Auch Insider können falsch liegen: Laut dem Informationsdienst 2iQ kauften griechische Manager Anfang April 22-mal die Aktien ihrer eigenen Unternehmen. Kaum waren diese Transaktionen gemeldet, brach die Börse in Athen unter dem Eindruck der griechischen Schuldenkrise ein.

Insidertransaktionen gelingen also nicht immer, doch gelten Top-Manager und Verwaltungsratsmitglieder als die besten Quellen für die Einschätzung der näheren Zukunft eines Unternehmens. Sie haben Einblick in die Bücher. Zudem können sie im Vorfeld von Ergebnissen handeln, bevor die Informationen bekannt sind.

Untersuchungen zum «Wert» von Insiderwissen zeigen, dass Insidertransaktionen vor allem im Aufschwung gut funktionieren. Dann haben auch Anleger etwas vom Insiderwissen, denn Manager kaufen bevorzugt in schwächeren Marktphasen, wenn die Aussichten gut sind und die Aktie noch unterbewertet ist.

Käufe sagen mehr als Verkäufe

Laut Bankenvertretern sind Verkäufe allerdings deutlich weniger aussagekräftig. Denn oft müssen Top-Manager ihre Aktien verkaufen, «weil es sonst Klumpenrisiken in ihren eigenen Depots geben würde, von denen Anlageberater in Banken dringend abraten würden, wenn sie ihnen als Kunden gegenübersitzen würden», so ein Sprecher einer Bank. «Da heute diese Verkäufe sehr stark reglementiert sind, können die Top-Manager ihre Aktien nur noch an ganz wenigen Tagen nach dem Quartalsergebnis verkaufen.»

Daniel Koller, Finanzchef bei der Bellevue Group, erläutert: «Wir melden immer wieder mal Käufe von Aktien durch Geschäftsleitungs- und Verwaltungsratsmitglieder. Für uns ist das Ausdruck unternehmerischer Verantwortung, denn echte Unternehmer haben eben oft ihr ganzes Vermögen in ihre Firma gesteckt.» So wurden im April 35 000 Aktien im Wert von 1,3 Mio Fr. gekauft. Ähnlich sieht es bei Partners Group aus. Zuletzt wurden sieben Verkäufe von Top-Managern gemeldet, bei denen gesamthaft Aktien im Wert von 32 Mio Fr. abgestossen wurden. Laut VR-Präsident Alfred Gantner sind «die Verkäufe daher absolut im Rahmen des normalen Geschäftsverlaufs zu sehen». Seit dem Börsengang haben er und das Management deutlich mehr Aktien zurückgekauft als im Markt verkauft. Partners Group decke zudem laufend die neu ausgegebenen Aktien- und Optionsprogramme durch Rückkäufe, da das Management weiterhin substanzielles Potenzial in der Aktie sehe.

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Bei Forbo möchte man sich zum Verkauf von 172 000 Aktien im Wert von 75 Mio Fr. nicht weiter äussern. Das Paket wurde vor wenigen Tagen von der Holdinggesellschaft Franke Artemis verkauft. Damit hat sich laut einer Sprecherin die Beteiligungsquote von Franke Artemis im Zeitraum vom März bis Mai 2010 trotzdem um etwas mehr als 1% erhöht. Drei Wochen zuvor meldete Rieter im Rahmen des gleichen Geschäftes den Kauf von 288 000 Aktien im Wert von 92 Mio Fr.

ZFS bezahlt die Steuerrechnung

Bei Geberit verkauften drei Manager Aktien im Gesamtwert von 2,4 Mio Fr. zu 194 Fr., die Papiere sind heute 10% billiger. Im jüngsten Wochenbericht von 2iQ Research stand die Transaktion von Edipresse vom 23. April prominent zuoberst auf der Europa-Liste. Hier kaufte Edipresse-Verleger Pierre Lamunière in einem ersten Schritt des Zusammenschlusses mit der Tamedia 219 000 Aktien im Wert von 55 Mio Fr.

Dass Verkäufe auch Ausdruck der «langfristigen, leistungsorientierten Aktien- und Aktienoptionspläne für Führungskräfte» sein können, sei die Ursache des Verkaufs von sechs Tranchen im Wert von 2,4 Mio Fr. bei Zurich FS, wie eine Sprecherin des Versicherers sagt. Mit dem Erlös sollen Steuern beglichen werden. Immerhin war der Zeitpunkt günstig, denn drei Wochen später stand die Zurich-Aktie aufgrund der Griechenland-Krise 10% tiefer.