Die Rezession wird für die Nahrungsmittelhersteller dieses Jahr zur Herausforderung. Während 2007 und 2008 die hohen Rohstoffpreise noch Preiserhöhungen ermöglichten, rechnen die Firmen dieses Jahr mit tieferen Produktpreisen, weil Konsumenten vermehrt günstigere Produkte berücksichtigen. Laut Olivier P. Müller, Analyst bei der Credit Suisse, fällt damit der Vorteil der tieferen Rohstoff- preise zumindest teilweise wieder weg.

LOréal-Beteiligung interessiert

Dennoch: Nestlé ist gut aufgestellt, um die Krise zu meistern. Starke Marken mit hohem Wiedererkennungswert, eine solide Bilanz und gute geografische Diversifizierung gehören zu den Trümpfen der Firma mit Sitz in Vevey. «Allfällige erneute Kursschwächen sollten zum Positionsaufbau genutzt werden», empfehlen die Analysten der Bank Wegelin.

Erste Angaben zum Verlauf des neuen Jahres liegen schon bald vor: Am 22. April präsentiert Nestlé ihre Umsatzzahlen des 1. Quartals. Patrik Schwendimann, Analyst der Zürcher Kantonalbank, geht davon aus, dass Nestlé die Markterwartungen übertreffen wird. Denn diese sind nicht hoch: 3,7% organisches Umsatzwachstum, so die Konsensschätzungen.

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Der Blick auf die Aktie zeigt, dass es Nestlé auch dieses Jahr wieder gelungen ist, ihre defensiven Qualitäten auszuspielen. 5% haben die Nestlé-Titel seit Anfang Januar an Wert eingebüsst, doch massiver sind die Rückgänge bei der Konkurrenz: Die französische Danone hat 13,4% weniger Wert und die britische Unilever-Aktie ist gar um 18% gesunken.

Das Interesse der Nestlé-Aktionäre gilt derzeit vor allem der Beteiligung an L’Oréal. Ende April läuft eine 2004 getroffene Vereinbarung zwischen Nestlé und der Familie Bettencourt aus. Gemäss dieser dürfen beide Parteien, die jeweils Anteile von rund 30% an L’Oréal halten, ihr Paket nicht veräussern. Der Nahrungsmittelmulti lässt sich zu seinen Plänen nicht in die Karten blicken.

Man wollte auch nach dem 29. April 2009 die Interessen in Bezug auf L’Oréal gemeinsam mit der Familie Bettencourt verfolgen, sagte eine Sprecherin jüngst. Seit längerem wird darüber spekuliert, dass Nestlé ihre Beteiligung an L’Oréal aufstocken werde. Auch durch den Verkauf von Alcon an Novartis ist die Kasse von Nestlé gut gefüllt.

Barry Callebaut: Ambitiöse Ziele

Jüngst hat der Schokoladenproduzent Barry Callebaut seine 1.-Halbjahres-Zahlen für das Geschäftsjahr 2008/09 offengelegt. Die Verkaufszahlen fielen eher unter den Erwartungen aus, während die Gewinne positiv überraschten. Weil der globale Schokoladenmarkt schrumpft, sind die Herausforderungen an das Unternehmen gross. Dennoch rechnet der Konzern mit einem Volumenwachstum von 2 bis 4% für das Gesamtjahr.

Der Abgang des bisherigen Konzernchefs Patrick de Maeseneire wird von Marktteilnehmern bedauert. Sein Nachfolger wird Jürgen Steinemann, der zuvor als COO von Nutreco Agriculture tätig war. Die meisten Analysten empfehlen, die Aktie vorerst zu halten.