Das klassische Instrument der Absicherung von Portefeuilles sind Put-Warrants. Nur: Bei solchen Puts fliesst die implizite Volatilität, die erwartete Schwankungsbreite der Basiswerte, stark in die Preisberechnung ein. Deshalb verteuert sich eine Absicherung ausgerechnet dann, wenn sie am dringendsten gebraucht würde.

Da trifft es sich gut, dass sich neben diesen bewährten Absicherungsinstrumenten weitere Möglichkeiten anbieten. Die Derivateanalysten der Bank Santander schlagen jetzt drei weitere Varianten vor, um europalastige Depots gegen grössere Rückschläge abzusichern: Calls in defensiven, liquiden Sektoren wie beispielsweise auf die einschlägigen Stoxx-Branchenindizes, Long-Short-Strategien wie den Kauf von Versorgern und den Verkauf des Euro Stoxx 50 bzw. den Kauf von Telecom-Netzbetreiberwerten und den Verkauf von Technologiewerten oder die Absicherung über Volatilitätsinstrumente.

Am besten in der grössten Not

Gerade die Absicherung über die Volatilität war in den vergangenen zwei Jahren immer wieder als Alternative diskutiert worden, zumal die Volatilität selber immer dann steigt, wenn die Aktienmärkte besonders stark fallen. Einige Banken hatten diesen Effekt als Zertifikate verbrieft. Der Erfolg in der Praxis und am Markt blieb indes bescheiden, obwohl mit dem VIX, der die Volatilität der amerikanischen S&P-500-Aktien abbildet, ein liquider, über Futures und Optionen investierbarer Basiswert bereitsteht.

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Laut den Analysten der Bank Santander liegt das an den Besonderheiten der Volatilität. Über die letzten 20 Jahre betrachtet, ist der statistische Zusammenhang zwischen dem VIX und dem S&P 500 mit 0,1 schwach negativ. In turbulenten Marktzeiten steigt diese negative Korrelation stark an. Damit entfaltet sich die Schutzwirkung genau dann, wenn sie am dringendsten gebraucht wird.

Zudem reagiert die Volatilität enorm rasch. Als der SMI im letzten Oktober Tagesschwankungen um 5% und Intradaybewegungen von 8% erlebte, sprang der VSMI, der die Volatilität der SMI-Werte umfasst, von 40 auf 80%. Und am «schwarzen Montag» im Oktober 1987, als der S&P 500 um 23% fiel, sprang der VIX um 94% nach oben. Die Volatilität der Volatilität ist über längere Zeiträume gerechnet 2,5 Mal höher als die von Aktienmärkten. Allerdings ist die Verteilung der Schwankungen anders als beispielsweise bei Aktien- oder Rohölmärkten: Über längere Zeiträume sind die Ausschläge vergleichsweise gering. In normalen Marktzeiten gibt es lediglich wenige Tage mit starken Schwankungen.

Geld lässt sich nicht verdienen

Volatilität selber lässt sich nicht mit anderen Assets wie Aktien oder Obligationen vergleichen, und es lässt sich damit auch kein Geld verdienen, wenn man in Instrumente auf Volatilität investiert, warnen die Analysten von Santander. Solche Anlagen sollten vielmehr wie Versicherungen gegen grosse Marktrückschläge gehandhabt werden.

Als Absicherungen für die Turbulenzen im September und Oktober 2008 hatten sich VIX-Optionen mit kurzer Laufzeit am besten bewährt. Sie funktionierten aber nur für Portefeuilles, die sich am S&P-500 orientieren. Für europa- lastige Depots sind Absicherun- gen über den VIX-Index nicht zweckmässig.