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Value-Wert
Modelabel Gerry Weber hat grosses Aufholpotential

Eva Herzigova
Das Gesicht von Gerry Weber: Supermodel Eva Herzigova.Quelle: ZVG

Der Modekonzern leidet – und forciert den Umbau. Für Anleger kann das interessant sein.

Von Georg Pröbstl*
am 12.10.2018

Gerry Weber ist kein Einzelfall, aber ein Musterbeispiel: Auf starkes Wachstum mit einem Höhenflug der Aktie zeigen sich früher oder später fast immer die Folgen einer schnellen Expansion – und enorme Kursrückschläge.

Tatsächlich konnte der Anbieter von Damenmode und Accessoires viele Jahre lang rasch wachsen. Im Rahmen der einstigen Strategie mit der Eröffnung zahlreicher eigener Geschäfte, in denen Gerry Weber seine Produkte selbst verkauft, kletterte der Umsatz beispielsweise in den letzten zehn Jahren um 54,5 Prozent auf gut 880 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2016/17. Infolge des starken Wachstums hat sich der Kurs zwischen 2009 und 2014 vervierfacht.

Seither allerdings hat sich die Notierung gezehntelt. Das ehemalige SDAX-Mitglied ist wegen des geänderten Einkaufsverhaltens der Kunden hin zum Online-Shopping, aber auch wegen der Nachfrageschwäche nach Textilien im Heimmarkt Deutschland unter Druck. Das Wachstum ist abgeflaut. In den letzten drei Jahren kletterte der Umsatz nur noch um 3,4 Prozent. Dafür gingen die Kosten durch die Decke. Der Personalaufwand legte in den drei Jahren um fast ein Viertel zu, die Mieten stiegen sogar um über 70 Prozent.

Stark gestiegene Kosten sorgen für einen dramatischen Gewinneinbruch

Infolge dessen verzeichnet Gerry Weber dramatische Gewinnrückgänge. In den letzten zehn Jahren fiel das Ergebnis vor Zinsen und Steuern beim Konzern aus Halle in Westfalen auf ein Sechstel und lag im vergangenen Jahr nur noch bei 10,1 Millionen Euro. Das noch bis Ende Oktober laufende Geschäftsjahr 2017/18 wird sogar noch schlechter.

Die Schliessung von eigenen Läden und der Konzernumbau mit Fokus auf mehr Effizienz, die Senkung der Kosten, aber auch der Ausbaus der eigenen Online-Shops schlagen hier zu Buche. In diesem Jahr gibt es Sonderbelastungen von über 15 Millionen Euro. Der operative Gewinn soll deshalb in 2017/18 nur zwischen minus 10 Millionen und 0 Euro liegen.

Der Konzernumbau wird forciert

Vor wenigen Tagen allerdings wurde das Management komplett umgebaut und die neuen Chefs sollen die Neuausrichtung des Unternehmens noch schneller vorantreiben. Zudem stellt Gerry Weber hinsichtlich Kosten und Optimierung alle Bereiche auf den Prüfstand. Und E-Commerce steht nun ebenfalls ganz weit oben auf der Agenda.

Die Aktie notiert rund 70 Prozent unter dem Eigenkapital von 8.79 Euro. Klappt der Turnaround und die Rückkehr in die Gewinnzone, dann sind schon bald wieder Kurse im Bereich des Buchwerts drin.

 

Gerry Weber AG

ISIN: DE0003304101

Gewinn je Aktie 2018/19e: 0,15 €

KGV 2018/19e: 19,3

Dividende/Rendite 2018e: -

EK je Aktie: 8,79 €

EK-Quote: 53,1 Prozent

KBV: 0,3

Kurs/Ziel/Stopp: 2,90/4,80/1,90 €

 

* Georg Pröbstl ist Chefredaktor des Börsenbriefs Value-Depesche. Der Börsendienst ist auf substanzstarke, unterbewertete Aktien mit guten Perspektiven aus der D-A-CH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) spezialisiert. Performance des Musterdepots 1 Jahr: +18,7 Prozent ( DAX: +5,6 Prozent), 3 Jahre: +51,8 Prozent (DAX: +14,9 Prozent). Seit Start im April 2010 steht ein Zuwachs von +374,2 Prozent (Dax: +96,9 Prozent)

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