Am Donnerstag wird Nestlé aller Wahrscheinlichkeit nach erneut die Geschäftszahlen eines Rekordjahres publizieren. Die Konsenserwartungen für 2007 lauten auf einen Umsatz von 107,3 Mrd Fr. (entspricht einem Plus von 8,9% im Vergleich zum Vorjahr), ein Ebit von 14,7 Mrd Fr. (plus 10,5%) und einen Reingewinn von 10,2 Mrd Fr. (plus 10,9%). Bereits überzeugt hat der Aktienkurs: Im schwierigen Börsenumfeld stellte das Veveyer Unternehmen seine defensiven Qualitäten unter Beweis und legte 2007 satte 20% zu.

Seit Anfang Jahr ist aber auch Nestlé ins Straucheln gekommen und verlor rund 8%. Solche Kursverluste bleiben auf den Gesamtmarkt nicht ohne Folgen: Wenn ein Schwergewicht wie Nestlé Federn lässt, zieht es jeweils den Swiss Market Index (SMI) in Mitleidenschaft. Pluspunkt des Kursrückschlags ist die Bewertung – die Zürcher Kantonalbank schätzt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) 2007 auf 17. Nicht nur deswegen sind 75% der Analysten der Meinung, dass der Titel einen Kauf wert ist. Olivier Müller, Analyst bei der Credit Suisse, schreibt: «Nestlé ist eine zentrale Anlage im Nahrungsmittelbereich und verdient eine Bewertungsprämie.» Er verweist etwa auf die zunehmenden Aktivitäten von Nestlé im Gesundheits- und Wellnesstrend. Das Kursziel sieht er bei 590 Fr. Obwohl das Unternehmen mit hohen Rohstoffkosten zu kämpfen haben wird, bleiben die Aussichten intakt. «Für 2008 liegt trotz schwierigerem Umfeld ein zweistelliges Wachstum beim Gewinn pro Aktie drin», prognostiziert Analyst Patrik Schwendimann von der Zürcher Kantonalbank.

Verdreifachter Reingewinn

Doch die Konkurrenz schläft nicht. Vergangene Woche überraschte die französische Danone mit einem über Erwarten guten Reingewinn. Die Aktionäre belohnten das Unternehmen mit einem Kursgewinn von 2,5%. Die Ursache für die Verdreifachung des Reingewinns ist der Verkauf des Biscuitgeschäfts Lu. Ebenfalls wurde letztes Jahr – infolge der strategischen Neuausrichtung – Numico, der niederländische Hersteller von Babynahrung, erworben. Vontobel-Analystin Claudia Lenz zufolge ist das Resultat in Bezug auf das organische Wachstum und die Margenverbesserung klar positiv zu werten. Mit einem KGV für 2009 von 14 liegt Danone auf Augenhöhe mit der Konkurrenz. Seit Anfang Jahr überwiegt jedoch die Volatilität im Kursverlauf. Während Danone letztes Jahr 6,7% anstieg, sackten die Valoren seit Januar bereits um 14% in die Tiefe. Dennoch empfehlen 54% der Analysten den Titel zum Kauf.

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Unilever fehlts an Kursfantasie

Weniger Rückhalt findet Unilever bei Investoren. Lediglich ein Drittel würde den Titel kaufen. Dabei hatten Aktionäre des holländisch-britischen Nahrungsmittel- und Konsumgüterkonzerns im letzten Jahr durchaus Anlass zur Freude: Um 21% steigerte sich die Aktie. Doch seit Jahresbeginn dominiert – trotz eines Jahresergebnisses über den Erwartungen – Skepsis bei den Anlegern. Zeitweise verlor der Titel bis zu 5%. So wurde ein Aktienrückkauf in grösserem Umfang als angekündigt erwartet. Unilever tut sich schwerer als seine Konkurrenten, die ansteigenden Rohwarenkosten auf die Konsumenten zu überwälzen. Die UBS revidierte vor kurzem ihr Rating von «Kaufen» auf «Halten».