Der überraschend klare Sieg des Rechtspopulisten Jair Bolsonaro bei der ersten Runde der brasilianischen Präsidentschaftswahl hat am Montag auch der Landeswährung einen Schub gegeben. Der Real wertete zum Dollar um über drei Prozent auf. Somit mussten für einen Dollar nur noch 3,76 Real nach 3,84 Real am Freitag bezahlt werden.

Auf Bolsonaro entfielen bei der Wahl am Sonntag 46,3 Prozent der Stimmen. Sein linker Kontrahent Fernando Haddad erreichte 29 Prozent. Bolsonaro zieht nun als klarer Favorit in die Stichwahl am 28. Oktober. «Die Finanzmärkte favorisieren Bolsonaro, der im Falle eines Wahlsieges den Investmentbanker Paulo Guedes zum Superminister für Wirtschaft und Finanzen machen will», sagte LBBW-Analyst Martin Güth.

Jair Bolsonaro, Brazilian presidential candidate for the Social Liberal Party, during his political party in Sao Paulo, Brazil, on August 5, 2018. (Photo by Dario Oliveira/NurPhoto via Getty Images)

Der Rechtspopulist Jair Bolsonaro gilt als Favorit für die Wahl des brasilianischen Präsidenten.

Quelle: Dario Oliveira/NurPhoto

Fonds mit brasilianischen Werten beliebt

Der Sieg Bolsonaros beflügelt auch die Aktien aus dem südamerikanischen Land. Zwei in London notierte börsengehandelte Aktienfonds (ETFs) mit brasilianischen Werten legten am Montag jeweils mehr als sechs Prozent zu und waren mit 2377,75 und 72,94 Pence jeweils so teuer wie seit Monaten nicht. In Frankfurt gewannen die Titel des staatlichen Ölkonzerns Petrobras sogar knapp neun Prozent.

«Der Markt atmet auf, da Haddad, dessen Politik Brasilien nicht aus der wirtschaftlichen Talsohle befreien würde, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht Präsident werden wird», sagte Edwin Gutierrez, Analyst bei Aberdeen Standard Investments. Wichtiger als eine Präsidentschaft Bolsonaros sei aber die mögliche Berufung des Ökonomen Paulo Guedes zum Finanzminister, betonte Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen. «Noch muss sich aber zeigen, wie viel Einfluss Guedes tatsächlich auf die Wirtschaftspolitik haben wird, sollte er es ins Amt schaffen.» Bolonsaro kündigte unter anderem einen verschärften Kampf gegen Korruption und verstärkte Privatisierungen an.

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(awp/reuters/tdr)