Vergangene Woche herrschte bei der UBS für kurze Zeit Feierlaune. Die Quartalsergebnisse sahen nicht mehr so katastrophal aus wie noch vor wenigen Monaten. Der Abfluss von Kundengeldern konnte gar gestoppt werden.

Doch der Weg ins Profitparadies ist noch weit. Um ihre ehrgeizigen Gewinnziele bis 2015 zu erreichen, braucht die grösste Bank der Schweiz vor allem mehr Geschäft - nachdem sie in den Krisenjahren in praktisch allen Konzernsparten massiv Marktanteile eingebüsst hatte.

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Um möglichst viele Deals und Transaktionen an Land zu ziehen, verfolgt die UBS seit geraumer Zeit eine Art M-Budget-Tiefpreisstrategie, berichten Insider. «Im Allgemeinen sehen wir dieses Verhalten eher bei kleineren Konkurrenten. Allerdings nur vereinzelt bei gewissen potenziellen Transaktionen - meistens ohne Erfolg», erklärt Marco Illy, Chef Investment Banking Schweiz bei der Erzrivalin Credit Suisse. Manche Branchenkenner sprechen gar von einem Aktionismus, der sich durch praktisch alle Geschäftsfelder der UBS ziehe.

Offenbar kommt die Grossbank ihrer Klientel in der Preisgestaltung spürbar entgegen. Sobald es einen Kontakt mit einem potenziellen Kunden gebe, würden sich manche UBS-Berater sehr kulant erweisen, um an neue Geschäfte zu kommen, erklärt Pierin Vincenz, oberster Chef der Raiffeisengruppe. So erlässt man im Privatkundengeschäft den Kunden manche Gebühren und Courtagen oder nimmt bei der Vergabe von Hypotheken tiefere Margen in Kauf. Werner Egli, Gründer der Hypothekenbörse Uster, sieht noch einen anderen Trend: «Generell stellen wir fest, dass die Bereitschaft besteht, zu hohe Kaufpreise zu finanzieren.»

Im Investment Banking bemüht sich die UBS nun auch um kleinere Transaktionen, die sie früher der Konkurrenz überlassen hätte. Ein Beispiel dafür ist die kürzliche Kapitalerhöhung des Bau- und Hotelkonzerns Orascom, bei der die Grossbank mit dem Schlüsselsymbol - erfolgreich - eine Tranche von 30 Millionen Franken ergatterte. Aktiv ist die UBS überdies im Geschäft mit institutionellen Anlegern, namentlich mit Pensionskassen. Bei der Vergabe von Mandaten für die Verwaltung von Vorsorgegeldern stammten die tiefsten Offerten regelmässig von der UBS, heisst es von Konkurrenten.

Neugeschäft um jeden Preis, das mag wie eine Flucht nach vorn erscheinen. Letztlich ist es die einzig mögliche Option, eine prosperierende UBS hinzukriegen, die in wenigen Jahren höhere Gewinne denn je abwerfen soll. Oder wie es Martin Koch, Analyst von der Sankt-Galler Privatbank Wegelin, diplomatisch formuliert: «Die hochfliegenden Pläne und Prognosen können mit einem defensiven Geschäftsmodell offensichtlich nicht erreicht werden.»