Das Internet ist fest in der Hand von Google: Laut den Analysten von Merrill Lynch steigerte die Internet-Werbefirma im Dezember ihre US-Reichweite auf 58,4%, im Vorjahr waren es noch 51,7%. Yahoo, die Nummer zwei, sackte dagegen von 27,6 auf 22,9% ab und die Nummer drei, Microsoft, von 10,4 auf 9,8%.

Das spiegelte sich auch im Aktienkurs von Yahoo. Zwischen Oktober und Dezember 2007 fiel der Kurs um ein Drittel auf 24 Dollar. Erst die erste Microsoft-Übernahmeofferte hauchte der Aktie neues Leben ein und trieb den Kurs auf 30 Dollar. Damit wird Yahoo mit 41 Mrd Dollar bewertet, das entspricht dem 53-Fachen des für 2008 geschätzten Gewinns. Laut einem Bericht des «Wall Street Journal» möchte das Yahoo-Management noch mehr herausschlagen, und so hat Anfang Woche das Yahoo-Board das Microsoft-Angebot zurückgewiesen.

Aktionäre entscheiden

Letztendlich werden aber auch hier die Aktionäre das letzte Wort haben. Einer 40-Dollar-Verkaufsofferte von Yahoo steht eine informell verbreitete Aufbesserung durch Microsoft in den Bereich um 35 Dollar gegenüber. Für Microsoft würde sich der Kaufpreis dadurch um 12 Mrd Dollar erhöhen, Yahoo-Aktionäre kämen auf eine Prämie von 23% anstelle der ursprünglichen 9%.

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Microsoft kauft dafür – vorgesehen ist eine kombinierte Bar- und Aktienofferte – ein Unternehmen, das im letzten Jahr 7 Mrd Dollar umgesetzt hat. Umsatz und insbesondere die Gewinnentwicklung sind indes bei Yahoo unter Druck.

Den hohen Kosten, Antitrust-Bedenken, bestehenden Geschäftspartnerschaften mit Konfliktpotenzial sowie Überschneidungen in den wichtigen Gebieten Websuche, Werbung und Kommunikation stehen einige Vorteile gegenüber: Der Hauptkonkurrent um die Nummer-zwei-Position würde aus dem Rennen genommen, und das kombinierte Unternehmen käme auf einen kumulierten Marktanteil, den es wohl organisch nicht erreicht hätte. Denn trotz des Umsatzwachstums von 23% im letzten Jahr in der Online-Services-Business-Sparte von Microsoft blieb ein wachsender Marktanteilsverlust gegenüber Google.

Allerdings läuft auch bei der unbestrittenen Nummer eins nicht (mehr) alles rund. Die zentrale Messgrösse ist der «Umsatz pro Klick», und der wuchs im letzten Quartal lediglich um 9% (2006 waren es noch 22%). Analysten stellen sich die Frage, ob dieser Rückgang temporär durch die sich abkühlende US-Wirtschaft oder sekundär aufgrund veränderter Wettbewerbsfaktoren zu erklären ist. Die auf den ersten Blick soliden letzten Quartalszahlen – der Werbeumsatz wuchs um 52% auf 3,4 Mrd Dollar, der operative Gewinn um 41% auf 1,7 Mrd Dollar – verfehlten die noch höher gelegten Analysten- und Investorener-wartungen. Die Aktie fiel seit Weihnachten um 200 auf noch 500 Dollar. Google betonte beim Analysten-Konferenzgespräch wieder die Vorteile der Strategie, «schlechte» Werbung herauszufiltern und nur noch «gute» zu unterstützen, die in eine höhere «Klick-zu-Verkaufsrate» mündet – und für die Werbekunden auch mehr zu zahlen bereit sind.

Ob diese Rechnung in den kommenden Quartalen aufgeht, ist laut den Analysten von Morgan Stanley ungewiss. Google bleibt zwar die beste Firma im Internet-Werbeuniversum und hat auch von einem Microsoft-Yahoo-Tandem vorläufig nichts zu befürchten. Auf dem aktuellen Niveau ist Google mit dem 21-Fachen des Gewinns für 2009 bewertet.

Microsoft ist ein Schnäppchen

Microsoft kommt nach dem jüngsten Ausverkauf nach der Yahoo-Übernahme-Ankündigung auf 13 und ist damit ein Schnäppchen geworden, weil das Kerngeschäft gut läuft und auch relativ rezessionsunempfindlich ist.

Yahoo-Aktionäre sollten auf eine Angebotsaufbesserungsrunde warten und dann ihre Papiere verkaufen.