Die Hypothekenfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae waren unter den ersten grossen Institutionen, die in der Finanzkrise Rettungspakete von der US-Regierung erhielten. Aber auch unter staatlicher Vormundschaft sind beide ohne konkrete Pläne für die Zukunft, eine klare Ausstiegsstrategie der US-Regierung gibt es nicht.

Fast eineinhalb Jahre nach Beginn der globalen Wirtschaftskrise bleiben viele Probleme ungelöst, die zu ihrem Ausbruch geführt haben. Eines davon sind die faulen Hypotheken für US-Eigenheime, auf denen Fannie und Freddie sitzen. Eine Stützungszusage in unbegrenzter Höhe gab das US-Finanzministerium den beiden Hypothekenriesen am 24. Dezember vergangenen Jahres. Bisher erhielten sie rund 111 Mrd Dollar.Diesen Blankoscheck stellte die US-Regierung aus zwei Gründen aus. Erstens, da beide wichtige Zahnräder in der Maschinerie des US-Häusermarkts sind. Zusammen mit der Federal Housing Administration halten sie neun von zehn US-Hypothekenkrediten. Und Zweitens sind beide Unternehmen Werkzeuge in der Kampagne der Regierung, das Schlamassel am Häusermarkt zu bereinigen. «Wir treffen Entscheidungen über Kreditmodifikationen und andere Dinge, ohne dabei allein von Profitdenken geleitet zu sein», sagte Freddie-Mac-Chef Charles E. Haldeman Jr. Ende Januar in einer Rede vor dem Detroit Economic Club.

Nationales Interesse überwiegt

Indem sie die Garantie für 24 Mrd Dollar Schulden übernahmen, halfen Fannie und Freddie, die Kreditvergabe staatlicher und lokaler Darlehensgeber wieder anzukurbeln. Die Regierung kann zudem für viele Immobilienfinanzierungsprojekte den US-Kongress umgehen. Die Hypothekenbank werde «als Instrument nationaler Wirtschaftspolitik» benutzt, klagte etwa Daniel Mudd, bis September 2008 Fannie-Chef. Besonders ein Programm zur Modifizierung der bedrohten Hypothekenkredite verfolgt weiter das alte Ziel, möglichst vielen Amerikanern unabhängig von ihrem Einkommen die Chance auf ein Eigenheim zu bieten.

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Die US-Regierung sicherte zu, 3 bis 4 Mio Schuldnern die Chance zu geben, ihre Kreditkonditionen neu auszuhandeln. Bis Dezember schrieben Kreditanstalten 903 000 Kunden in das Programm ein. Bisher haben aber lediglich 66 000 Kreditnehmer neue Bedingungen erhalten.

Schätzungen nicht düster genug

Die Aufgabe der beiden Hypothekenbanken ist dabei, das Sammeln der Hypothekenraten durch untergeordnete Kreditinstitute zu überwachen. Kritik am Programm scheint nicht angebracht. David Moffett, der bei Freddie Mac im September 2008 das Ruder übernahm, kündigte bereits ein halbes Jahr später. Seine Warnungen, die Ziele des Programms seien unrealistisch, stiessen auf taube Ohren: «Sie wollten unsere Meinung nicht hören», sagte Moffett.

Auch der aktuelle Freddie-CEO Haldeman stellte schnell fest, dass das Programm zur Modifizierung der bedrohten Kredite bei der Obama-Administration höchste Priorität geniesst. Doch das ist nicht das Einzige, was ihm Kopfschmerzen bereitet. Da immer mehr Hypotheken ausfallen, hat Freddie Anspruch auf eine grosse Zahl an Eigenheimen. Das Unternehmen möchte diese schätzen lassen, um sie anschliessend zu verkaufen. Das würde aber wiederum die Häuserpreise nach unten reissen, was Freddie Mac selber vermeiden will. Der Verband der US-Hypothekenbanker schätzt, dass bis zu 6% der Hypotheken bei Fannie Mae und 5% bei Freddie Mac in den nächsten 18 bis 24 Monaten ausfallen werden. Das würde die Kosten des Rettungspakets für die Hypothekenriesen nach einer Schätzung der Investmentbank Keefe, Bruyette & Woods vom Oktober auf 175 Mrd Dollar treiben. Kürzlich räumte die Bank ein, dass sogar diese düstere Schätzung vermutlich zu optimistisch sei.