Strukturierte Produkte auf Aktien und Aktienindizes haben die vergangenen Monate nicht unbeschadet überstanden. Insbesondere Barrier Reverse Convertibles stehen des Öfteren zu Unrecht im Kreuzfeuer der Kritik.

Dies, weil vielfach vergessen wird, dass der Investor bei einer Direktanlage in die zugrunde liegenden Basiswerte meist noch schlechter gefahren wäre. Denn als Kompensation für das eingegangene Risiko erhält der Anleger bei diesen Strukturen jeweils hohe periodische Coupons, welche bei einem direkten Investment nicht anfallen.

Es bietet sich gerade in der jetzigen Marktlage eine gute Möglichkeit, sogenannt «Not leidende» Positionen, welche in vielen Fällen bei rund 50% des Anfangswertes notieren, durch eine Restrukturierung wieder neu auszurichten.

Chance auf 100 Prozent zurück

Sind die Barrieren eines Barrier Reverse Convertibles durchbrochen worden, bedeutet dies, dass der ursprünglich vorhandene, bedingte Kapitalschutz des Produktes keine Gültigkeit mehr hat. Der Investor ist damit bei Verfall dem Risiko des am schlechtesten performenden Basiswertes (Worst-of) ausgesetzt.

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Aus heutiger Betrachtung mag es vielen Investoren als sehr unwahrscheinlich erscheinen, jemals wieder 100% des ursprünglichen Investments zurückzuerhalten. Erwartet der Anleger jedoch eine Erholung der Märkte, lässt sich die Transaktion dahingehend restrukturieren, dass er die Chance hat, 100% des ursprünglichen Kapitals zurückzuerhalten, falls alle Basiswerte am Ende der Laufzeit über dem heutigen Kursniveau notieren. Dies wird erreicht, indem die Barriere neu auf 100% des heutigen Niveaus festgelegt wird. Des Weiteren wird die Observation der Barriere von permanenter Beobachtung (american style) zum Vorteil des Investors auf eine Beobachtung einzig am Endverfall (european style) angepasst.

Die meisten Emittenten nennen diese Produkte deshalb auch «Last Look» Barrier Reverse Convertibles. Weitere kurzfristige Kursrückschläge haben somit keinen Einfluss mehr auf die Barriere, da diese nur am Endverfall betrachtet wird. Bedingung für die Auszahlung des vollständigen, ursprünglich eingesetzten Kapitals ist einzig, dass alle zugrunde liegenden Basiswerte am Verfall über 100% des heutigen Niveaus notieren. Sollte einer der Basiswerte am Verfall entgegen der Erwartung des Investors unterhalb dieses Niveaus schliessen, sieht sich der Investor dem gleichen Risiko ausgesetzt wie vor der Restrukturierung, nämlich dem Kursrisiko des am schlechtesten performenden Basiswertes.

Die Restrukturierungskosten werden üblicherweise durch einen teilweisen oder gänzlichen Verzicht auf zukünftige Couponzahlungen finanziert. In den meisten Fällen lässt sich auf diese Weise für «zero cost» eine Transaktion re- strukturieren, d.h. dem Anleger erwachsen keine zusätzlichen Kosten: Er verkauft lediglich das alte Produkt und kauft das neue, restrukturierte Produkt zum selben Preis. Eine weitere Möglichkeit ist die Reduktion der zugrunde liegenden Basiswerte auf den am schlechtesten performenden Basiswert. Ein Barrier Reverse Convertible bezieht sich meist auf mehrere Basiswerte. Liegt einer der Basiswerte gegenüber anderen in seiner relativen Performance weit zurück und hat seine Barriere bereits durchbrochen, so empfiehlt es sich, das neue, restrukturierte Produkt nur noch auf diesen einen Basiswert zu beziehen. Die Preisentwicklung des Produktes ist zu diesem Zeitpunkt bereits weitestgehend abhängig von der Entwicklung des schlechtesten Basiswertes. Der Anleger kann auf diese Weise das Risiko eines abermaligen Durchbrechens der Barriere reduzieren. Diese Lösung bietet sich insbesondere bei der Restrukturierung von strukturierten Produkten auf Aktien an.

Reger Umbau

Auf Kundenwunsch ist in den vergangenen Monaten eine grosse Zahl von Produkten durch die emittierenden Banken auf diese oder ähnliche Weise restrukturiert worden. Anleger, die auf heuti- gen Marktniveaus eine positive Markterwartung haben, verschaffen sich somit die Chance, das eingesetzte Kapital bei Endverfall zurückzuerhalten.