Mindestens 32 Tote, die Grossstadt Houston ohne Strom und ein Versicherungsschaden, der auf bis zu 18 Mrd Dollar geschätzt wird: Das ist die bisherige Bilanz der vom Hurrikan Ike in den USA verursachten Zerstörung. Doch während die Texaner bis zur Hüfte im Wasser waten, sind die Investoren von Katastrophen-Bonds schön im Trockenen geblieben. «Bis jetzt sind weder durch den Hurrikan Gustav noch durch Ike Cat Bonds ausgelöst worden», sagt Daniel Grieger von ILS Investment Solutions beim auf alternative Anlagen spezialisierten Schweizer Vermögensverwalter Horizon21.

Auslöser bei 20 Milliarden Dollar

Cat Bonds, wie die Katastrophenanleihen im Jargon genannt werden, zählen zur relativ jungen Anlageklasse der Insurance Linked Securities (ILS). Dabei handelt es sich um nichts anderes als verbriefte Risiken, welche die Versicherer aus ihren Bilanzen hinaus an die Investoren transferieren. Käufer von ILS erhalten für das übernommene Risiko vom Versicherer einen festen Zins. Trifft das verbriefte Schadensereignis ein, verfällt das Investment des Anlegers als wertlos.

Dies ist jedoch im Falle der Sturm-Cat-Bonds bisher nur einmal geschehen: Der gewaltige Hurrikan Katrina löste 2005 den Cat Bond Camp Re aus. «Nutzniesser» war damals übrigens der grösste Schweizer Erstversicherer, Zurich Financial Services. Dass aber bald wieder eine Versicherung kassiert, ist wenig wahrscheinlich. «Es ist eher nicht anzunehmen, dass es dieses Jahr noch zu einem Ausfall kommt», sagt Grieger. «Die Trigger sind sehr unterschiedlich ausgestaltet, und bei vielen Cat Bonds braucht es Versicherungsschäden von 20 Mrd Dollar und mehr, bis ein Cat Bond zur Auszahlung kommt.»

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Dem weiteren Verlauf der Hurrikan-Saison können die Anleger aufgrund der bisher gemachten Erfahrungen relativ gelassen entgegenblicken. Das müssen sie sogar. Denn wer beim Heraufziehen eines Wirbelsturms das Nervenflattern kriegt, wird doppelt bestraft: Ist der Hurrikan noch auf dem Wasser draussen, geraten die Cat-Bond-Kurse jeweils unter Druck. Klart der Himmel danach wieder auf, und die Schäden sind geringer ausgefallen als erwartet, springen die Notierungen oftmals in die Höhe. Das Nachsehen hat in jedem Fall, wer zu früh verkauft hat.

Noch weniger Sorgen machen müssen sich Cat-Bond-Investoren über den gegenwärtigen Sturm an den Finanzmärkten: «Von der Subprime-Krise wurden Katastrophen-Bonds überhaupt nicht be-lastet», berichtet Gieger. Alles in allem waren mit Cat Bonds über die letzten fünf Jahre 5 bis 7% jährliche Rendite zum risikolosen Zinssatz hinzuzuverdienen.

Leben-Bereich als Hoffnung

Kein Wunder, wächst der ILS-Markt jährlich um 20%. Im liquiden Cat-Bond-Bereich (nicht nur Hurrikane, sondern auch Luftfahrt-, Grossbrand-, Raumfahrt- und Pandemierisiken) sind derzeit 33 Mrd Dollar angelegt. Hinzu kommen nochmals 30 Mrd Dollar in Industry Loss Warranties (US-Wind- und Erdbebenrisiken). In der Folge kämpft die Branche gar mit einem Luxusproblem: Es gibt nicht genug Cat Bonds. Dies umso mehr, als die Rückversicherer derzeit die Prämien für Katastrophenrisiken senken, um ihre Umsätze aufzubessern. In der Folge gewinnt das Leben-Segment, wo Langlebigkeits-risiken verbrieft und Lebensversicherungen weiterverkauft werden, mit einem Gewicht von 20 Mrd Dollar schnell an Bedeutung.

Privatanleger haben bisher noch kaum Zugang zu ILS: In der Schweiz gehandelt wird der Clariden Leu Cat Bond Fund sowie ein im letzten Jahr aufgelegtes Derivat mit fünfjähriger Laufzeit auf einen ILS-Basket von Credit Suisse, das Credit Suisse POINTS International (Valor der Franken-Tranche: 2874306). Horizon21 führt zwei Produkte auf ILS, nämlich H21 ILS Opportunities und H21 ILS Strategies. Die Eintrittsschwelle liegt jedoch bei 100000 Fr.