Der Rohölpreis der Sorte WTI für den laufenden Monat hat die 60-DollarMarke touchiert. Das ist der höchste Wert, den das schwarze Gold dieses Jahr erreicht hat. Grund für die Avancen sind Kämpfe in Nigeria: Angriffe auf Pipelines, Bohranlagen und Versorgungseinrichtungen hätten zu einer Drosselung der nigerianischen Ölförderung geführt.

Bereits eine Woche zuvor kratzten die Notierungen an der 60-Dollar-Marke. Anlass waren Fördermengenkürzungen der Opec. Auch die insgesamt aufgehellte Stimmung an den Märkten und der aufkeimende Konjunkturoptimismus sorgten für Auftrieb.

Kurzfristig Korrektur möglich

Dass die diesjährigen Höchstwerte erreicht wurden, deutet jedoch kaum auf weitere Avancen hin - zumindest nicht in kurzer Frist. «Die Öllager in den USA sind nun sehr voll», erklärt Erdölspezialist André Diem. Da es sich bei den stärkeren Aktienmärkten lediglich um eine Bear-Market-Rally handle, rechne er mit einer kurzfristigen Korrektur. Das bedeute auch für den Ölpreis einen kurzfristigen Rückschlag. «Mittel- bis langfristig wird sich der Ölpreis - nachdem er auf 45 bis 50 Dollar gefallen ist - auf 100 Dollar verdoppeln», prognostiziert Diem.

Auch eine jüngst publizierte Studie der Credit Suisse geht davon aus, dass der Ölpreis in den nächsten Wochen erneut unter 50 Dollar sinken wird, bevor ein neuerlicher Anstieg erfolgt. Der CS-Analyst André Frick jedoch rechnet mittel- bis langfristig mit Ölpreisen von über 70 Dollar pro Barrel.

Steigt der Ölpreis, profitieren in erster Linie Ölförderfirmen. «Für das Jahr 2009 bevorzugen wir Qualitätsnamen mit einer soliden langfristigen Perspektive», so Frick. Auf Fricks Kaufliste findet sich etwa der Branchenprimus ExxonMobil. Eine grosse Reservenbasis und ein breit diversifiziertes Projektportefeuille sorgen für eine gute Ausgangslage. Chevron, BP und BG Group empfiehlt Frick ebenfalls zum Kauf.

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Petroplus günstig bewertet

Diem findet dagegen Gefallen an Conoco Philipps und Hess Corp. «Sie gehören zu den sichersten Ölfirmen, weil sie eine sehr hohe Reserve-Replacement-Ratio aufweisen», so Diem. Diese Kennzahl beschreibt die Rate, mit der alte Reserven durch neue ersetzt werden. Neben klassischen Erdölförderfirmen gewinnen auch Raffinerien wie Petroplus, wenn das schwarze Gold an Wert zulegt. Anlässlich der am 7. Mai publizierten 1.-Quartals-Zahlen sagte Petroplus zwar, man gehe davon aus, dass die Raffinationsmargen kurz- bis mittelfristig unter dem Durchschnitt der vergangen Fünfjahresperiode liegen würden, doch eine Erholung der Raffinationsbranche noch 2009 sei möglich. Mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 4,7 liegt die Firma deutlich unter dem Branchendurchschnitt und könnte im Vorfeld einer Konjunkturerholung profitieren.

Steigende Erdölnotierungen helfen auch der Winterthurer Maschinenbaufirma Sulzer. Wichtigste Kundengruppen sind schliesslich die Öl- und Gasindustrie, Energieerzeugung , Luftfahrt und Automobil. Da Sulzer jedoch ein eher spätzyklisches Unternehmen ist, könnten weitere Kursavancen noch auf sich warten lassen.

Rentable Burckhardt

Burckhardt Compression stellt Kompressoren für das Verarbei- ten von Gasen her. «Die Firma erzeugt rund 50% ihrer Umsätze in der Öl- und Gasverarbeitung und der Chemieindustrie», so Vontobel-Analyst Fabian Häcki. Tiefe Ölpreise bringen die Renditen aus neuen Öl- und Gasprojekten unter Druck. Ansonsten kann das Unternehmen mit starken Bilanzkennzahlen und guten Rentabilitätswerten punkten.