Gegessen wird immer», heisst es häufig im Zusammenhang mit den Food-Unternehmen. Nahrungsmittelaktien gelten denn auch als besonders krisenresistent. Doch offensichtlich sind die Schweizer Food-Aktien nicht gegen negative Auswirkungen der Finanzkrise gefeit. Seit Jahresbeginn haben etwa die Aktien des Milchverarbeiters Emmi einen Drittel an Wert verloren, der Wurstproduzent Bell hat 35% eingebüsst, und auch die Edelchocolatiers Lindt & Sprüngli sind mit Abgaben von 27% seit Januar eingebrochen. Besser schlug sich der Schokoladenproduzent Barry Callebaut mit minus 16%. Der Swiss Performance Index (SPI) bröckelte dieses Jahr um 31%.

Kleinere sind zyklischer

Eine Erklärung dafür, dass die Food-Aktien – trotz des defensiven Geschäftsmodells – stärker oder gleich stark wie der Swiss Performance Index (SPI) einbrachen, hat Patrik Schwendimann, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB): Den Small- und Mid-Cap-Effekt. Zwar wachsen die kleineren Gesellschaften in guten Wirtschaftszeiten oft schneller als grössere, erfahren aber in Krisen stärkere Bewertungskorrekturen.

Deutlich massiver als der SPI sind die Titel des Tiefkühlbackwaren-Herstellers Aryzta eingebrochen. Das Unternehmen ist im August aus der Fusion von Hiestand und IAWS hervorgegangen und hat seither satte 48% an Wert verloren. Die Zahlen des 1. Quartals überraschten jedoch positiv. Nach Publikation folgten Kursgewinne bis zu 7,5%. Der Gruppenumsatz kletterte um 31,8%, davon 8,4% organisch. Besonders erfreulich fiel das organische Wachstum in Nordamerika mit 15,1% aus. «Aryzta hat bewiesen, dass trotz schwierigem Umfeld 2009 Wachstum möglich ist, was wieder Vertrauen in die arg gebeutelte Aktie bringen wird», so Schwendimann. Er erhöhte darauf seine Schätzungen für den Gewinn pro Aktie für 2009 und 2010 um 1,5% und 2,9%. Das Kurs-Ge- winn-Verhältnis (KGV) für 2009 wird auf 10,2 geschätzt – womit der Gipfelbäcker unter dem Durchschnitt des Gesamtmarktes liegt. Der Vontobel-Analyst Yann Gindraux hält den Einstiegszeitpunkt für mittel- bis langfristig denkende Investoren für günstig. Auch die Währungssituation hilft Aryzta. Da die Firma in Euro rapportiert, profitiert sie vom stärkeren Dollar und Franken. Negativ wird sich hingegen der schwache Euro auf Barry Callebaut auswirken: Der Schokoladenhersteller rechnet in Franken, über zwei Drittel des Umsatzes werden jedoch im Euro-Raum erwirtschaftet. Positive Effekte auf alle Food-Aktien wird hingegen der Rückgang der Rohstoffpreise haben. Schwendimann rechnet 2009 mit einer höheren Bruttogewinnmarge im Sektor. «Dies dürfte das erwartete Nachlassen der Wachstumsdynamik zumindest teilweise kompensieren», so der ZKB-Analyst. Gleichzeitig vom günstigeren Kakaopreis und vom tieferen Milchpreis profitiert z.B. Barry Callebaut. Bis 2010/11 will die Firma ihr Volumen um 9 bis 11% jährlich steigern. «Barry Callebaut verkörpert eine überzeugende Wachstumsgeschichte in der defensiven Schokoladenbranche», so der Sarasin-Analyst Patrick Hasen- böhler.

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Wurstproduzent auf Brautschau

Auf Einkaufstour befindet sich derzeit Bell, der Schweizer Branchenleader im Fleischmarkt. Jüngster Coup ist die Übernahme des deutschen Schinkenproduzenten Abraham. Dieses Jahr hat Bell bereits die französische Polette und die deutsche Zimbo übernommen. «Mit den Akquisitionen hat sich das Wachstumspotenzial erhöht, dafür ist die Visibilität geringer und das Risiko entsprechend höher», so der Sarasin-Analyst. Die meisten Analysten raten, die Aktien zu halten.