Seit der amerikanische Staat Lehman Brothers fallen gelassen hat, sind staatliche Rettungsaktionen oder Notübernahmen schon fast an der Tagesordnung. Am Markt besteht die Sorge, wen es als Nächsten treffen wird. An den Aktienmärkten kommen Abwärtsspiralen in Gang, die weitere Institute in Bedrängnis bringen. Die Aktienkurse im Bankensektor würden von Angst und Misstrauen bewegt anstelle von rationalen Argumenten, kommentiert Sarasin-Bankanalyst Rainer Skierka.

Am meisten verlieren die Aktien jener Banken mit einer schwachen Kapitalausstattung und einer grossen Zahl an problematischen Assets in den Büchern. Dirk Becker, Analyst von Landsbanki Kepler, richtet sein Augenmerk denn auch vor allem auf die Aktienkurse der Banken: «Solange die Kurse der Finanzinstitute weiter fallen, bleibt es gefährlich.» Banken, die von den Investoren als «Problemfälle» wahrgenommen werden, können auf diese Weise zu Fall gebracht werden, auch wenn sie gar keine Liquiditätsschwierigkeiten haben. Deshalb sei es am allerwichtigsten, dass bald wieder Vertrauen ins Finanzsystem zurückkomme und sich die Aktienkurse stabilisierten.

Banken vertrauen einander nicht

Einen Tag, nachdem der Rettungsplan im Repräsentantenhaus überraschenderweise abblitzte, ist dies der Fall gewesen. Das Misstrauen der Banken untereinander ist aber nach wie vor sehr gross. Seit Ausbruch der Subprime-Krise vor rund 14 Monaten ist das verlorene Vertrauen nicht mehr richtig in den Interbankenmarkt zurückgekehrt.

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«Solange die Banken einander nicht vertrauen, sollten dies auch die Anleger nicht tun», sagt deshalb Becker von Landsbanki Kepler. Er empfiehlt die beiden Grossbankenaktien zum Verkauf. Optimistischer ist dagegen Javier Lodeiro, Analyst bei Sal. Oppenheim, der die UBS-Aktie kürzlich auf «Kaufen» hochgestuft hat. Die UBS habe von den europäischen Banken am deutlichsten unter der Finanzkrise gelitten und dürfte deshalb am meisten von einer Erholung profitieren.

Die Aktienkurse der Banken notieren nach den jüngsten Turbulenzen bereits auf sehr tiefen Niveaus. Dennoch scheint die Talsohle noch nicht erreicht. Denn die Probleme an den Finanzmärkten sind mittlerweile zu einer Systemkrise ausgewachsen. In früheren derartigen Krisen haben die Finanzinstitute jeweils einen Grossteil ihres Eigenkapitals und mehr als 50% des Börsenwerts verloren. Deshalb können auch jetzt weitere grössere Kursrückgänge nicht ausgeschlossen werden. Die Systemkrisen in der Vergangenheit hatten einen Rückgang des Kurs-/Buchwerts auf unter 0,5 zur Folge. Vergleicht man diese Tiefstwerte mit den aktuellen Zahlen, besteht noch Spielraum nach unten (siehe Grafik).

Auch der Blick auf die tiefen Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) der beiden Grossbanken ist verlockend. Für die UBS liegt das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2009 bei 6,0, für die Credit Suisse bei 7,0. Doch die Erwartungen der Analysten scheinen nach wie vor zu optimistisch. «Die Gewinnschätzungen werden weiter fallen», ist Andreas Venditti, Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB), überzeugt.

Besonders nach den jüngsten Umwälzungen hat sich der mittelfristige Ausblick für den Bankensektor eingetrübt. «Es kommt zu einer starken operativen Verlangsamung.» Damit lassen sich die Kursniveaus, die vor der Finanzkrise noch erreicht wurden, bei weitem nicht mehr rechtfertigen.

Auf der Suche nach Gewinnern

Im Vergleich zur UBS ist die Aktie der Credit Suisse viel geringeren Schwankungen unterworfen und hat sich seit Jahresbeginn besser gehalten. «Die Credit Suisse zählt sowohl im Investment Banking als auch im Private Banking zu den Profiteuren der Finanzkrise», begründet Venditti von der ZKB. Die Analysten von Clariden Leu haben noch andere Gewinner mit einer starken Eigenkapitalbasis, geringem Abschreibungsbedarf und stabilen Ertragsquellen identifiziert. Gut kapitalisierten Instituten wie der Banco Santander, BNP Paribas oder Unicredit eröffne das aktuelle Umfeld neue Chancen, um Marktanteile zu gewinnen.