Mit der Schuldenkrise steigt der Spardruck auch bei den Anbietern von Gesundheitsdienstleistungen. Stehen neue Verhandlungen an, ist es zum Beispiel kaum möglich, Preiserhöhungen durchzusetzen.

Doch auch in diesem rauen Umfeld gibt es Gewinner. Dazu gehören etwa Privatkliniken wie die deutsche Rhön-Klinikum. «Das Unternehmen setzt auf die Industrialisierung im Gesundheitsmarkt», erklärt Oliver Kubli, Portfolio Manager beim Vermögensverwalter Adamant Biomedical Investments. Derzeit kauft die Gruppe Kliniken, die wegen des Kostendrucks privatisiert werden müssen, optimiert deren Abläufe und Strukturen und investiert in neue Technologien. «Durch den verstärkten Privatisierungsdruck gehört Rhön zu den Profiteuren der Krise», so Kubli. Dieses Geschäftsmodell sei zwar nicht auf schnelle Gewinne aus, doch zeichnet sich durch die konstant steigenden Volumina, die wiederum durch die älter werdende Gesellschaft unterstützt werden, ein kontinuierliches und langfristiges Wachstum ab.

Medi-Clinic setzt auf Reiche

Ein anderes Modell, um trotz Spardruck im Gesundheitswesen erfolgreich zu arbeiten, ist die Ausrichtung auf besonders vermögende Kunden. Eine solche Strategie forciert die südafrikanische Medi-Clinic, zu der die Schweizer Hirslanden-Gruppe gehört. «Zwar sind die Titel nicht allzu liquide, doch das Investment ist spannend», ist Kubli überzeugt. Die Firma sei dabei, sich aus dem Heimmarkt in Südafrika zu lösen, und konzentriere sich als Rosinenpicker auf eine High-End-Klientel. Diese lässt sich ihre Gesundheit etwas kosten und bezahlt die Klinikrechnung aus dem eigenen Vermögen. Wer solche Kunden zu seinen Patienten zählen darf, ist vom Spardruck im Gesundheitswesen nur am Rande betroffen.

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Wie Medi-Clinic versucht auch die einzige börsenkotierte Schweizer Klinikgruppe, die Genolier Swiss Medical Network, sich auf wohlhabende Patienten zu fokussieren. Über den Kauf der Zürcher Privatklinik Bethanien hat das Unternehmen einen ersten Schritt in diese Richtung getätigt. Mit Angeboten wie Suiten, Limousinenservice oder Dolmetscherdienstleistungen peilen die Westschweizer klar die wohlbetuchte, internationale Klientel an. «Das Modell ist zwar zukunftsträchtig, die Aktie ist als Investment aber sehr illiquide», so Kubli.Die spannendsten Klinik-Investments finden sich ohnehin nicht in Europa, sondern vielmehr in Asien. Dort ist der Gesundheitsmarkt noch wenig reguliert, was den Anbietern höhere Margen ermöglicht. Hinzu kommt, dass sich zahlreiche Firmen, insbesondere in Indien, Thailand oder Singapur, auf den sogenannten Medizinal-Tourismus ausgerichtet haben. Sie zielen auf die lokale Kundschaft, ziehen aber auch Patienten aus der Region und gar solche aus den fernen USA an. Im Fokus ihrer Aktivitäten stehen ebenfalls die vermögenden Personen. Die thailändischen Kliniken konnten sich so einen guten Ruf in der plastischen Chirurgie erarbeiten. «Aufgrund der politischen Unruhen hat dieses Geschäft gelitten. Allerdings dürfte es sich schnell wieder normalisieren, sobald sich die Lage beruhigt hat», schätzt Kubli.

Als besonders interessante Anlage in Asien gilt Parkway Holding in Singapur, um die derzeit gar ein Übernahmekampf zwischen dem malaysischen Staatsfonds und der indischen Fortis-Gruppe läuft. «Wegen der hohen Prämie, welche die Malaysier für Parkway offeriert haben, ist der Titel mittlerweile aber stattlich bewertet», erklärt Kubli. Alternativ kämen die indischen Klinikgruppen Fortis oder Apollo in Frage.