ist es dem Verlag zudem gelungen, ein Problem zu lösen und die Profitabilität der neuen RBA Edipresse deutlich zu verbessern. Trotzdem rät Burger nicht zum Kauf der Aktie. «Der Zeitpunkt für einen Einstieg in Medientitel erscheint mir nicht günstig, auch wenn die Kurse stark korrigiert haben», sagt er.

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Bei Tamedia scheinen die goldenen Zeiten ebenfalls vorbei zu sein: Die erhöhte Konkurrenz bei den Gratiszeitungen, die Integration der Berner Espace Media Groupe, welche die Marge verwässern dürfte, sowie die Investitionen in die Regionalausgaben des Tagesanzeigers belasten. «Dank den Stellenanzeigen und ‹20 Minuten› wird das Resultat 2007 aber sicherlich noch gut ausfallen», so Bürki.