Der Börsenguru aus Demopolis im US-Bundesstaat Alabama tourt gerne um die Welt sei es mit dem Motorrad auf Weltrekordfahrt, sei es im Flugzeug, wo er sich bequem auf seine Rollen als TV-Moderator, Kolumnist und Kommentator vorbereiten kann.

Doch nicht nur distanzmässig hat es der 66-jährige James Beeland Rogers weit gebracht, seit er als Fünfjähriger in seinem ersten Job noch Flaschen vom Baseballplatz sammelte. Schon 1970 wurde er zur Legende, als er mit George Soros den Quantum Hedge Fonds gründete und dessen Vermögen innert zehn Jahren um 4200% steigerte.

Hinter dem enormen Gewinn steht die Entwicklung der Rohstoffpreise, damals wie heute Rogers Spezialgebiet: Er ist einer der Anhänger des «Superzyklus»: Der Idee, dass wir uns in einer langjährigen Rohstoffhausse befinden, die das Auf und Ab der Konjunktur überdauert. Deshalb erstaunt es auch nicht, dass sich Rogers nach. den schweren Verlusten 2008 kein bisschen pessimistisch gibt. «Ich habe alle Rohstoffe gekauft, Metalle, Agrarrohstoffe, einfach alle», sagt Rogers im Gespräch mit der «Handelszeitung».

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Rohstoffe fundamental attraktiv

Seine Investmentstrategie ist einfach: «Eine Möglichkeit, um in solchen Perioden Geld zu verdienen, ist, dass man diejenigen Dinge findet, deren fundamentale Kennzahlen nicht erschüttert oder gar gestärkt wurden.» Und bleibt das Beispiel nicht schuldig: «Die Bauern können nicht ernten, ohne dass sie Dünger kaufen. Mineure können nicht schürfen, ohne in die Minen zu investieren.»

Zudem hätten sich die Fundamentaldaten für Rohstoffe durch die jüngsten Ereignisse noch verbessert, so Rogers. Denn Minen etwa produzieren bei den jetzigen Rohstoffkosten mit Verlust. Daher werden gemäss Rogers sicher keine neuen Minen in Betrieb genommen. Mit der Folge, dass beim nächsten Aufschwung die Kapazitäten schnell wieder knapp würden. Die Reserven und das Angebot an Rohstoffen würden damit durchs Band sinken und der Preis für Rohstoffe folglich als erster wieder steigen.

Doch wann ist dieser Zeitpunkt der Erholung gekommen? «Vielleicht in fünf Jahren. Wenn die Verkäufe aber einen Höhepunkt erreicht haben, dann kaufe ich Rohstoffe, inklusive Öl, für mehrere Jahre.» Fest steht in jedem Fall, dass der fundamentale Druck steige und die Fundamentaldaten beim Öl positiv seien. «Auch wenn die Nachfrage nach Öl um 3% sinkt, werden die Reserven jährlich um 6,7% noch schneller schwinden», rechnet Rogers vor. Die Nachfrage anderer Rohstoffe sind jedoch von einzelnen Industrien abhängig. So hält Rogers Platinanteile in seinem Index vergleichsweise tief, weil diese in zu engem Zusammenhang mit dem zurzeit sehr volatilen Automobilsektor (Katalysatoren) stehen. In Agrikulturrohstoffe und Gold investiert er jedoch sowohl bei fallender als auch steigender Tendenz an den Märkten.

Die Zukunft gehört China

Neben Rohstoffen verfolgt Rogers auch noch ein anderes Anlagethema: Asien. Und das auch ganz persönlich.

Im Dezember 2007 tauschte er New York Citys Hochhäuser gegen die Insellandschaft Singapurs. Als erklärter Feind von Staatseingriffen und hartnäckiger Kämpfer für die Privatwirtschaft fühlt er sich in der «Löwenstadt» wohl, deren Volkswirtschaft im weltweiten Vergleich stark dereguliert ist. Daneben hat es Rogers China angetan; er ist überzeugt, dass Chinas Wirtschaft in den nächsten Jahren den Rest der Welt überholen werde.

So sehr er von der wirtschaftlichen Triebkraft Asiens begeistert ist, so sehr ärgert Rogers sich über seine alte Heimat, die USA. Die Vereinigten Staaten seien ausser Kontrolle, liess er sich schon gegenüber der Presse vernehmen alleine die Staatsverschuldung steige alle 15 Monate um eine Trillion Dollar. Kein gutes Haar lässt er auch an Ben Bernanke, Alan Greenspan, der Federal Reserve und den Zentralbanken allgemein.

Für viele der Probleme gibt er Staatsinterventionen Schuld, die schon dem Hedge-Fonds LTCM geholfen haben. Rogers hat deshalb auch als Familienvater bereits die entsprechenden Konsequenzen gezogen: Seine kleine Tochter besitzt ein Bankkonto in der Schweiz und erhält von einem Privatlehrer Chinesisch-Lektionen.