Die weltweite Vermögensverteilung ist im Umbruch. Vermögen wird über Kontinente beweglicher, die wirtschaftliche Ungleichheit nimmt zu. Eine weitere Verschiebung tektonischen Ausmasses ist der Vermögenstransfer an eine Generation, deren Anlageziele über den rein finanziellen Ertrag hinausgehen. Dies auch in der Schweiz, gemäss jüngsten Schätzungen sind nachhaltige Vermögenswerte in der Schweiz auf mehr als CHF 390 Milliarden angewachsen.

Enorme Fortschritte von Mikrofinanz
Ein wichtiger Teil des nachhaltigen Anlageuniversums ist Mikrofinanz – eine Form von Impact Investment, die bei Anlegern aufgrund ihrer geringen Korrelation mit konventionellen Anlageklassen beliebt ist und die zur Diversifikation von Portfolios beiträgt. Die Idee dazu ist nicht neu, schon im 19. Jahrhundert haben Sparvereine und Genossenschaftsbanken ärmeren Bevölkerungsteilen den Zugang zu erschwinglichen Krediten und Finanzinstrumenten ermöglicht.

Bekanntheit erlangt hat der Begriff «Mikrofinanz» in den 1970er Jahren im Zusammenhang mit den Bemühungen des späteren Friedensnobelpreisträgers Muhammad Yunus. Von bescheidenen Anfängen hat der Mikrofinanzsektor enorme Fortschritte gemacht und gezeigt, dass er effektiv zur Verbesserung der Lebensgrundlagen vieler Haushalte und Familien beiträgt. Die letzten 20 Jahre waren geprägt von einem bemerkenswerten Wachstum. Die Branche ist durch Leistungs- und Regulierungsstandards und mehr Transparenz grösser und professioneller geworden. Es wurden erhebliche Anstrengungen unternommen, Kreditnehmer stärker zu schützen und Überschuldung zu verhindern.

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Darüber hinaus haben sich in vielen Märkten Mikrofinanzinstitutionen von spenderfinanzierten Mikrokreditprojekten zu professionellen, regulierten Banken entwickelt. Impact Investment Manager stellen inzwischen nicht nur finanzielle Mittel bereit, sondern stehen auch mit technischen und fachlichen Beratungsleistungen zur Seite, um eine verantwortungsbewusste, nachhaltige und innovative Marktentwicklung voranzutreiben. Die Einbeziehung technologischer Innovationen wie digitale Zahlungsmittel haben einen weiteren Innovationsschub ausgelöst, und ermöglichen einer immer grösseren Anzahl von Haushalten dauerhaften Zugang zu erschwinglichen Finanzdienstleistungen. Seit der Gründung von BlueOrchard hat sich der Sektor weltweit stark verändert. Das 20-jährige Jubiläum unseres mit 1.7 Milliarden USD weltweit grössten unabhängigen kommerziellen Mikrofinanz-Fonds nehmen wir zum Anlass, die wichtigsten Entwicklungen hervorzuheben:

- Mikrofinanz ist Teil der gängigen Finanzdienstleistungen geworden und unterliegt in den meisten Ländern einer formellen aufsichtsrechtlichen Regulierung.

- Mikrofinanzinstitutionen, die in der Regel von Nichtregierungsorganisation geleitet werden, wandeln sich vermehrt zu gewinnorientierten Einheiten mit vielfältigeren Aktionärsstrukturen und professionellem Management.

- Die Produktpalette erweitert sich stetig, ebenso die Methodik der Kreditanalyse die es vermehrt ermöglicht, gewerbliche Finanzdienstleistungen für alle Segmente von Kleinst-, Klein- und Mittelunternehmen zu erbringen.

-Die Digitalisierung von Finanzdienstleistungen schafft enorme Chancen, Dienstleistungen zu niedrigeren Kosten zu erbringen. Es können entfernte geografische Gebiete erreicht werden, in denen der Einsatz traditioneller Filialbetriebe ansonsten unwirtschaftlich wäre.

Mikrofinanz wird ihrem Versprechen gerecht
Diese Entwicklungen sind je nach Land und Markt in unterschiedlichen Stadien und tragen zur Diversifikation von Mikroinanzfonds bei. Ebenfalls beachtenswert bleibt die über Jahrzehnte sehr niedrige Ausfallrate, die Mikrofinanzfonds auszeichnet. Dies ist einerseits eine Funktion einer sehr detaillierten und im besten Fall auf lokale Expertise aufgestützten Prüfung der Kreditnehmer, andererseits der Beweis dass Mikrofinanz in der Praxis und über längere Zeit ihren Versprechen gerecht wird.

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Eine der interessantesten Möglichkeiten
Die Entwicklung geht weiter, Mikrofinanz wird auch in Zukunft als wichtiger Pfeiler und komplementär zu weiteren Impact Investment Strategien zur Erreichung der Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (UN Sustainable Development Goals) beitragen. Das Erreichen der Entwicklungsziele wird schätzungsweise zwischen 5 und 7 Billionen US-Dollar erfordern, wobei die Investitionslücke in Schwellen- und Grenzländern geschätzte 2.5 Billionen US-Dollar jährlich beträgt. Das wirtschaftliche Potenzial zum Schliessen dieser Finanzierungslücke ist enorm, insbesondere bei nachhaltigen Anlagen in Schwellenländern. Ergänzt wird Mikrofinanz ebenfalls mit der Investition in Anleihen von Finanzinstituten aus Schwellenländern mit nachgewiesener positiver sozialer, ökologischer und finanzieller Wirkung. Dies erlaubt die Aufsetzung von Fonds mit höherer Liquidität, welche neben institutionellen Investoren auch Kleinanlegern offen stehen und damit zur Demokratisierung von Impact Investitionen beitragen. Die demografische Entwicklung und technologische Fortschritte begünstigen langfristig Schwellenländer. Aufgrund der geringen Korrelation mit konventionellen Anlageklassen bleibt Mikrofinanz eine der interessantesten Möglichkeiten, an diesem enormen Potential zu partizipieren. Gleichzeitig wird neben einer finanziellen Rendite eine positive soziale und ökologische Wirkung erzielt.

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*Philipp Müller, Blue Orchard