Die NYSE Euronext verkürzte an der New York Stock Exchange die Orderausführungszeit auf einen Zwanzigstel, um gegenüber der Konkurrenz, die ihr bereits Marktanteile abgejagt hat, nicht noch weiter ins Hintertreffen zu geraten. Dank eines neuen Systems werden Orders an der NYSE nun innerhalb von 5 statt 105 Millisekunden ausgeführt. Im Jahr 2007 dauerte es noch 350 Millisekunden.

Beim Hochfrequenzhandel, bei dem es um Mikrosekunden geht, ist dies ein grosser Schritt. Dennoch hinkt die NYSE Euronext der Nasdaq und den neuen elektronischen Plattformen wie BATS Exchange und Direct Edge noch hinterher. Diese sind vor allem bei Algorhythmus-affinen Investmentfirmen und Eigenhandelsgruppen wegen der raschen Ausführung und der attraktiven Preise besonders beliebt. Bei diesen Kunden wird nicht mehr von Brokern entschieden - ihre Kauf- und Verkaufsorders beruhen auf vollautomatisierten Handelsstrategien per Computer, die auch kleinste Preisdivergenzen an den Märkten nutzen.

«Für neu an den Markt gekommene Konkurrenten ist die Eintrittsbarriere niedrig, sodass sie die neuesten Technologien mitbringen können», sagte Louis Pastina, Chef der NYSE Operations.

Die NYSE Euronext hat einerseits an der Gebührenschraube gedreht, setzt aber auch auf neue Technologien. Das neue Ordersystem ersetzt die 33 Jahre alte Super-DOT-Plattform. Darüber hinaus wird ein neues Netzwerk mit geringer Latenzzeit für die Datenzentren in New York und London gebaut. Die Latenzzeit ist die Zeit, die ein Datenpaket braucht, um in einem Netzwerk transportiert zu werden.

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Ziel: Mehr Marktanteil

Durch diese Massnahmen soll die Bedeutung der NYSE Euronext im US-Aktienhandel wieder erhöht werden. Seit März 2008 ist der Marktanteil in den USA bis Juni um 21% auf nur noch 29% gefallen. CEO Duncan Niederauer nannte als Zielmarke für an der NYSE gelistete Aktien in diesem Jahr wieder 50% - was er als durchaus «aggressiv» bezeichnet.

Jede Mikrosekunde zählt

Alex Lamb, Head of Business Development bei der RTS Realtime Systems Group, sagt, dank der grösseren Schnelligkeit steige die NYSE Euronext in die Klasse der Hochfrequenzhändler auf, für die sein Unternehmen arbeitet. «Jede Mikrosekunde kann besseren Profit bedeuten», sagt Lamb. «Auf dem Weg zu einer Latenzzeit von 0 Sekunden wird das Angebot der Marktplätze wichtiger.»