Der Übernahmekampf um den britischen Süsswarenkonzern Cadbury geht in die zweite Runde. Der amerikanische Lebensmittelriese Kraft Foods greife jetzt zu einer feindlichen Offerte, so die jüngsten Gerüchte. Das Gebot könnte dabei um bis zu 14% auf 850 Pence je Cadbury-Aktie steigen, berichtete die Zeitung «The Observer».

Bereits vor drei Wochen hatte Kraft Foods angekündigt, Cadbury für 745 Pence je Aktie (10,2 Mrd Pfund) kaufen zu wollen. Cadbury war dies jedoch zu wenig: Cadbury-Chef Todd Stitzer halte einen Preis von 12,2 Mrd Pfund für angemessen, hiess es zuletzt. Die Valoren von Cadbury waren nach der Kraft-Offerte bereits über 800 Pence geklettert und lagen damit über dem von Kraft gebotenen Preis. Unterdessen brodelt die Gerüchteküche um weitere Interessenten an Cadbury. So soll auch der US-Schokoladenhersteller Hershey Appetit auf den britischen Konkurrenten haben. «Sollte Hershey versuchen, Cadbury zu kaufen, wäre dies ein klarer Negativfaktor für den Kaufinteressenten», so Olivier P. Müller, Analyst bei der Credit Suisse.

Cadbury ist deutlich grösser als Hershey. Um eine Transaktion in dieser Grössenordnung zu finanzieren, müsste die Firma so viele Aktien und Anleihen ausgeben, dass die vorhandenen Aktien erheblich verwässert würden.

Anleger reiten auf Welle

Als Weisser Ritter wird auch der Foodriese Nestlé gehandelt. Nestlé könnte sich eine solche Übernahme problemlos leisten. Der Schweizer Konzern betonte aber mehrmals, man sei an einer grösseren Akquisition nicht interessiert und konzentriere sich auf organisches Wachstum. Zwar könnte Nestlé durch die Cadbury-Transaktion in den attraktiven Kaugummimarkt einsteigen und sich damit den weltweit ersten Platz im Kaugummisegment (noch vor Mars/Wrigley) sichern. Allerdings fokussiert sich der Foodkonzern mit Sitz in Vevey eher auf das Ernährungs- und Gesundheitssegment. Vontobel-Analyst René Weber nennt weitere Gründe, warum Nestlé kein Angebot für Cadbury abgeben dürfte. «Die Strategie von Nestlé ist nicht auf Süsswaren ausgerichtet, und Kartellfragen würden eine derartige Übernahme verhindern», sagt der Analyst.

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Für Anleger bietet die anrollende Übernahmewelle im Nahrungsmittelsektor interessante Gelegenheiten. Bis der Übernahmekampf um Cadbury entschieden ist, dürften noch einige Wochen vergehen - für Spekulanten genügend Zeit, sich zu positionieren.

Metro und Wal-Mart als Kauf

Wem Investments auf Übernahmespekulationen hin zu riskant sind, kann sich auf erfolgversprechende Leckerbissen im Sektor konzentrieren. Dabei ist derzeit eine selektive Vorgehensweise empfehlenswert: In der Erholung halten sich zyklische Aktien jeweils besser als defensive Werte.

«Wir ziehen Unternehmen vor, deren Umsätze zu einem hohen Anteil ausserhalb von Lebensmitteln erzielt werden, denn dort besteht grösseres Erholungspotenzial», sagt Pascal Rohner, Analyst bei der Credit Suisse. Zum Kauf empfohlen werden etwa der US-Einzelhändler Wal-Mart oder die deutsche Konkurrentin Metro. Bei Wal-Mart könnte sich die Preisführerschaft als Vorteil erweisen. Metro kommt das hohe Engagement in Nicht-Basiskonsumgüter zugute.

 

 


Aryzta verkauft weniger Backwaren, steigert jedoch die Margen deutlich

Das Geschäft mit Backwaren scheint weniger krisenresistent als erwartet. So verzeichnete Aryzta, das 2008 aus der Fusion der irischen IAWA und der Schweizer Gipfeli-Produzentin Hiestand hervorgegangene Unternehmen, im Geschäftsjahr 2008/09 zwar einen um 2,5% höheren Umsatz. Bereinigt um Akquisitionen resultiert jedoch ein Minus von 3%. Unerwartet schwach zeigte sich der Geschäftsbereich Backwaren: Das organische Wachstum verlangsamte sich auf 1,9%. Insbesondere in Europa verkaufte Aryzta weniger Produkte. Erstaunlich gut geschlagen hat sich mit einem zweistelligen organischen Wachstum von 12,5% Nordamerika.

Deutlich besser als die Umsätze entwickelten sich jedoch die Erträge der Backwaren-Produzentin. Die Margenverbesserung im Bäckereibereich steigerte sich um 140 Basispunkte auf 12%. «Der unerwartet starke Margenzuwachs ist hauptsächlich auf operative Effizienzsteigerungen in der neuen Bäckerei in Grangecastle zurückzuführen», so Vontobel-Analyst René Weber.

Aryzta gibt keine Prognosen für das Geschäftsjahr 2009/10 ab. Der Umsatz im neuen Geschäftsjahr liege bisher jedoch deutlich unter dem Vorjahr und der Trend habe sich noch nicht verbessert. Die Valoren der Gipfeli-Produzentin gingen nach Publikation der Zahlen 1,6% höher aus dem Handel. Die Aktien sind seit Anfang März bereits um rund 65% geklettert. Ein Einstieg drängt sich nicht auf.(maj)