W ie ernst die Lage in Korea ist, zeigt der Kursrutsch des Won, der zum Dollar über 30% einbüsste. Trotzdem leiden die auf den Export konzentrierten koreanischen Firmen. Der Autohersteller SsangYong beurlaubt seine Mitarbeiter und der Stahlriese Posco drosselt die Produktion. Ernsthaft gefährdet sind auch die Banken, deren Eigenkapitalquote verglichen mit anderen asiatischen Instituten gering ist.

Nun macht sich unter Koreanern Angst breit. Sie haben die Asien-Krise vor elf Jahren schmerzlich in Erinnerung. Derweil versucht die Regierung zu beruhigen. Das Land stehe heute viel besser da, wird Staatspräsident Lee Myung Bak nicht müde zu versichern. Tatsächlich fällt der Devisenbestand deutlich höher aus als seinerzeit. Ein Teil der Währungsreserven wird zur Stabilisierung des Bankensystems genutzt. Doch dies vermag die Stimmung ebenso wenig zu heben wie das 8-Mrd-Euro- Konjunkturprogramm und die jüngsten Zinssenkungen. Laut der Regierung wird die Wirtschaftsleistung 2009 trotzdem schrumpfen. «Kursfantasie bietet der koreanische Aktienmarkt derzeit nicht», sagt Allan Conway, Leiter Emerging Markets bei Threadneedle. «Unsere durchschnittliche Gewinnerwartung für die Firmen liegt im kommenden Jahr bei null. Wir sind daher in Korea untergewichtet.»

Indien weniger beeinträchtigt

Auch Indien spürt die Folgen des Finanzdesasters. Die Wachstumsraten für 2009 wurden auf 7,5% korrigiert, und Firmen wie Tata Motors kürzen ihre Investitionen. Doch es gibt Lichtblicke: Zum einen liegt der Beitrag des Aussenhandels am 950 Mrd Euro schweren Bruttoinlandprodukt nur bei rund einem Fünftel. Das Wirtschaftswachstum ist durch die globale Rezession weniger beeinträchtigt als in Korea. Zum anderen tragen die Infrastrukturinvestitionen der Regierung erste Früchte. Dank des Ausbaus des maroden Strassennetzes können Indiens Bauern heute ihre Waren schneller in die Städte bringen, sodass weniger Erzeugnisse verderben. Die Mehreinnahmen werden in Mobilität investiert, wovon Hero Honda Motors profitiert. Die Aktie des Motorradbauers zählt zu den wenigen Werten an der Börse in Bombay, die 2008 ein Plus aufweisen.Dass bisher keine Reform des Bankensektors eingeläutet wurde, gilt ebenfalls als positiv. So bleibt es den staatlichen Instituten untersagt, in schwer durchschaubare Finanzprodukte zu investieren oder Derivate aufzulegen. «Unser Bankensystem ist dadurch stabil, die Einlagen sind sicher», meint Finanzminister Palaniappan Chidambaram. Hinzu kommt, dass Indien nicht unter dem Preisverfall bei den Rohstoffen leidet. Im Gegenteil: Die Inflation, die lange zweistellige Werte erreichte, beträgt heute nur noch rund 9%. Sharmila Whelan, Asien-Expertin bei Crédit Lyonnais Southeast Asia, glaubt daher, dass Indien die Finanzkrise schnell überwinden wird: «Das Schlimmste ist Mitte 2009 vorbei. 2010 wird der Konjunkturmotor wieder kräftig laufen!»Zeit also, erste Positionen bei indischen Aktien aufzubauen? Threadneedle-Experte Conway ist skeptisch. Seiner Meinung nach sind viele Titel noch zu teuer. Ein weiteres Minus von bis zu 20% sei nicht auszuschliessen. Zudem stört ihn das hohe Haushaltsdefizit. «Das begrenzt die Möglichkeiten der Konjunkturankurbelung.»

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China stemmt sich gegen Flaute

Anders sieht es in China aus, wo sich die Regierung dank immenser Währungsreserven gegen den Abschwung stemmt. Peking wird bis 2010 rund 485 Mrd Euro in die Wirtschaft pumpen. Ziel der Regierung ist es, das jährliche Wachstum nicht unter 8% absinken zu lassen. Wird der Wert unterschritten, dürften die Arbeitslosenzahlen steigen, was die soziale Balance ins Wanken bringen könnte. Sollten die vier Billionen Yuan also nicht ausreichen, dürfte neues Geld nachgeschossen werden. Die Entschlossenheit der chinesischen Regierung, den Abschwung zu stoppen, gefällt vielen Profis. Sie haben chinesische Aktien in den Portfolios übergewichtet.