Der Investor Day des Orthopädie-Konzerns Synthes vom 10. Dezember dürfte dieses Jahr auf besonders grosses Interesse stossen. Der Anlass findet nämlich erstmals am Hauptsitz der AO Stiftung in Davos statt. Die AO Stiftung ist eine medizinisch ausgerichtete, von Fachärzten geführte Organisation, die seit Jahren eng mit Synthes zusammenarbeitet. «Die Kooperation mit der AO Stiftung ist vor allem langfristig sehr wichtig für Synthes, der Aktienkurs auf Tagesbasis wird davon kaum beeinflusst», sagt der Vontobel-Analyst Christoph Gubler. «Orientiert wird wohl über Forschung und Entwicklung und es wird voraussichtlich auch eine Besichtigung des Zentrums auf dem Programm stehen», so Gubler.

Produktrückrufe sind alltäglich

Synthes sorgte neulich durch einen Produktrückruf für Aufsehen. Synthes hatte nach Meldungen von unerwünschten Wirkungen des Produkts «Synex II» für die Wirbelsäulenbehandlung das Implantat vom Markt genommen. Die US-Gesundheitsbehörde stufte dies als «Class I Recall» ein, was bedeutet, dass das Produkt eine unmittelbare Gesundheitsgefahr für den Patienten darstellen kann. Trotz der damit verbundenen negativen Berichterstattung: Produktrückrufe gehören zum Alltag von Medizinaltechnologieunternehmen. «Der Umsatz von Synthes wird dadurch nur sehr gering beeinträchtigt», so Gubler.

Ein weiteres Traktandum des Investors Day wird aller Voraussicht nach auch die US-Gesundheitsreform sein. Investoren befürchten nämlich, dass Medizinaltechnologiefirmen durch jährliche Sonderabgaben finanziell stark belastet werden. Dies dürfte ein Grund dafür sein, dass der Aktienkurs von Synthes dieses Jahr kaum vom Fleck gekommen ist. Lediglich 1,6% haben die Valoren des amerikanisch-schweizerischen Konzerns dieses Jahr gewonnen. Damit ist die Bewertung - Vontobel schätzt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2010 auf 15,6 - zwar attraktiv. Dennoch bleiben die meisten Analysten zurückhaltend und empfehlen den Titel zu «halten».

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Umsatztreibende Innovationen

Anders sieht die Situation bei Sonova aus: Die Aktien des Hörgeräteherstellers mit Sitz in Stäfa haben seit Jahresbeginn über 90% zugelegt. Jüngst hat Sonova mit seinen Halbjahreszahlen 2009/10 alle Erwartungen übertroffen: «Das Unternehmen ist in einer beneidenswerten Verfassung und dynamisch unterwegs», berichtet ZKB-Analystin Sibylle Bischofberger. Der Umsatz steigerte sich in Lokalwährungen um 21,8%. Organisch wuchs Sonova 17,5%, Übernahmen trugen 4,3% zum Wachstum bei. «Eindrücklich ist, dass im 1. Halbjahr rund zwei Drittel der Umsätze mit Produkten generiert wurden, die vor weniger als einem Jahr lanciert worden waren», so Bischofberger weiter. Ein Beweis für den Erfolg von Sonova mit Neulancierungen und die Bedeutung von stetigen Innovationen.

Jüngst machten Gerüchte über den Verkauf der Hörgerätesparte von Siemens die Runde. «Für Sonova wirken sich die Diskussionen um den Verkauf positiv aus, weil der Mitbewerber Siemens dadurch geschwächt wird», sagt Gubler. Sonova ist in den letzten Jahren stärker gewachsen als der Markt. Das ging auf Kosten der Konkurrenz: «Wir gehen davon aus, dass auch Siemens wegen geringerer Investitionen Marktanteile verloren hat», so Gubler. Für Sonova ist der Kauf der Siemens-Hörgerätesparte aus wettbewerbsrechtlichen Gründen wenig wahrscheinlich, Gleiches gilt für Demant. Sollte es zu einem Verkauf kommen, wird ein externer Käufer aber kaum den Markt rasch erobern können. Im Gespräch für mögliche Interessenten sind die Private-Equity-Unternehmen KKR und BC Partners.

Ist die Luft bald draussen?

Obwohl das Geschäft von Sonova nach wie vor gut läuft, dürften nach den starken Kursavancen dieses Jahr keine gewaltigen Sprünge mehr zu erwarten sein. Generell stehen die Zeichen für die Medtech-Branche auf Grün: Die Menschen werden immer älter und die Marktdurchdringung der Produkte ist vielerorts immer noch relativ klein.