Privatbankier Bénédict Hentsch spricht Klartext, wenn es um die Massnahmen geht, mit denen Übertreibungen an den Finanzmärkten vorgebeut werden soll: «Ein grosses Problem ist die vierteljährliche Finanzberichterstattung.» Man könne dem CEO und seinem Managementteam nicht alle drei Monate die Resultate abfragen, wenn ein Investitionszyklus einer Firma zehn Jahre betrage.

Mit seiner Kritik an der quartalsweisen Finanzberichterstattung und dem damit verbundenen Druck auf die Führungsgremien, in kurzen Abständen positive Resultate publizieren zu müssen, ist der Privatbankier nicht alleine. Begründet wird diese jeweils mit dem langfristig ausgerichteten Businessmodell, welches auch kurzfristige Rückschläge einbezieht. Hinzu kommt, dass insbesondere für kleinere börsenkotierte Firmen ein erheblicher Zusatzaufwand entstehe.

Quartalszahlen keine Pflicht

Werner Vogt, Sprecher der Schweizer Börse SIX, bestätigt: «Man hört von den Unternehmen, dass die Quartalsberichterstattung aufwendig sei. Sie ist aber keine Vorgabe der Börse, sondern erfolgt freiwillig.» Gemäss den Listing Rules der SIX wird von den kotierten Firmen nur ein Halbjahresbericht gefordert, welcher nicht einmal durch eine Revisionsgesellschaft geprüft worden sein muss. «Welche Firma wie oft publiziert, hängt mitunter von der Branche und häufig auch vom Verhalten der Konkurrenten ab», weiss Stefan Räbsamen, Leiter Corporate Governance bei PricewaterhouseCoopers. Ein Blick in den SMI zeigt, dass auch bei den Schweizer Börsenschwergewichten die Finanzberichterstattung unterschiedlich gehandhabt wird (siehe Tabelle).

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Auf die mittelfristige Performance der Gesellschaften hat die Häufigkeit der Zahlenpräsentation jedenfalls kaum einen Einfluss, auch wenn die Mehrheit der Top-Performer über die letzten fünf Jahre ihre vollständigen Resultate nur Semesterweise präsentieren. «Die Finanzberichterstattung ist nur ein Fiebermesser, welcher den Gesundheitszustand des Unternehmens anzeigt», erklärt Räbsamen. Das Fieber werde aber nicht dadurch ausgelöst. Hinzu kommt, dass mit Ausnahme von Swatch alle SMI-Gesellschaften zumindest in einem «Management Statement» Angaben zum Geschäftsgang machen. Und bei den Uhrenfirmen geben die regelmässig publizierten Exportzahlen Aufschluss über einen möglichen Geschäftsgang.

«Der Markt würde zwar Quartalsergebnisse wünschen, aber aus unserer Sicht genügen Quartalsumsatzzahlen durchaus», sagt Vontobel-Analyst René Weber. Er gibt zu bedenken, dass vor allem bei sehr saisonalen Geschäftsmodellen wie beispielsweise beim Reisekonzern Kuoni (keine 1.-Quartals-Zahlen) oder dem Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli eine häufigere Publikation für die Investoren keinen Mehrwert bringen würde. «An den Informationen hätten wohl eher die Händler ihre Freude», so Weber. Entscheidender als die Häufigkeit der Berichterstattung ist für die Anleger denn auch die Qualität der präsentierten Zahlen.