Der lawinenartige Kursrutsch bei Arpida hat die Investoren aufgeschreckt: Über 90% Kursverlust in einem halben Jahr die viel gepriesene Unabhängigkeit vom Zyklus von Biotech-Aktien wurde damit ernsthaft in Frage gestellt.

Doch es gibt auch das Gegenbeispiel. Das am Swiss Market Index (SMI) kotierte Biotech-Unternehmen Actelion hat sich während der Krise relativ gut behauptet. Ende August 2008 stand der Kurs bei 62 Fr. und hielt sich bis heute mit 54 Fr. relativ gut.

Actelion setzt Cashflow ein

Biotech-Unternehmen hängen vor allem von der Entwicklung, der Zulassung und vom Verkauf eines innovativen Medikaments ab. Actelions Beispiel dafür ist Tracleer, ein Mittel gegen Bluthochdruck in der Lunge. Ein zuverlässiger Wert, meint Olav Zilian, Analyst bei Helvea: «Geringe Konkurrenz, gut voraussehbarer Cash-flow und ein deutliches Upside-Potenzial aus der Pipeline.»

Letzteres rührt vor allem daher, dass Actelion durch den starken Cashflow seine Forschungs- und Entwicklungstätigkeit selber finanzieren und zusätzlich noch Reserven aufbauen kann. Actelion1, das Nachfolgemedikament von Tracleer, ist ein Beispiel für eine langfristig geplante Produkteentwicklung. Sollte es dieser Wirkstoff durch die Testphasen auf den Markt schaffen, würde dies die starke Position Actelions weiter festigen. Auch gut performt hat Basilea: Ihr Kurs Ende August 2008 betrug 167 und ist heute bei 153 Fr. Die Empfehlung von Merrill Lynch lautet auf «Buy». Zusätzlich erhöhte sie den Zielkurs von 185 leicht auf 188 Fr. Die Firma weist gemäss Zilian von Helvea eine «solide Substanz» auf.

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Ein weiterer Vorteil: Das Management verstand es, mit einer restriktiven Lizenz- und Finanzierungspolitik den erschaffenen Wert der eigenen Medikamente in der Firma zu behalten. Hauptwertträger der Basilea sei das Hautmedikament Toctino, so Zilian. Ein Pilzmittel, Isavuconazol, ist in der letzten Phase der Zulassung. Da Basileas Medikamente entweder wirksamer oder vielfältiger anwendbar sind als die Konkurrenzprodukte, haben sie gemäss Zilian ein vielversprechendes Vermarktungspotenzial. Dies relativ unabhängig vom Konjunkturzyklus.

Hochrisiko-Anlagen

Der Einbruch bei Arpida zeigt jedoch, dass es unabhängig von der Konjunktur zu schweren Einbrüchen bei Biotech-Investments kommen kann. Denn das Risiko fährt bei solchen Anlagen immer mit. «Am Anfang einer Biotech-Firma steht meist der Risikokapitalgeber», meint Zilian von Helvea. In der Regel beginnt dann eine Biotech-Firma mit einem Forschungsetat in ein- bis zweistelliger Millionenhöhe und ohne Aussicht auf eine unmittelbare Einnahmequelle. Der Verbrauch liquider Mittel muss dann zwingend zur Wertsteigerung ausgewählter Produktkandidaten eingesetzt werden.

Cytos Biotechnology ist ein weiteres Beispiel des Auf und Ab der Hoffnungen um die «Pipeline». Lange ein Darling der Börse, hat sich bei Cytos sogar Novartis anheischig gemacht und die Lizenzrechte an einem Alzheimermedikament und einem Nikotinimpfstoff erworben. Nun sank der Kurs der Cytos-Aktie seit Ende August 2008 um 47% von 57 auf 27 Fr. Zilian rechnet dazu mit einem hohen Risiko, dass die Nikotinimpfungsstudie fehlschlagen könnte.