Aufsichtsbehörden rund um den Globus haben im Herbst Leerverkäufe erschwert oder verboten. An der Börse herrschte Panik, die Kursverluste etlicher Bankenwerte hatten enorme Ausmasse angenommen. «Das Verbot von Leerverkäufen sollte eine gewisse Stabilisierung in den Markt bringen», sagt Christoph Riniker, Senior Strategist von Julius Bär. Heute ist die Stimmung an den Märkten aber nicht mehr so negativ, auch wenn die Kursschwankungen nach wie vor hoch sind.

Angst vor Liquiditätsengpässen

Angesichts dieser hohen Volatilität sah sich die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in diesen Tagen veranlasst, das verhängte Verbot von ungedeckten Leerverkäufen («Naked Short Selling», siehe Box) von elf deutschen Finanzwerten bis Ende März 2009 zu verlängern. Exzessive Kursbewegungen könnten die Stabilität des Finanzsystems gefährden, wird argumentiert. Vor allem bestehe die Gefahr, dass die Liquiditätsengpässe verschärft würden, weil der durch Leerverkäufe ausgelöste Druck auf die Kurse die Kapitalaufnahme für die Finanzinstitute erschwere. Gedeckte Leerverkäufe, bei denen der Investor die Aktie zum Zeitpunkt des Verkaufs ausgeliehen hat, sind aber weiterhin erlaubt.Dagegen hat der britische Regulator beide Arten von Leerverkäufen verboten, um die landeseigenen Bank- und Versicherungswerte zu schützen. In London werden aber auch einige Schweizer Finanzwerte gehandelt. An der SWX Europe in London sind die Aktien von UBS, Credit Suisse, Julius Bär, Swiss Re, ZFS, Swiss Life und Bâloise kotiert. Damit sah sich die Schweizer Börse zum Handeln veranlasst. «Wir haben daraufhingewirkt, dass für die Schweizer Finanztitel die gleichen Bedingungen gelten wie für die britischen an der London Stock Exchange», sagt Werner Vogt, Sprecher der SIX Swiss Exchange. Denn sonst wären die Schweizer Titel ins Visier von Baissespekulanten geraten. Entsprechend wurde das Verbot von gedeckten und ungedeckten Leerverkäufen auf Schweizer Finanztitel, die in London gehandelt werden, bis auf weiteres verlängert. An der Schweizer Börse sind gedeckte Leerverkäufe erlaubt, ungedeckte Leerverkäufe aber verboten. Dieses Verbot gilt damit auch für die kleineren Finanzwerte. «Die kleinen Titel sind viel weniger von Leerverkäufen betroffen», sagt Claude Zehnder, Chef-Analyst der Zürcher Kantonalbank. «Wegen der kleinen Volumen lohnt sich dieses Spiel für grosse Hedge-Fonds nicht.» Das Verbot von Leerverkäufen nütze aber sowieso nicht allzu viel. «Über kurz oder lang pendelt sich der richtige Kurs ohnehin ein.» Und in den letzten Wochen sind die Kurse der Finanzwerte trotz Verboten deutlich gefallen.