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Experte: Islamische Banken könnten Goldpreis treiben

Gold-Verkäufer in Mekka: Der Preis für das Edelmetall könnte steigen. Keystone

Der Preis für Gold ist in den vergangenen Wochen drastisch gesunken – nicht zuletzt wegen der US-Zinsen und der Wahl von Donald Trump. Ein Experte erklärt, wohin die Reise jetzt gehen kann.

Veröffentlicht am 01.12.2016

In der ersten Hälfte des Jahres schien Gold für Anleger auf einmal wieder interessant. Zuletzt ist der Preis jedoch wieder deutlich gesunken. Was sind die Hauptgründe?
Ned Naylor-Leyland*: Im ersten Halbjahr realisierten die Anleger, dass die Wahrscheinlichkeit stetiger Zinsanhebungen geringer sein würde als zunächst angenommen. Jetzt gehen die Märkte plötzlich davon aus, dass sich die Zinsen wieder normalisieren. Trump hat ihre Zuversicht gestärkt. Der US-Dollar wertet auf – das heisst, dass Rohstoffe und Gold in den Fokus geraten, da sie als invers zum US-Dollar wahrgenommen werden.

Was ist für die kommenden Monate zu erwarten?
Bis zum Zinsentscheid des Offenmarktausschusses (FOMC) im Dezember ist, was die Preisentwicklung betrifft, kaum mit Veränderungen zu rechnen. Am 6. Dezember wird allerdings der neue Scharia-Gold-Standard vorgestellt. Dann werden wir erfahren, welche Arten von Gold- und Silber-Anlagen «scharia-konform» für islamische Investoren sein werden. Dies schafft möglicherweise eine bedeutende neue Nachfrage nach physischem Metall seitens islamischer Finanzinstitute. Ich bezweifle, dass der Markt für Goldzertifikate vor dem Hintergrund dieser neuen Entwicklung noch länger von der physischen Realität losgelöst bleiben kann.

Welche Ereignisse könnten den Preis stark beeinflussen?
Der Zinsentscheid des FOMC sowie Äusserungen des designierten Präsidenten Trump zu den künftigen Beziehungen zur US-Notenbank Fed, möglichen Infrastrukturausgaben oder den fiskalpolitischen Plänen.

Als wichtiger Treiber für den Goldpreis gilt traditionell die Zinspolitik der US-Notenbank: Wie wird sich die Fed positionieren und welche Auswirkungen hat das auf den Preis?
Die Zinsanhebung ist eingepreist. Daher glaube ich nicht, dass dies einen erheblichen Einfluss haben wird. Eine entscheidende Rolle wird die Reaktion des Marktes auf eine Anhebung spielen. Ohnehin fungiert der US-Dollar als eine Art globaler Leitzins. Er hat deutlich aufgewertet und somit die Finanzierungsbedingungen verschärft. Daher könnte eine Zinsanhebung tatsächlich ein Problem für die US-Dollar-Kreditmärkte darstellen – insbesondere für den Nicht-US-Eurodollarmarkt, der seit 2008 enorm gewachsen ist.

Welche Auswirkungen wird die US-Zinspolitik auf andere Rohstoffe haben?
Auch hier glaube ich, dass das Ergebnis mehr mit einer Reaktion der breiteren Märkte zu tun haben wird als mit einer Zinsanhebung an und für sich. Wenn der Markt positiv auf eine Anhebung reagiert, könnten Industrierohstoffe weiter ansteigen. Es scheint aber wahrscheinlicher, dass der Markt auf weitere restriktive Massnahmen, die über das hinaus gehen, was wir bereits im Hinblick auf Stärke des US-Dollars beobachten, negativ reagieren würde. Dies könnte zu einer Auflösung der Transaktionen führen, die seit der Wahl von Donald Trump erfolgreich verlaufen. Kurz gesagt, könnten andere Rohstoffe einen Ausverkauf verzeichnen, während monetäre Metalle wie Gold und Silber nach oben tendieren.

(moh)

* Ned Naylor-Leyland ist Manager des Gold & Silver Fund bei Old Mutual Global Investors.

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