Als Teenager habe ich einem US-Soldaten ein Paket Kaugummi für 1 Franken abgekauft», erzählt der 77-jährige Tito Tettamanti. Die fünf Kaugummis darin habe er seinen Schulkameraden für je 1 Franken weiterverkauft. Dabei resultierte ein Gewinn von 500%. «Die beste Investition meines Lebens», sagt der Tessiner Financier heute mit einem Augenzwinkern.

Als «aktiver Aktionär» in Fahrt

Dass der Grossinvestor nicht nur mit Kaugummis handeln kann, hat er bereits mehrfach unter Beweis gestellt. Die «Bilanz» schätzt Tettamantis Vermögen auf 800 bis 900 Mio Fr. Mit seiner Investmentgesellschaft Sterling Strategic Value Limited hält er Beteiligungen an Unternehmungen weltweit, unter anderem auch an den Schweizer Firmen Charles Vögele, Inficon und Comet. Der promovierte Rechtsanwalt sieht sich selbst als «aktiven Aktionär». Was das bedeutet, bekamen in der Vergangenheit schon die Schweizer Maschinenbauunternehmen Sulzer, Saurer und Rieter zu spüren. Tettamantis Einflussnahme sorgte damals für grosses Aufsehen. Auch im Juli 2006 machte die von Tettamanti eingefädelte Herauslösung der «Weltwoche» aus dem Jean-Frey-Verlag von sich reden. Tettamanti vermachte die publizistische und verlegerische Leitung der «Weltwoche» dem rechtsliberalen Journalisten Roger Köppel. Köppel kaufte 60% der Anteile der neu gegründeten Weltwoche Verlags AG, das Mutterhaus Jean Frey behielt 40%. Auch dieses Jahr hat Tettamanti wieder gewirkt: Nachdem bei Charles Vögele verschiedene Aktionärsgruppen, darunter auch Sterling, eigene Leute in den Verwaltungsrat setzen wollten, kündigte der bisherige Chef Daniel Reinhard seinen Rücktritt an.

Tettamanti selbst bezeichnet seinen Anlagestil als «opportunistisch und deal-orientiert». Er sei kein klassischer Börsianer.

Wichtige Anlagethemen für die nächste Dekade sind gemäss Tettamanti «sicher Energie – jedoch hoffentlich nicht von Staatsbeiträgen verfälscht». Der liberale Investor (und ehemalige CVP-Regierungsrat im Kanton Tessin) ist bekanntermassen kein Freund von rigorosen Staatseingriffen.

Konjunkturresistente Pharma

Tettamanti sieht aber auch Nahrung als grosse Investmentchance: «Immer mehr Leute wollen und können sich besser ernähren», führt er aus. Unter den Schweizer Aktien werden von der Mehrheit der Analysten folgende Food-Titel zum Kauf empfohlen: Nestlé, Barry Callebaut, Bell und Hügli.

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Doch nicht nur gegessen wird immer: Pharma und Pflege sind ebenfalls konjunkturresistente Themen, die der Grossinvestor im nächsten Jahrzehnt für spannend hält . «Die Anzahl der Welteinwohner – insbesondere die Anzahl alter Menschen erhöht sich stetig», so Tettamanti. Dazu steigt das Lebensniveau, speziell in den Emerging Markets, führt er aus. Auch jüngst haben die Pharmaschwergewichte outperformt: Roche und Novartis haben seit Jahresbeginn lediglich 6 bzw. 8% an Wert eingebüsst – im Gegensatz zum Swiss Market Index (SMI) mit Minus 20%.

«Wir tappen noch im Dunkeln»

Wie es um die nähere Zukunft bestellt ist, kann jedoch auch der Anlageprofi nicht beantworten. «Wir tappen noch im Dunkeln bezüglich der genauen Tragweite der Finanzkrise und sind nicht in der Lage, eine Voraussage für die 2009- Resultate von Main Street zu machen», so Tettamanti. Auf die Markterwartungen für dieses Jahr angesprochen, lautet sein Kommentar: «Schwieriges Jahr.»

Doch so ganz will der Investor den Anlegern den Risikoappetit doch nicht nehmen: «Einem Investor darf nie der Mut fehlen, einen Verlust hinzunehmen», lautet seine Devise. Denn: «Das gehört zum Spiel.»