Der Schweizer Fondsverband Swiss Funds Association (SFA) möchte mit einer jüngst lancierten Kampagne das Fondswissen von Herrn und Frau Schweizer verbessern und zugleich die Nachfrage nach Fondsprodukten ankurbeln.

Denn unter der Krise haben nicht nur die verwalteten Fondsvermögen gelitten, diese hat auch gezeigt, dass viele Anleger sich viel zu wenig mit ihren Investments auseinandersetzen. Dies verdeutlicht auch der jüngste Wissenstest von Axa Investment Managers. Dort schneiden Schweizer Anleger im internationalen Vergleich gut ab, beantworten Wissensfragen zu Anlagefonds aber dennoch zu einem grossen Teil falsch.

Eine sympathische Eule wurde nun vom SFA zum Aushängeschild einer vor Kurzem lancierten Imagekampagne auserkoren. Auf einer Webpage und in fünf national ausgestrahlten TV-Spots werden die Eigenschaften der Anlageform Investmentfonds aufgezeigt. Fonds sind liquide, diversifiziert, transparent, sicher und sie werden professionell gemanagt so die Aussage der Spots.

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Frauen gezielt ansprechen

Die nette Anleger-Eule trägt dabei durchwegs Schlips und Jackett und ein einziges Mal Fliege: Nämlich dann, wenn die Angetraute im Bild auftaucht. Notabene nicht als Anlegerin, sondern als kostspieliges «Accessoire» für den Gala-Abend. Die Botschaft ist klar: Investieren ist und bleibt Sache des Eulerichs, pardon, Mannes.

Doch genau damit vertut die Branche eine Chance. Umfragen zeigen, dass gegen 20% der Männer Anlagefonds besitzen. Hingegen sind nur rund 10% der Frauen in Fonds investiert. Sie wären eine ideale Zielgruppe für die Industrie. «Frauen müssen von der Finanzindustrie motiviert werden, denn sie drohen als Marktteilnehmer wegzubrechen», fordert Fleur Platow, Anlageexpertin und Seminarleiterin bei «Frauen und Finanzen». Die Finanzkrise hat dazu geführt, dass viele Investoren den Märkten den Rücken gekehrt haben, doch bei Frauen sei der Frust noch deutlicher zu spüren als bei Männern. Bei einigen Vorträgen für Frauen beträgt der Rückgang gegen 30%. «Viele Teilnehmerinnen haben Lust zu investieren, trauen sich dies aber nicht zu», sagt Platow. Um das zu ändern, sollten speziell auf Frauen zugeschnittene Workshops oder Referate angeboten werden. «Ich bin enttäuscht darüber, dass die Branche es versäumt hat, an der Fondsmesse darauf einzugehen», so Platow. Die Messe findet vom 3. bis 5. Februar statt und bietet keine Veranstaltung, die ausdrücklich auf die Bedürfnisse von Anlegerinnen eingeht. «Frauen sind ein Marktsegment, das gerade jetzt aktiv bearbeitet werden muss», so Platow. Diesen Aufwand würden viele Finanzdienstleister aus Kostengründen scheuen.

Kapitalschutz für ABC-Schützen?

Wobei einzelne Beispiele wie etwa die speziell auf Frauen zugeschnittene Anlageberatung «Lady Consult» der Basler Kantonalbank aufzeigen, wie solche Angebote aussehen könnten. Platow hält Veranstaltungen für besonders Erfolg versprechend, die Investmentinformationen mit gesellschaftlichem Eventcharakter verbinden. Das würde Frauen reizen, die für Themenfonds und ETF etwa mit Schwerpunkt Luxus oder Nachhaltigkeit prädestiniert seien.«Die Kampagne soll das Fondswissen der Anlegerin und des Anlegers verbessern», sagt SFA-Präsident Martin Thommen. Der Verband habe sich für einen neutralen Ansatz entschieden, um so Frauen und Männer gleichermassen ansprechen zu können. Die Kampagne sei aber auch nur ein Teil eines grossen Puzzles. Es könnte sinnvoll sein, dass der «Umgang mit dem Geld» zum obligatorischen Stoff der Schule gehört. Kinder sollten stufengerecht in die Thematik eingeführt und ausgebildet werden.«Männer fühlen sich wohl damit, wenn sie wenig über eine Anlage wissen, hingegen fühlen sich Frauen dadurch eher verunsichert», sagt ETH-Professorin Renate Schubert, die an der ETH das Anlageverhalten von Frauen und Männern erforscht. Sie begrüsst daher auch die Initiative des SFA, denn es sei wichtig, gerade auch Frauen die Eigenschaften von Anlagefonds bekannt zu machen. «Bevor Frauen in eine Anlage investieren, wollen sie möglichst viel über sie erfahren», sagt Schubert. Bei Männern stehe hingegen vielmehr das «Gambeln» im Vordergrund. Erfahren Männer «zu viel» über ein Investment, wird es für sie langweilig und entsprechend uninteressant.

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Differenziertes Angebot

Anlegerinnen könne die Unsicherheit mit einer umfassenden Beratung genommen werden. Doch diese ist teuer, entsprechend muss von Anlegerseite mehr investiert werden, bevor Finanzinstitute überhaupt dazu bereit sind. Zudem sei die Beratung häufig nicht auf Frauen zugeschnitten. «Werden in einem Beratungsgespräch zu viele Fachwörter verwendet, sind Frauen noch stärker eingeschüchtert», sagt Schubert. Deshalb sind Seminare für Frauen ein guter Weg, um ihre Anlagestrategie festzulegen. Es braucht also ein wenig mehr als TV-Spots.